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Kümmern Sie sich um Ihr Team?

Wenn ich wieder mal meinen Fokus auf die Effizienz von Teams gerichtet habe und mich darauf konzentriere, Aufgaben fertig zu bekommen, dann passiert es – so wie vor Kurzem. Eine weitaus erfahrenere Kollegin fragte mich beim Kaffee, wie es denn um den Spirit meines Teams bestellt sei? Ob es denn genug gelobt werde? Und ich komme ins Grübeln.

Nachdem ich nun schon mit sehr vielen Menschen aus vielen Bereichen gearbeitet habe, glaube ich nicht mehr an die maximale Effizienz durch das korrekte Abarbeiten eines Taskboards. Ja, ich habe eine sehr genaue Vorstellung davon, wie das Meeting ablaufen sollte, aber auch die passt sich im Laufe der Zeit an neue Varianten an, die besser funktionieren. Was wir heute noch für das absolut Richtige halten, mag uns morgen schon vollkommen überholt erscheinen. Was sich jedoch meines Erachtens nicht ändert: Das Team muss das Gefühl haben, dass ein Consultant, ein Manager oder/und ein ScrumMaster im Grunde seines Herzens das Beste für das Team will. Am Ende des Tages ist das vermutlich einer unserer am besten ausgeprägten Instinkte, die wir im Laufe unserer Evolution ausgebildet haben: Können wir dem, der neben uns steht, auch wirklich vertrauen?

Verbundenheit – die wirksamste Führung

Noch viel mehr gilt das für jene Personen, die gewollt oder ungewollt auf einem Sockel stehen – und als laterale Führungskräfte tun wir das immer, egal wie sehr wir uns zurücknehmen. Selbst die neueste Managementlehre sagt, dass es immer noch eine einzige Person braucht, die vorlebt, was zu tun ist, selbst wenn alle Hierarchien abgeschafft werden. Das Vorleben kann durchaus darin bestehen, einen Großteil der Entscheidungen vom Team treffen zu lassen.

Die Anforderungen an laterale Führungskräfte sind somit durchaus nicht ohne. Vorleben kann man nur, was man wirklich verinnerlicht hat – alles andere funktioniert nicht, denn wir Menschen sind gut darin, Lügner zu erkennen. Daher muss man sehr genau prüfen, ob man diesen Weg auch wirklich gehen will. Wenn ja, ist noch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen: Menschen brauchen Aufmerksamkeit und Verbundenheit. In selbstorganisierten Bereichen ist der Stresspegel am Anfang hoch. Wenn man damit anfängt, ein Miteinander zu leben, müssen alte Strukturen aufgegeben und neue erlernt werden. Vieles ist im Umbruch: Man muss zeigen, dass auf die neue Art und Weise die erhofften Ergebnisse erreicht werden können, die vorher nicht erreicht wurden. Dabei ist die Verbundenheit mit den Teammitgliedern ein zentrales Element. Hier eine kleine Checkliste für Sie, damit Sie feststellen können, ob Sie Ihren Teammitgliedern mal wieder Wertschätzung zeigen sollten:

 

Haben Sie sich heute/gestern schon bei jemandem bedankt?

In arbeitsintensiven Zeiten können wir schon mal vergessen, wirklich Danke zu sagen. Es geht nicht um ein schnelles Danke und dann ab durch die Mitte, sondern um ein ehrliches Danke, verbunden mit einem „warum“ des Danks. Das gibt uns auch Zeit, über uns selbst zu reflektieren und dabei zu erkennen, wie viele Menschen uns täglich unterstützen.

 

Haben Sie gestern/heute bereits jemandem zu seinem Erfolg gratuliert?
Es ist seltsam: Ich stelle immer wieder fest, dass es Menschen schwer fällt, diese Art von Komplimenten anzunehmen. Aber lassen Sie sich davon nicht irritieren. Sie tun jemandem etwas Gutes und zeigen, dass Sie ihn sehen und anerkennen. Im Team wird signalisiert, dass auf die jeweilige Leistung auch ehrlich gemeintes Lob folgt.

 

Haben Sie gestern/heute bereits jemandem gesagt, dass Sie seine Arbeit schätzen?
Vor Kurzem war ich spätabends gerade am Nachhauseweg und sah noch einen Kollegen am Rechner sitzen. Ich nahm mir die Zeit und sprach noch einige Worte mit ihm. Dabei sagte ich ihm, dass ich seine Arbeit wirklich schätze und er sie gut macht. Da wurde dieser Mensch, dem ich es nie zugetraut hätte, plötzlich sehr emotional und wir hatten eines der besten Gespräche überhaupt. Es war wertvoll für uns beide und hat dafür gesorgt, dass wir uns gegenseitig noch mehr schätzen. Glauben Sie mir: Solche Gespräche lassen sich nicht mit Gold aufwiegen. Die Verbundenheit, die dabei aufgebaut wird, bleibt auch in schwierigen Zeiten bestehen.

 

Haben Sie Ihrem Team in letzter Zeit Süßigkeiten mitgebracht oder Kaffee gekocht?
Ich stelle immer wieder fest, dass es die Kleinigkeiten sind, die für ein gutes Miteinander sorgen. Süßigkeiten zur freien Entnahme, Kaffee kochen, wenn kein anderer Zeit dafür hat oder am Abend gemeinsam essen gehen. Ein Taskboard kann abbrennen, Festplatten können gelöscht und Post-its vom Winde verweht werden – ein guter Team-Spirit wird auch dann noch erhalten bleiben.

 

Haben Sie zu Ihrem Team kontinuierlich Kontakt?
Das wichtigste Gut eines Menschen ist seine Zeit. Es stimmt, wir haben nur eine bestimmte Menge davon zur Verfügung und wenn wir unsere Lebenszeit mit unseren Teammitgliedern verbringen, ist es die einfachste und klarste Aussage der Welt: Es gibt nichts Wichtigeres als euch, deswegen bin ich hier mit euch. Gerade am Anfang, wenn sich ein Team formiert, ist es wichtig, dass Sie dabei sind und den Teammitgliedern helfen, Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen oder Feedback zu geben. Das verschafft Sicherheit und gibt den Menschen Orientierung, wo es langgehen soll und was von ihnen erwartet wird.

 

Zeigen Sie sich selbst als authentischer Mensch?
Als ich letztens am Morgen vor einem Managementworkshop aufwachte, wurde mir klar, dass wir am Tag zuvor alles Mögliche besprochen hatten: Rahmenbedingungen, Organisatorisches, Räumlichkeiten, Ziele. Nur eines nicht, und das wurde mir an diesem Morgen klar: Warum wollten wir dieses Projekt machen? Was waren unsere tiefsten inneren Überzeugungen? Ich stellte fest, dass ich wohl der Erste sein musste, der seine Überzeugungen ehrlich kundtat und wollte, dass alle zumindest darüber nachdachten (von „den anderen mitteilen“ sprach ich gar nicht). Es fiel mir nicht so leicht, in diesem Workshop, in dem es um harte Zahlen und Fakten ging, über diese weichen Faktoren zu sprechen. Aber letztendlich passierte dabei etwas, das dafür sorgte, dass eine zerwürfelte Gruppe plötzlich gemeinsam in den Tag startete und zu einem gemeinsamen Verständnis kam. Wir Menschen haben die Fähigkeit wahrzunehmen, was oder wer authentisch ist. Das macht es uns wesentlich leichter, jemandem zu vertrauen und mit ihm neue Wege zu gehen, auch wenn wir uns dabei unsicher sind.

 

Diese Checkliste ist sicher nicht vollständig und schon gar nicht so klar definiert wie ein Taskboard oder ein Burndown-Chart. Es sind aber einige Anhaltspunkte dafür, wie Sie den Kontakt zu Ihren Teammitgliedern stärken. Ich bin heute der Überzeugung, dass dieser Kontakt zu einem großen Teil maßgeblich dafür ist, ob man mit einem Team Erfolg hat.