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Mut zum Spiel – im Unternehmen!

Als Abwechslung zu monotonen Meetings werden in Unternehmen regelmäßig mehrstündige und sogar mehrtägige Workshops abgehalten. Aus meiner Sicht wird dabei in den seltensten Fällen das volle Potential dieser Workshops ausgeschöpft. Zwar wird viel auf Flipcharts und Post-its festgehalten, nachhaltig wirken die gewonnenen Erkenntnisse jedoch nur, wenn der Moderator es schafft, Emotionen zu wecken. Spiele lösen bei jedem Menschen im Kindesalter die größten Emotionen und damit auch die nachhaltigsten Lernschritte aus – daher nutze ich diesen Effekt gerne für erfolgreiche Workshops im Business-Kontext und kann es wärmstens empfehlen.

Welche Voraussetzungen sind nötig, um agile Spiele im Unternehmen anwenden zu können?

  1. Vertrauen in den Moderator

    In den meisten Unternehmen sind Spiele weit davon entfernt, das Medium der Wahl zu sein. Im Gespräch mit Kunden, Bekannten und Freunden begegnet mir regelmäßig der Zweifel, ob Spiele wirklich zielführend für die Kommunikation zwischen Erwachsenen sind. Meine klare Antwort darauf ist: Ja, sie sind es!
    Vor allem für unternehmensinterne Moderatoren ist es wichtig, ihre Kompetenzen zunächst durch unkonventionelle Methoden unter Beweis zu stellen. Ob man vorab durch die Visualisierung eines Meetings oder durch die Einführung kreativer Retrospektiven geglänzt hat: Das alles ist für die initiale Unterstützung der Teilnehmer und für die Umwandlung von Skepsis in Begeisterung entscheidend.

  2. Wahl des richtigen Spiels

    Für einen Moderator ist es essentiell, das Ziel des Workshops vor Augen zu haben und es vorab mit den Stakeholdern oder Teilnehmern abzustecken. Ist das Ziel einmal definiert, empfiehlt es sich, in der Literatur (z. B. Gamestorming: Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren) oder auf einer der zahlreichen Internetseiten (z. B. Agile Games oder tastycupcakes.org) nach geeigneten Spielen zu suchen. Bevor das Spiel der Wahl mit den Teilnehmern erprobt wird, gibt es noch die beiden folgenden Punkte zu beachten:

    a) Gute Einschätzung der Teilnehmer

    Wenn ich die Teilnehmer nicht kenne, mache ich mich über sie schlau. Wenn ich sie kenne, ist es umso einfacher einzuschätzen, wer von ihnen ein potentieller Unterstützer und wer ein Skeptiker sein wird. Wenn ich mir vorher diese Gedanken mache, kann ich später im Spiel die Rollen so verteilen, dass die positive Energie der Unterstützer im Spiel verstärkt wird. Für den Umgang mit Skeptikern kann ich empfehlen, vorab im Zweiergespräch die Zielsetzung und die Vorgehensweise des Spiels zu erläutern, um Diskussionen vor dem Spiel gering zu halten. Vor allem, wenn es sich um Führungskräfte handelt, die starken Einfluss auf ihre Mitarbeiter haben, kann dieser Widerstand verheerend auf die Zielerreichung wirken.

    b) Sehr gute Vorbereitung

    Wenn man in einem Unternehmen Spiele zum ersten Mal anwendet, ist eines der schlimmsten Szenarien, dass die Teilnehmer keinen Mehrwert darin erkennen. Jeder weitere Versuch, Spiele einzusetzen, wird dann zu einem Hindernislauf. Hier hilft die ständig wachsende Agile Community, die in Meetups neue Spiele mit motivierten Teilnehmern erprobt und mit ihnen in einer Retrospektive analysiert, welche Erkenntnisse jeder Teilnehmer für sich und ggf. für sein Unternehmen gewinnen kann. In Frankfurt bietet dafür die von Ellen Hermens und Sieglinde Fritz initiierte „Agile Game Night“ ein geeignetes Forum, das wir vom borisgloger-Team in Frankfurt unterstützen und mitorganisieren. Mit der Epic Bedtime Story haben wir im Juni diese Meetup-Reihe gestartet und damit ein Spiel erprobt, das die Vorteile eines gemeinsamen Teamraums verdeutlichen soll. Die dabei entstandene Geschichte von „Pachito, die kleine Zitrone“ war ein Erfolgserlebnis für die Teilnehmer und hat im Anschluss für angeregte Diskussionen und zahlreiche Erkenntnisse gesorgt. An Kreativität, Motivation und vor allem Spaß hat es dabei definitiv nicht gemangelt. Und für die Zukunft bleibt in Erinnerung: „Die Geschichte von Pachito hätten wir sicherlich besser abstimmen können, wenn die räumlichen Barrieren nicht gewesen wären.“

  3. Mut zum ersten Schritt im eigenen Unternehmen

    Bevor Spiele in einem Unternehmen zum ersten Mal eingesetzt werden, muss jemand den ersten Schritt wagen und sich vor Augen halten: „Keine Chance ohne Risiko.“ Bei guter Vorbereitung bleibt das Risiko gering. In jedem Fall gilt: Wir können und müssen mehr im Arbeitsalltag spielen, um nachhaltig miteinander zu kommunizieren, Ideen zu entwickeln und um mehr Spaß an der Arbeit zu haben.

Ich für meinen Teil wage diesen ersten Schritt bei meinen Kunden gerne und freue mich über Interessenten und Spielbegeisterte, die sich mit meinem Kollegen Christian Böhmer und mir bei der Agile Game Night in Frankfurt auf Experimente mit Lego, Buntstiften, Spielkarten, Knete etc. einlassen möchten. Daher mein Appell: Wagt den Schritt, kommt vorbei und macht mit!

 

Foto: CC0 Creative Commons – pixabay, PublicDomainPictures