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Single Tasking und positive Verstärkung – ein Selbstexperiment

Nach dem Training „Selbstorganisation braucht Führung“ und unserem internen Consulting Day zum Schwerpunkt Zeitmanagement beschließe ich, an meiner eigenen Selbstorganisation zu arbeiten und die gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Also beginne ich mit einem Selbstexperiment zum Thema Single Tasking und positive Verstärkung. Für alle, die sich darunter nichts vorstellen können: Single Tasking bedeutet, sich auf einen Task nach dem anderen zu konzentrieren, während man beim Multitasking zwischen zwei oder mehreren Aufgaben hin und her wechselt. Ein kleines Experiment zu den schädlichen Auswirkungen auf die Produktivität findet sich hier. Zum Thema positive Verstärkung sei nur gesagt: Es wirkt wesentlich motivierender auf einen Menschen, wenn er positiv statt negativ bestärkt wird. Das Paradebeispiel dafür ist das Casino: Spieler verlieren sehr oft (negative Verstärkung), aber gewinnen sehr selten (positive Verstärkung) – trotzdem gibt es viele Spielsüchtige. Grund dafür ist besagte positive Verstärkung, die eben weitaus stärker wirkt.

Start – Tag 1

19:40
Die Idee zum Selbstexperiment ist geboren. Ich beschließe, für jeden Single Tasking Vorgang 1 Euro von meinem eigenen Budget zu kassieren, den ich anschließend für meine Belohnung ausgeben darf (positive Verstärkung). Derzeit denke ich noch, dass ich mit dieser Methode ziemlich schnell bankrott bin.

19:50
Erster Euro eingeheimst für den Download der Counter App für dieses Experiment. Ha! Parallel stelle ich jedoch fest, dass sich dieser Vorgang fast wie ein Purzelbaum im Hirn anfühlt. Ich scheine selten Gedankengänge oder Tätigkeiten zu Ende zu bringen, ohne mittendrin etwas Neues anzufangen. Und ich dachte, ich wäre Single Task Profi …

20:10
Ein weiterer Euro hinzugefügt und gleich wieder abgezogen, da ich mitten in der Tätigkeit meine Counter App gezückt habe, um den Punkt zu registrieren. Ich frage mich, ob mein Hirn aus irgendeinem Grund süchtig nach Multitasking ist – beschließe, der Sache auf dem Grund zu gehen und einen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Parallel stelle ich aber fest, dass der alleinige Versuch, bei einer Sache bleiben zu wollen, einen Entspannungseffekt produziert. Die Aufgabe befreit mich davon, unentwegt und gleichzeitig an unterschiedliche Themen denken zu wollen.

20:22
Während ich diesen Blog schreibe, stelle ich fest, dass mich mein Mac gerade meinen Belohnungseuro gekostet hat. Ein Pop-up mit dem Wunsch nach einer Passworteingabe für die Cloud, darauf folgende Falscheingaben und der Ärger darüber haben es mir nicht ermöglicht, kontinuierlich hier weiterzuschreiben. Verhindert sogar mein Computer das erfolgreiche Single Tasking?

20:38
Bewerbung eines Bewerbers in einem Zug gelesen und somit für Bewerbungsgespräch vorbereitet. Punkt gesammelt. Interessanter Nebeneffekt: Positive Verstärkung wirkt auch, wenn ich es bei mir selbst durchführe und weiß, warum ich es tue.

21:17
Computer sind eindeutig hinderlich beim Single Tasking. Selbst mit einem Apple scheint es unmöglich, eine Aufgabe durchzuführen, ohne mittendrin durch ein Pop-up unterbrochen zu werden. Falls das mal nicht der Fall ist, ist die Internetverbindung so langsam, dass es kaum möglich ist, bei der Sache zu bleiben.

Tag 2

09:59
Ich stelle fest, wie schwierig es ist, dranzubleiben und eine Sache unterbrechungsfrei zu machen. Einerseits sind die Leute in meiner Umgebung ebenfalls gewohnt, durch unterschiedliche Themen zu springen, andererseits stellen reinkommende Nachrichten sowie Informationen von Handy und Laptop das zweite große Hindernis dar.

17:03
Nachdem ich streckenweise gar keinen Punkt bekommen habe, kann ich mir abends gleich mehrere Punkte holen. Auf Anraten von Boris habe ich ein Bullet Journal erstellt und mit Extreme Timeboxing begonnen. Ergebnis: Ich bin von 3 auf 11 Punkte gesprungen, die jetzt auch gleich in Dinge investiert werden, die mir Spaß machen. :)

Resumee

  1. Single Tasking befreit ungemein und ermöglicht es, zufrieden nach Hause zu gehen.
  2. Ohne externe Maßnahmen wie eine gut geführte Aufgabenliste und konsequentes Timeboxing ist es wegen der vielen Ablenkungen fast unmöglich, bei nur einer Sache zu bleiben.
  3. Positive Verstärkung zieht. Sogar wenn man sein eigenes Budget dafür ausgeben darf – klingt seltsam, ist aber erfreulicherweise so.

Eigentlich ist die Sache damit erledigt. Aber wir kennen doch den guten alten Schweinehund, der wieder auflauert, wenn man gerade wegschaut. Ich beschließe, die Langzeiteffekte zu prüfen.

To be continued