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Warum sitzt David Alaba auf der Bank?

Als Österreicher freue ich mich auf diesen Sommer besonders. Seit Langem hat es unsere Fußball-Nationalmannschaft wieder einmal geschafft, sich für ein Großereignis zu qualifizieren. Wir fahren nach Frankreich und ein ganzes Land ist im Fußballfieber: Fanartikel verkaufen sich wie warme Semmeln, Spiel-Städte wie Bordeaux entdecken den österreichischen Fußballfan als gänzlich neue Touristengruppe und Testspiele gegen Fußballzwerge werden mit Interesse verfolgt. Und so lese ich eines Abends nach dem Testspiel gegen Malta den Spielbericht und wundere mich, dass unser Superstar, David Alaba, bereits zum zweiten Mal das halbe Spiel über auf der Bank sitzt. Müssen wir uns Sorgen machen?

Nein. Ganz im Gegenteil. Teamchef Marcel Koller sieht sich Alternativen an. Richtig gehört. Der Fußball-Zwerg Österreich sucht Alternativen für den besten Linksverteidiger der Welt. Zu Recht. Schließlich kann es sein, dass David Alaba ausfällt, geschont werden muss oder – vielseitig wie er ist – an einer anderen Stelle eingesetzt wird. Um das Team darauf vorzubereiten, lässt er gegen Malta einen anderen Spieler links außen auflaufen. Der Trainer investiert also Testspielzeit.

Fußball ist wie Softwareentwicklung – ein Teamsport

Genauso wie beim Toreschießen (Siehe: Mats Hummels darf keine Tore schießen) zeigt sich in diesem Fall eine Parallele zwischen Fußball und der Softwareentwicklung. Sehen wir uns den Zusammenhang anhand eines – nicht ganz – fiktiven Beispiels an:

Stellen wir uns vor, wir haben einen Spezialisten in unserer Mannschaft, der in seinem Bereich (sei das nun die linke Außenbahn oder die Datenbankverwaltung) eine Koryphäe ist. Aus welchem Grund auch immer ist er zur Zeit jedoch nicht verfügbar. Als Teamsportler wissen wir, dass Ausfälle im Laufe der Saison vorkommen und entsprechende Alternativen aufgebaut werden müssen. Ähnlich sollten auch Entwicklungsteams aufgestellt sein:

Selbstverständlich hat jedes Teammitglied individuelle, unterschiedlich ausgeprägte Stärken. Dennoch müssen wir auf einer Position agieren können, falls es hier zu einem Ausfall kommt. Trainer investieren an dieser Stelle Testspielzeit. Manager können diesem Vorbild folgen und in Wissenstransfer investieren. Dabei verlangt natürlich niemand, dass die Alternative so gut ist wie der Stammspieler, das Team darf nur zu keinem Zeitpunkt auf einer Flanke komplett offen sein.

Im Fußball wie auch in der Softwareentwicklung gibt es die Möglichkeit, Schwächen in der Mannschaft kurzfristig zu kompensieren. Während Fußball-Vereine Spieler ausleihen, können Unternehmen externe Berater oder Entwickler zukaufen. In beiden Fällen gelten dabei zwei Grundsätze:

  • Lassen Sie niemals zu, dass Schlüsselpositionen ausschließlich mit externen Arbeitskräften besetzt werden. Ein geliehener Mannschaftskapitän oder Spielmacher macht im Sport wenig Sinn. Wird eine systemkritische Komponente ausschließlich von einem externen Spezialisten betreut, ergeben sich Gefahren: Der Einsatz ist nicht unmittelbar planbar, kurzfristige Beauftragungen sind nicht immer möglich oder können teuer werden.
  • Arbeiten Sie an einer langfristigen Lösung, um für die Zeit nach der Überbrückung gerüstet zu sein. In der Softwareentwicklung haben Sie – im Vergleich zum Fußball – dabei sogar noch einen wesentlichen Vorteil: Sie können das Wissen des Externen durch Pairing oder ähnliche Methoden des Wissenstransfers in Ihr Team holen.

Doppelspitzen lohnen sich

Im Fußball wie auch in der Softwareentwicklung lohnt es sich, Teams so aufzusetzen, dass jede Position bzw. Funktion mit mehr als einer Person besetzt ist. Während es im Fußball darum geht, gegenüber einem Gegner keine Schwachstelle zu offenbaren, hilft uns die Absicherung innerhalb der Teams dabei, Engpässe in der laufenden Entwicklung zu verhindern. Treten Probleme auf, kann durch die Mehrfachbesetzung außerdem gewährleistet werden, dass jemand da ist, der sich des Problems annehmen kann. Im Sport wie auch in der Softwareentwicklung können Sie sich kurzfristig behelfen, achten Sie dabei allerdings darauf, sich nicht in Abhängigkeiten zu begeben, die Sie nicht steuern können.