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Making of „Scrum – Think b!g“ – Teil 3

Buchcover Scrum-Think bigHeute zeige ich euch, wie man über skaliertes Scrum (Scaled Agile) in kurzer Zeit sehr viel schreiben kann. Der Trick besteht darin, Scrum für den Schreibprozess anzuwenden. Wie im ersten Teil des Making of “Scrum – Think b!g” geschildert, habe ich eine Vision und eine grobe Struktur, sozusagen die Epics. Doch dann geht es ans Entwickeln. Das geht bei mir leider nicht in Sprints, weil Schreiben mein Hobby ist – es hat also nicht den gleichen Stellenwert wie Sport, meine Familie (meine Frau und meine Tochter, Haushalt, einkaufen, Instandhaltung, die Pferde meiner Frau), mein Unternehmen (Finanzen, Infrastruktur, Führung), meine Teams (Ausbildung), meine Kollegen (Anleitung und Führung) und meine Kunden (Beraten) oder mein Studium (in dieser Reihenfolge). Erst dann kommt das Schreiben. Es muss also in den Zwischenraum, wo noch ein wenig Platz ist. So wie jetzt gerade 😃 … Meine Frau ist bei den Pferden und reitet mit einer Freundin aus, meine Tochter hängt satt, aber ein wenig quengelig im Tragetuch vor meinem Bauch, ich sitze an unserem Esstisch und schreibe ein paar Zeilen. In diesen Situationen habe ich keine Zeit, lange darüber nachzudenken, was ich schreibe. Produzieren ist beim Schreiben das A und O. Nur was geschrieben ist, lässt sich betrachten, überdenken und überarbeiten.

Und da wir als Scrum-Evangelisten wissen, wie das geht, fängt der Sprint an. Die Timebox dauert so lange, wie meine Tochter friedlich im Tuch sitzt, also etwas über eine Stunde. Dann geht es los. Ich schreibe drauflos. Es fließt von selbst, etwas schreibt in mir. Bevor ich den Satz in den Rechner tippe, weiß ich nicht, was ich schreibe. Genauso war es beim Schreiben des neuen Buchs zur Skalierung. Einfach drauflos. Immer dann, wenn mir ein wenig Zeit blieb, sonntags oder im Zug, im Bus, im Flieger, im Hotel im Frühstücksraum oder im McCafé (das geht echt gut da 😃), habe ich in die Tasten gehauen.

Wie bei allen meinen anderen Büchern lag auch beim Buch zur Skalierung die Kunst darin, ständig zu schreiben, denn sonst musste ich immer wieder nachschauen, wie weit ich gekommen war. Ein Tag Pause war kein Problem. Wenn ich allerdings ein oder zwei Wochen, manchmal ganze vier Wochen nicht am Buch arbeitete, brauchte ich ein bis zwei Tage, um wieder ins Thema hineinzukommen.

Das Schreiben selbst ist nicht das Problem, das Überarbeiten schon. Der Ablauf sieht immer gleich aus: Ich schreibe am ersten Tag drauflos, bis zur Hälfte der Zeit, die ich zur Verfügung habe. Dann sehe ich mir das Geschriebene an und schreibe es oft noch einmal leicht um. Dann schreibe ich weiter. Am nächsten Tag lese ich alles, was ich am Vortag geschrieben habe und schreibe alles wieder um, was mir nicht gefällt. Innerhalb weniger Stunden ist damit schon die dritte Version des Textes entstanden. Nun schreibe ich einfach mit neuen Ideen die nächsten Abschnitte weiter. Ab und zu lese ich noch einmal alles vom Anfang des Kapitels an und schreibe um, was mir nicht mehr gefällt oder wo ich unklar bin.

So geht es in einer Tour, Kapitel für Kapitel weiter. Wenn ein Kapitel fertig ist, gebe ich es Dolores und sie fängt dann an, die vielen Schreibfehler auszubessern und verdrehten Satzwendungen zu entwirren oder ganze Passagen neu zu strukturieren. Sie liest das Manuskript aus der Sicht der Leser und, oh, sie nervt dabei. Immer fragt sie genau an den Stellen nach, die mir selbst noch unklar sind oder sie will Quellenangaben. Das Ärgerliche daran: Es hält auf und bringt mich aus dem Konzept, doch gleichzeitig erhöht das massiv die Qualität des Buchs. So hat sie zum Beispiel eingefordert, dass ich das Kapitel über die Regularien in der Medizintechnik noch einmal genauer ansehe. Oder sie wollte ganz genau wissen, warum ich von einer fraktal skalierten Organisation spreche – mir war es zwar klar, aber ich hatte es für die Leser nicht nachvollziehbar genug herausgearbeitet. Wenn ich das Manuskript inhaltlich abgeschlossen habe, ist aber noch lange nicht Schluss. Dolores bearbeitet das gesamte Manuskript einmal durch, lässt es ein paar Tage liegen, liest es nochmal durch und macht Feinkorrekturen, gibt es dann ins Korrektorat des Verlages und sieht sich anschließend die Korrekturen an, übergibt danach das fertige Manuskript dem Verlag, prüft nach ein paar Wochen das erste Layout, meldet Änderungen an den Verlag, sieht das zweite Layout durch und gibt es frei. Und dann, endlich, geht mein Buch in den Druck.

Würde mich freuen, wenn ich Euch auf mein neues Buch Scrum Think b!g – Scrum für wirklich große Projekte, viele Teams und viele Kulturen neugierig gemacht habe. Es kommt am 13. Februar 2017 in die Buchhandlungen.