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Der Faktor Mensch in der Produktentwicklung

 

Während meiner bisherigen Berufslaufbahn habe ich viele Projekte gesehen und betreut. Dabei wurde mir immer mehr klar, dass Projekte – oder im weiteren Sinne Produkte – nicht scheitern, weil das technische Know-how oder kreative Ideen fehlen. Produktentwicklungen scheitern, weil bei der Zusammenarbeit von Menschen Konflikte, Aversionen und Befindlichkeiten auftreten und dazu führen, dass Teams nicht an einem Strang ziehen. In der Folge werden wichtige Informationen nicht geteilt oder sogar zurückgehalten, im schlimmsten Fall werden Teammitglieder ausgeschlossen. Dabei wäre so viel möglich! Google hat lange untersucht, was funktionierende und produktive Teams ausmacht und wie essenziell sie für eine erfolgreiche Produktentwicklung sind. Am wichtigsten ist die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern und das gegenseitige Vertrauen.

Wie kann Vertrauen entstehen?

Ganz einfach: durch die Sicherheit im Team. Dazu gehört, die anderen zu akzeptieren und zu respektieren. Niemand soll verändert werden, sondern die Möglichkeit haben, sich einzubringen und Ansichten zu äußern. Ist ein Team einmal an diesem Punkt, können Konflikte früh angesprochen und beigelegt werden. Jeder lernt, den anderen einzuschätzen und auch Erwartungen entsprechend zu artikulieren. Dadurch entsteht Spaß an der Arbeit, und so abgedroschen es klingt: Dadurch wird auch die Entwicklungsarbeit im Team erfolgreicher! Wer Spaß an dem hat, was er tut, sucht nach Möglichkeiten, nicht nach Hindernissen. Häufig motivieren sich in diesem Moment die Teammitglieder gegenseitig und so entsteht eine echte Symbiose unterschiedlicher Fähigkeiten.

Teamentwicklung und möglichst viel Kommunikation – war da nicht was?

Agile Frameworks wie Scrum zielen genau darauf ab: kurze Feedbackschleifen sowie direkte und regelmäßige Kommunikation im Team. Es geht immer um Kommunikation und gerade dabei läuft so viel schief. Ermöglichen wir sie, entsteht ein besseres Zusammenarbeiten. Dazu hat Henrik Kniberg ein sehr interessantes und sehenswertes Video veröffentlicht.

So legt gerade die Retrospektive als institutionalisiertes Meeting den Fokus darauf, das Team kontinuierlich voranzubringen oder anders gesagt, das notwendige Vertrauen herzustellen. Anders als früher, als ein Lessons-Learned-Workshop am Ende eines Projekts durchgeführt wurde und keinen wirklichen Nutzen lieferte, reflektiert das Team von Anfang an die gemeinsame Zusammenarbeit im Projekt und schafft somit sehr früh eine stabile Vertrauensbasis.

Das gilt übrigens nicht nur auf der Teamebene, sondern auch auf skalierter Ebene. Denn Konflikte entstehen auf Grund der sozialen Verhaltensweisen auch zwischen Teams. Das sieht man zum Beispiel an fehlender Kooperation wegen eines dominanten Wettbewerbsgedankens, Status- oder Silodenkens. Informationen dürfen oder sollen, teilweise vorgegeben durch das Management, nicht geteilt werden. Allerdings fördert dies Misstrauen und verhindert letztendlich das Bestreben, ein gemeinsames Produkt zu entwickeln.

Produktentwicklungen sind jedoch nur dann erfolgreich, wenn die Zusammenarbeit zwischen Menschen ermöglicht wird. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben oder wollen Menschen nicht miteinander arbeiten, scheitert jede Produktentwicklung. Der Faktor Mensch bestimmt am Ende jedes Projekt. Denn Menschen sind keine Maschinen, sondern Wesen mit sozialen Verhaltensweisen (z. B. mit dem Wunsch nach Anerkennung). Damit alle an einem Strang ziehen, müssen sie auch in dieselbe Richtung schauen. Eine gemeinsame Vision, an die alle glauben und auf die sie sich immer wieder rückbesinnen können, sobald unterschiedliche Strömungen auftreten, hilft dabei.