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Kommen sie oder kommen sie nicht – das ist hier die Frage

Ich schaue in erstaunte Gesichter. Die Augen drücken es in Leuchtbuchstaben aus: „Wie … alle Meetings, auch die Scrum Meetings sollen freiwillig sein?“ Ich könnte schwören, dass ich die Gedanken der Manager höre, die zum Training „Selbstorganisation braucht Führung“ gekommen sind: „Aber ich muss doch meinen Mitarbeitern sagen, was ich ihnen sagen muss! Wie sieht das denn aus, wenn ich da alleine sitze und keiner kommt?“

Es dauert nicht lange und tatsächlich werden genau diese Fragen gestellt:

  • Wie kann ich denn dann gewährleisten, dass die Mitarbeiter die notwendigen Informationen bekommen?
  • Wie kann ich meinen Mitarbeitern meinen Rat geben?
  • Wie kann ich dafür sorgen, dass sie machen, was ich von ihnen will?

Die Unsicherheit ist greifbar und ich kann das gut nachvollziehen. Mir ist es auch so gegangen, nachdem ich mich dazu entschieden hatte, alle Meetings und Zusammenkünfte in unserem Unternehmen unter das Motto der freiwilligen Teilnahme zu stellen. Meine Unsicherheit war riesig, als ich das tat. Aber je mehr ich mich mit diesem Thema auseinandersetzte, desto klarer wurde mir, dass es sich auch wirklich nur um meine eigene Unsicherheit handelte. Es ist doch komisch: Warum konnte ich nicht einfach davon ausgehen, dass sich mein Team gerne treffen würde, wenn ein Teammitglied oder ich als Geschäftsführer zu einer Besprechung einlädt? Zu einer Geburtstagsfeier kommen Freunde und Familie doch auch, da stellt sich die Frage gar nicht. Sicher, es kann immer etwas dazwischenkommen, aber dann teilt die betreffende Person das respektvoll mit und ist sich im Klaren darüber, dass sie den Gastgeber verletzt, wenn sie nicht kommen kann/will.

Sie sagen jetzt möglicherweise, dass sei nicht vergleichbar. Das eine ist eine Feier und das hier ist Arbeit. Aber ist das tatsächlich so? Gehen Kollegen in ein Meeting, weil sie miteinander arbeiten wollen? Oder gehen sie hin, weil sie das Gefühl haben, dass der Chef es so will – aber eigentlich langweilen sie sich dort? Ich denke, dass angesichts der unzähligen Meetings in einem Unternehmen die Kollegen nicht immer mit vollem Interesse und Enthusiasmus dabei sind, sondern weil sie eben müssen. Es geht gar nicht um Respekt vor dem Vorgesetzten, auch nicht um Anstand – es ist einfach Gewohnheit.

Pixabay
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Keine Angst vor dem leeren Raum

Wer Meetings das Vorzeichen der freiwilligen Teilnahme gibt, gibt sich und seinem Team auch eine Chance: Als Führungskraft erkennen Sie, ob das Meeting und damit ihr Thema bei den Mitarbeitern auf Interesse stößt. Ja, es könnte sein, dass Sie ganz alleine im Raum sitzen (obwohl es sehr unwahrscheinlich ist). Nehmen Sie das Ihren Kollegen dann bitte nicht übel, sondern nutzen Sie die Gelegenheit, um in Ruhe an Ihrem Thema zu arbeiten. Vielleicht nutzen Sie die Zeit auch, um zu einem neuen Meeting einzuladen – mit einer Formulierung, bei der die Kollegen Lust bekommen, an diesem Meeting teilzunehmen. Wir sind alle nur Menschen. Auch ich falle immer wieder in die eigene Unsicherheit und in das eigene Unverständnis zurück, wenn ich einlade und dann alleine dasitze … das passiert tatsächlich. Und leider zeigt das oft, dass ich mir nicht genügend Mühe mit der Einladung, dem Zweck der Zusammenkunft gegeben habe. Und manchmal ist es einfach so: Wer nicht kommt, hat vielleicht wirklich etwas Wichtigeres zu tun.

Wenn Sie sich mit diesem Gedanken anfreunden wollen: Mehr dazu schreibe ich in meinem Buch „Selbstorganisation braucht Führung“. Oder wir diskutieren darüber beim nächsten Training am 1. September 2015 in Wien.

  • Das zeigt, dass Mut nicht Bungee Jumping ist, sondern die Begegnung mit dem Anderen.

    „Ich will, dass ihr kommt und deswegen bereite ich den Rahmen für Euch vor um gemeinsam etwas zu erreichen.“

    oder sinngemäß: ich schreibe Euch einen Brief – handgeschrieben mit Tinte – anstelle eines nichts sagenden Outlook Eintrages.

    Schöner Artikel, Danke Boris

    p.s.: und ja – mit dieser Einstellung werden Alle kommen.