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Scrum oder die Kraft des Scheiterns

 

Chaotisch, revolutionär, unberechenbar – das wird oft mit Scrum verbunden.

 

In gewisser Weise mag das stimmen: Gerade wenn man frei und unkonventionell arbeiten kann, besteht die Chance, Probleme mit Herangehensweisen wie Design Thinking oder Prototyping betrachten zu können und so zu völlig neuen Erkenntnissen zu gelangen. Diese Arbeitsweise garantiert allerdings nicht, dass der Prototyp am Ende auch funktioniert.

 

Doch was ist gut am Gedanken des “fail fast”? Die Anforderungen ändern sich heute zu schnell, ein perfekt ausgearbeiteter Plan sichert daher nicht den Projekterfolg. Wer zu lange plant, wird schnell vom Wettbewerb überholt. Also ist es mehr als sinnvoll, keine weitere Energie in eine Idee zu stecken, die nicht funktioniert. Wenn man sich von einer Lösung trennt, schafft man Raum für neue Möglichkeiten. Scrum fordert permanentes Feedback vom Anwender und das Denken in fertigen Produkteinheiten. Dadurch lässt sich schnell identifizieren, ob ein Projekt noch relevant ist. Sollte das nicht der Fall sein, lässt es sich einfach beenden und damit viel Geld einsparen.

 

Auch Scrum-Projekte können scheitern

Häufig wird mit Scrum in Unternehmen die Hoffnung verbunden, dass Projekte jetzt nicht mehr scheitern, doch genau diese Hoffnung wird viel schneller enttäuscht. Vielmehr muss man den Begriff des Erfolgs in Scrum ganz anders definieren: Wer schneller scheitert, kann schneller wieder aufstehen und neu anfangen. Genau darin liegt die eigentliche Kraft von Scrum.

 

„Fail fast and often“- bemerke, dass es nicht funktioniert und das schnell. Die Angst vor dem Scheitern begleitet jedes Projekt, auch solche, in denen Scrum gelebt wird. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Projekten ist aber: Man geht anders damit um, wenn das Produkt nicht funktioniert. Klar, es wurde entwickelt, um zu funktionieren, um eine Lösung zu sein. Viel Energie ist in das Produkt geflossen, es hat Schweiß und Tränen gefordert. Doch wer Scrum lebt, der weiß: Im Scheitern liegt eine ungeheure Kraft. Wer scheitert, macht mit neuen Erfahrungen und Wissen weiter, das durch die Retrospektiven gleich wieder in den Prozess einfließt.

 

Man startet jeden Tag mit dem Anspruch, sein Bestes zu geben, und gleichzeitig weiß man: Das Feedback des Nutzers kann alles in ein völlig neues Licht rücken. Damit in Projekten umgehen zu können, ist eine große Kunst. Offenheit ist nicht zuletzt deshalb einer der Werte von Scrum: Offen gegenüber neuen Ideen und Feedback.

 

Die Ansprüche von Scrum sind schnell und klar formuliert, aber es ist hart, sie umzusetzen. Viele Unternehmen schrecken heute noch davor zurück, Scrum in aller Konsequenz zu leben, denn eines ist sicher: Scrum legt Defizite schonungslos offen. Alles, was nicht zum Ziel führt, aber seit Jahren mitgeschleppt wird, kann plötzlich infrage gestellt werden. Nicht zuletzt fordert Scrum auch menschlich heraus. Es ist ein ständiges Reflektieren darüber, ob man die Werte lebt.

 

Bin ich offen für Neues?

Bin ich respektvoll gegenüber anderen?

Bin ich mutig?

Bin ich verbindlich?

Bin ich fokussiert?

 

Was ist der Lohn für die harte Arbeit? Stetiges Wachstum, das man an sich selbst, aber auch an anderen sieht. Sich entwickeln zu können und völlig neue Erkenntnisse gewinnen zu dürfen.

 

Das ist mitunter hart und schmerzvoll. Aber es lohnt sich.