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Tun Sie, was Sie lieben?

Wissen Sie, wie einer meiner letzten Arbeitstage vor dem Urlaub aussah? Ich war mit einer Kollegin in Bremen frühstücken und besprach noch einige Details zu einem neuen Kunden. Dieser Kunde ist gerade dabei, sich komplett agil aufzustellen. Ich hatte dort zwei Gespräche wegen des neuen Einsatzes und traf Menschen in Leitungspositionen, die offen für ehrliches Feedback sind. Sie freuen sich geradezu darüber, eine ehrliche Meinung zu hören. Wir redeten in unseren ersten Treffen bereits über Themen, die ihnen wirklich am Herzen lagen und ich besprach mit ihnen erste Ideen und Lösungsansätze dafür. Wir hatten eine Menge Spaß – passende Modelle und Erfahrungen sprudelten aus mir heraus. Ich schwieg an Stellen, an denen sich mein Gesprächspartner selbst die Antwort gab und half mit Antworten und Fragen, wo ich etwas beisteuern konnte. Kennen Sie das Gefühl, im Flow zu sein? Ich war mittendrin und es war wirklich schön.

Lost in joy

Danach spazierte ich über den Marktplatz und kaufte Souvenirs und Kuchen für den Abschied bei meinen derzeitigen Kunden. Einerseits machte es mich etwas traurig, auf Wiedersehen zu sagen, andererseits freue ich mich auf den neuen Kunden mit seinen Herausforderungen und auf die offene Atmosphäre, die ich bereits spüren durfte. Auf der Rückfahrt im Zug nach Stuttgart arbeitete ich am Abschlussfeedback für meinen Kunden und zeichnete an den Superkräften meines Teams. Es ging mir darum, meinem alten Team etwas zu hinterlassen, das die Menschen einerseits daran erinnert, dass jeder seine Stärken hat und andererseits bekam jeder von mir eine Ministatue der Bremer Stadtmusikanten als Zeichen dafür, dass sie alle zusammengehören und gemeinsam mehr erreichen können als alleine. Sie haben sich beeindruckend entwickelt und es fällt mir leicht zu sehen, was noch in ihnen steckt und in den nächsten Monaten noch geboren werden kann. Beim Zeichnen hatte ich mich im Zug über einen kompletten Vierertisch ausgebreitet. Eine Mitreisende fragte mich: „Was wird denn das?“ Ich erkläre es ihr und konnte mir den Nachsatz nicht verkneifen: „Cool, was? Ich werde sogar dafür bezahlt.“ Schmunzelnd zeichnete ich weiter und ertappte mich mal wieder beim Gedanken, dass ich den besten Job dieser Welt habe. Zwischendrin las ich über die 5 Dysfunktionalitäten eines Teams und korrigierte noch den Blog einen Kollegen. Dann juckte es mich in den Fingern, selbst noch einen zu schreiben. Inzwischen war es kurz vor 21:00 und ich hatte zwei Züge verpasst, weil es mir gerade wichtiger war, diesen Blog zu Ende zu schreiben.

Die beste Work-Life-Balance

Das Amüsante, das mich letztendlich immer wieder verwundert, wenn ich mir selbst zuschaue, ist das Bewusstsein, dass ich das früher nicht getan hätte. Hätte mich ein Arbeitgeber gebeten, bis spät in die Nacht quer durch Deutschland zu reisen, beim Frühstück über Kundenprobleme zu reden – ich wäre schneller weg gewesen, als er schauen hätte können. Das Lustige ist nur, dass ich nun tatsächlich das gefunden habe, was mir Spaß macht, wofür ich liebend gerne lese, diskutiere und bis spät in der Nacht schreibe. Die Energie wird dadurch nicht weniger, sondern mehr. Für mich ist das Schlagwort „Work-Life-Balance“ nur wichtig, solange ich nicht tue, was ich liebe.

Und sollte es mal anders sein, lebe ich in einer Firma, die mich ohne Probleme mal eine Auszeit machen lässt. Eine Firma, die eine Kollegin in den nächsten Tagen eine dreimonatige Weltreise antreten und eine andere nächstes Jahr den Appalachian Trail in den USA gehen lässt. Ganz ohne Bürokratie. Eine Firma, wo wir beim letzten Consultingtag einen Organisationsstuhl aufgestellt haben, um die Firma für sich selbst sprechen zu lassen und wo wir gerade das Modell des konsultativen Einzelentscheids ausprobieren. Am Ende eines solchen Blogs sollte eigentlich immer ein Ratschlag stehen oder zumindest eine Frage aufgeworfen werden. Aber das Einzige was ich derzeit sagen kann, ist: Schön, dass ich bei Boris Gloger Consulting angekommen bin und schön, dass ich nun tun kann, was mir wirklich am Herzen liegt.

Vielleicht doch ein kleiner Ratschlag am Rande: Ich hatte genug Gelegenheit, viel Geld mit einem 40-Stunden-Job zu verdienen. Im Gegensatz zu dem, was ich jetzt mache, bereue ich kein bisschen, dass ich ihn sausen ließ. Das Lustige ist ja: Ich müsste nicht mal so viel arbeiten, aber es macht mir einfach Spaß. Wenn Sie also das Gefühl haben, Sie sollten etwas anderes tun: Fühlen Sie mal vor, ob es nicht eine Möglichkeit dazu gibt und machen Sie sich selbst ein großes Stück glücklicher – mit dem Job, den Sie wirklich lieben.

  • David Marti

    Ehrlich gesagt, sehr interessante Gedanken finde ich, schließlich ist das Geheimnis, um herauszufinden, was Ihnen sehr glücklicher macht.

    • Genau darum geht’s :)

      Danke für deinen Kommentar.

      Lg,
      Wilfried

  • Was richtig ist fällt leicht, Was leicht fällt ist richtig.