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Scrum4Schools an der Hochschule München: Die Agilität erwacht

„Die Woche war viel zu schnell um“, „Das hatte ich anders verstanden“ oder „Wir sind fast fertig“. Das hört man von Scrum-Teams schon mal am Tag vor dem Review und somit am Ende eines Entwicklungssprints. Aber nicht nur dort, sondern auch in einer Wirtschaftsvorlesung von Prof. Holger Günzel an der Hochschule München. Er möchte nämlich mit seinen Studentinnen und Studenten in den nächsten sechs Wochen Scrum4Schools als Rahmenwerk für die Ausarbeitung von Studienarbeiten einsetzen.

Woche 2 – Definition of Done und die erste Lieferung

Der Ablauf

Zu Beginn des Sprint Plannings hatten die Studentengruppen eine Definition of Done erarbeitet. Dieser zufolge sollten sie die ersten relevanten Lieferungen, wie eine Agenda oder eine Literaturrecherche von drei relevanten Texten, bereits nach der ersten Woche abgeben. Prof. Günzel hat an alle Studierenden Bewertungsbögen ausgeteilt. Darauf finden sich zum einen die festgelegten Akzeptanzkriterien sowie die allgemeinen Constraints des Produktes Hausarbeit. Ziel ist es, dass jeder Studierende zu jeder Zeit die Bewertungskriterien für die Abschlussnote kennt und diese im Review für das Feedback zu den anderen Lieferungen nutzen kann.

Das erste Review

Jede Gruppe bekommt eine Timebox von 10 Minuten. Die erste Gruppe präsentiert. Die Zuhörer können auf ihrem Bewertungsbogen nur wenige Punkte abhaken und geben kräftig Feedback, was sie sich für die nächste Iteration vorstellen könnten. Prof. Günzel hält sich im Hintergrund. Die zweite Gruppe präsentiert. Anstatt inhaltliche Lieferungen zu präsentieren, hat diese Gruppe die Aufgabenstellung für sich neu geschrieben und vorher abgestimmte Rahmenbedingungen außer Kraft gesetzt. Sie haben ihre Arbeit nicht nach der Herangehensweise von Scrum strukturiert, sie haben auch kein Taskboard und damit einhergehend keine bewertbare Lieferung. Die Zuhörer sind irritiert und finden keine passenden Checkpunkte auf ihrem Feedbackbogen. Prof. Günzel muss eingreifen und erläutert erneut den Kontext sowie die Aufgabenstellung. Erst jetzt versteht die Gruppe, was das eigentliche Ziel ihrer Aufgabenstellung ist. Alle atmen auf, es sind ja noch fünf Wochen Zeit. Gut, dass es das Review gibt und sie somit schnell Feedback erhalten haben.

Die erste Retrospektive

Die Gruppen sitzen wieder beisammen und versuchen, auf ihre gemeinsame erste Woche zurückzublicken. Was ist uns bereits sehr gut gelungen? Wo können wir vielleicht noch etwas besser werden, damit wir nächste Woche wieder so gutes Feedback bekommen? In jeder Gruppe werden relevante Veränderungen identifiziert und in kleine Maßnahmen heruntergebrochen. Prof. Günzel beobachtet, dass sich jeder ein bis zwei Verbesserungen am Taskboard notiert.

Hier zeigt sich wieder einmal sehr schön: Man kann noch so viel vorab über die gemeinsame Zielstellung sprechen – erst beim Umsetzen kommen die Fragen und man erkennt, ob man den Kunden wirklich verstanden hat.