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Wie sieht der Arbeitsplatz eines ScrumMasters aus?

Jede Form von Veränderung erzeugt in uns den Wunsch nach Orientierung. Das gilt selbstverständlich auch, wenn man in einem neuen Arbeitsumfeld oder durch einen neu eingeführten Prozess plötzlich mit Scrum konfrontiert wird. Dieser Wunsch nach Orientierung manifestiert sich unter anderem in dem Bestreben, den eigenen Arbeitsplatz möglichst funktional und ansprechend einzurichten – das reicht von  Zimmerpflanzen über Fotos bis hin zur Frage, welche Icons man auf seinen Desktop legt. Am Anfang meiner Beratertätigkeit verfolgte ich ein ähnliches Ziel. Zum Glück hatte ich in meinen ersten Woche die Möglichkeit, mir bei Projektbesuchen einige Details von meinen Kollegen abschauen zu können. In der Hoffnung auf Tipps und Tricks zur Gestaltung meines Arbeitsbereiches, fand ich mich bald mit einer wesentlichen Frage konfrontiert:

Wo ist eigentlich der Arbeitsplatz eines Scrum Masters?

Meine Kollegen und ich sind externe Consultants, die ihre Kunden oft tageweise besuchen. Da liegt die Antwort nahe, dass unser Arbeitsplatz dort ist, wo wir unseren Laptop parken. Freies LAN-Kabel = Arbeitsplatz!? Weit gefehlt. Keiner meiner Kollegen, die ich dazu befragt habe, hat auch nur annähernd an den Laptop gedacht. Eine Kollegin zeigte mir, dass ein fehlender Netzwerkzugang eigentlich das kleinste Hindernis ist, um mit der Arbeit zu beginnen. Zur Verwunderung mancher Auftraggeber finden wir uns, obwohl am Puls der Zeit lebend, mit einfachen Mitteln wie Markern und Post-Its für den Anfang sehr gut zurecht. Mit der Feststellung, dass der Arbeitsplatz des ScrumMasters nicht an den Computer gebunden ist, endet die Liste der Übereinstimmungen aber auch schon. Von fünf Kollegen, die ich nach dem „wo“ gefragt hatte, bekam ich fünf  unterschiedliche Antworten: von „vor dem Impediment-Backlog“ bis hin zu „unter Menschen“.

Pixabay Public Domain, CC0
Pixabay Public Domain, CC0

 

Wenn es also schon keinen eindeutigen Platz gibt, könnte man versuchen, den gesamten Arbeitsbereich des ScrumMasters zu beschreiben. Hier bietet sich eine Beschreibung über die Artefakte an. Einerseits ist der ScrumMaster für die Visualisierung einer Reihe von Artefakten verantwortlich, andererseits bestimmen diese aufgrund ihrer Großflächigkeit das Gesamtbild des Arbeitsbereichs wesentlich. Um die Frage nach dem optimalen Arbeitsumfeld zu beantworten, müssen wir uns noch eine Zwischenfrage stellen:

Wie viele Artefakte kennen wir?

Selbstverständlich liefert uns die Theorie eine Reihe von Artefakten, die ein Scrum-Team einsetzt. Als Berater gehen wir während einer Scrum-Implementierung in der Regel aber eher pragmatisch als dogmatisch vor. Unsere Arbeit wird nicht besser oder schneller erledigt, wenn wir ein Team mit der vollen Bandbreite an Charts, Definitionen und anderen Artefakten überfahren, ganz im Gegenteil. Sollte Ihnen diese Erkenntnis für die Gestaltung Ihres Team-Raumes zu minimalistisch erscheinen, möchte ich eine besondere Wahrnehmung teilen, die mir bei einer Kollegin aufgefallen ist: Haben Sie schon einmal von einer ‚Peer-Programming-Matrix’ gehört? Ein einfaches Flipchart mit einer Matrix gibt Auskunft darüber, wer mit wem bereits gemeinsam programmiert hat – dazu braucht es keine ausschweifende Beschreibung oder einen ausgefallenen Bauplan. Sollten Sie in Ihrer Organisation der ScrumMaster of ScrumMasters sein, hilft Ihnen vielleicht die Adaption zu einer „Peer-Working-Matrix“. So einfach die Idee ist, so hilfreich kann sie im richtigen Umfeld sein: In diesem Fall hat es die ScrumMasterin mit einfachen Mitteln geschafft, ihren Arbeitsplatz so zu gestalten, dass ein von ihr gesetztes Ziel im Raum steht. Nein, in ihrem Raum hängt keine Definition of Ready, denn sie hat entschieden, dass Peer Programming ein zumutbarer nächster Schritt ist, der ihr Team produktiver machen kann.

Darin versteckt sich aber auch die Antwort auf die ursprüngliche Frage: Ein guter ScrumMaster gestaltet seinen Arbeitsplatz individuell, den Bedürfnissen seines Teams entsprechend – wo auch immer dieser Arbeitsplatz ist. Und dafür gibt es endlos viele Möglichkeiten.