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Fragen und Antworten zum Innovation Lab

Wie könnte die Vision für ein InnoLab lauten?

Eines unserer aktuellen InnoLabs an einem großen Produktionsstandort hat sich die Vision auf die Fahne geschrieben, innovativen Ideen aus dem Kreis der Belegschaft einen Raum zu geben und sie mit agiler Unterstützung schnell in die Umsetzung zu bekommen. Jede Idee ist willkommen, solange es etwas mit dem Arbeiten im Werk zu tun hat. Die Leute kommen beispielsweise in dieses InnoLab, weil sie die Produktion am Band verbessern oder etwas für die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tun wollen. Dabei begleiten wir die Produktentwicklungen nach Möglichkeit von der ersten Formulierung der Idee bis zum produktiven Status.

Das InnoLab ist also ein interner Inkubator für direkt nutzbare Verbesserungen. Wir entwickeln mit dem Nutzer an der Einsatzstelle und lassen mit den Mitarbeitern damit nicht nur ein völlig neues, anspornendes Selbstbild entstehen, sondern schaffen auch Produkte, die tatsächlich gebraucht werden.

Was genau passiert in einem InnoLab?

In unserem aktuellen InnoLab durchläuft eine Idee die folgenden Schritte:

  1. Formuliere eine Idee und stelle diese im Rahmen einer Pitchveranstaltung vor.
  2. Freiwillige Mitarbeiter des Werkes dürfen zwischen unterschiedlichen Ideen entscheiden. Der Gewinner wird nach dem Mehrheitsprinzip ermittelt.
  3. Werde als Ideengeber oder als ein von der Idee begeisterter Mensch der Product Owner.
  4. Stelle ein interdisziplinäres Team aus internen Experten (aus den Fachabteilungen, aus der IT oder aus den Produktionshallen) zusammen.
  5. Hole dir die Unterstützung durch einen ScrumMaster.
  6. Jetzt hast du mit deinem Scrum-Team sechs Wochen Zeit für die initiale Umsetzung der Vision und für die Erstellung eines Prototyps.
  7. Suche dir interne oder externe IT-Dienstleister für die Umsetzung, wenn du eine digitale Lösung umsetzen möchtest. Suche dir die jeweiligen Experten, wenn deine Lösung außerhalb der IT liegt.
  8. Nutze dein Startkapital von 20.000 Euro (für die IT-Unterstützung und etwaige andere Kostenpunkte bspw. Hardware).
  9. Pitche deinen fertigen Prototypen wie in der „Höhle des Löwen“ (bestehend aus bspw. 4 Führungskräften aus unterschiedlichen Fachrichtungen wie Controlling, Strategie, Produktion, Human Resources etc.).
  10. Überzeuge die Löwen und erhalte ein Go für die von dir beantragten Gelder und die Möglichkeit, weitere drei Monate im InnoLab zu arbeiten.
  11. Die „Höhle der Löwen“ öffnet sich jedoch maximal zwei weitere Male. Somit muss dein Produkt nach rund 1 Jahr das InnoLab verlassen und allein in der Linie laufen können.

Was kann man in einem InnoLab lernen?

Die Produktentwicklungen im InnoLab passieren im Vergleich zum herkömmlichen Konzern-Kontext unvergleichlich schnell, denn die direkte Entwicklung mit dem Anwender ist heutzutage leider immer noch eher selten.
Um beides erfolgreich umzusetzen, haben sich im InnoLab mehrere (agile) Prämissen als hilfreich erwiesen:

  • Denken in MVPs und schnelles Erstellen von Prototypen
  • Fokus, indem sichergestellt wird, dass Teammitglieder für mindestens 2 Tage die Woche verfügbar sind
  • Arbeiten mit interdisziplinären Teams
  • Fürsprecher aus den Führungsebenen
  • Gute räumliche und materielle Ausstattung, damit kreativ gearbeitet werden kann
  • hierarchiefreies Arbeiten
  • Integration der internen IT

Welche Herausforderungen gibt es in einem InnoLab?

Trotz vieler Erfolge und positiver Stimmen stehen wir vor einigen Herausforderungen. Am Ende des einjährigen Entwicklungszyklus sind die Produkte häufig bereits auf die Produktion ausgerollt und werden an verschiedenen Standorten, in verschiedenen Abteilungen und Produktionshallen genutzt. An dieser Stelle müssten die Produkte in die Linie überführt werden, weitergeführt und gewartet werden.

Dabei stoßen wir noch immer häufig an die starren Strukturen, die uns Geschwindigkeit nehmen und den Rollout erschweren. Und noch ein Punkt: Nicht alle Produkte werden wirklich breit produktiv ausgerollt. Viele Unterstützer, die den Weg begleitet haben, erfahren das als Enttäuschung. Wovon wir jedoch überzeugt sind, ist: Wir haben tolle Ideen verfolgt, wir haben Anwender*innen eingebunden, wir haben Produkte verprobt und rechtzeitig festgestellt, dass es (vielleicht noch) nicht an der Zeit ist für diese Produkte. Was jedoch bleibt und über den Product Life Cycle hinaus wirkt: Die Leute gehen in ihre Teams in der Linie zurück, nehmen Impulse zum neuen Arbeiten mit und verändern weitere Bereiche des Unternehmens von dort aus.

Unser Tipp: Bevor ein Innovation Lab so richtig fliegen kann, sollten im Zuge einer Organisationsentwicklung einige Impediments beseitigt werden:

  • Das strikte Abteilungsdenken
  • Der empfundene Verlust des Linienmanagers beim Freigeben von Ressourcen aus der Linie
  • Keine 100% Verfügbarkeit von Mitarbeitern für die Produktentwicklung
  • Strenge Hierarchien und das Mauern der eigenen Verantwortungsbereiche
  • Vorurteile gegen agile Produktentwicklung
  • Das InnoLab als Allzweckwaffe betrachten und dort strategische Themen platzieren
  • Mühselige Bewilligungswege