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Der alles entscheidende Unterschied im Commitment

Was ist besser für ein Team? Wenn es 9 von 11 Stories oder 9 von 7 Stories schafft?

Richtig gelesen: Ich rede über die gleiche Anzahl abgearbeiteter Stories. Der einzige Unterschied ist, dass ein Team einmal 2 Stories mehr absolviert als es committet hat, während es im gegensätzlichen Fall 2 Stories weniger geschafft als committet hat. Angenommen, dass die Storypoints dieselben sind, wäre das Ergebnis doch eigentlich das Gleiche, oder? Nur ist das leider nicht so. Warum, ist recht einfach erklärt.

Übercommitment und seine Folgen

Haben Sie schon einmal ein Team erlebt, das beim Review vor versammelter Mannschaft sagen musste: „Hey Leute, es tut uns leid, aber wir konnten unser Commitment nicht erfüllen.“ Für mich war es bisher meistens ein deprimierender Anblick. Hebt dann noch ein Manager mit Inbrunst die fehlerhafte Leistung hervor, fällt das Team geradewegs in das Motivationsloch des Jahres. Dann schnappen Sie sich am besten die Angeprangerten und gehen mit ihnen irgendwo hin, wo sie ihren Frust rauslassen und alles vergessen können – damit vielleicht, so halbwegs und eventuell wieder ein Start möglich wird. So oder so: der Schaden ist passiert, die Scherben können so gut wie möglich aufgesammelt werden, aber im Großen und Ganzen wars das für die nächsten Tage mit der maximal möglichen Leistungsfähigkeit.

Untercommitment und seine Folgen

Ganz im Gegensatz dazu steht das Team, das mit stolzgeblähter Brust verkünden kann: „Hey Leute, wir haben nicht nur unser Commitment erfüllt, wir haben Euch sogar noch mehr geliefert. Es war uns ein Volksfest.“ Abgang von der Bühne unter donnerndem Applaus. Wie geht wohl dieses Team in den nächsten Sprint? Es ist stolz auf das, was es geschafft hat. Die Teammitglieder haben ihr Baby (das Produkt) weitergebracht und durften dem Management zeigen, was sie können. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann davon, dass dieses Team sein Bestes geben wird, um im nächsten Sprint noch besser zu sein und mehr zu können.

Der Grund dafür ist relativ einfach: Bekannterweise funktioniert positive Motivation wesentlich besser als Bestrafung. Falls Sie das für ein Gerücht halten, rufen Sie beim nächsten Casino an und fragen Sie nach, warum so viele Menschen weiterspielen, obwohl sie selten gewinnen, aber ganz oft verlieren. Die positive Motivation durch einen Gewinn – egal wie klein er ausfallen mag – hebt den Bestrafungseffekt des Verlierens (ebenfalls egal, wie viel Geld man schon verspielt hat) wieder auf. Dieses Prinzip funktioniert so gut, dass Casinos hervorragend davon leben können. Höchste Zeit also, diesen Effekt dafür zu nutzen, um etwas Positives für unsere Unternehmen und die Menschen darin zu tun. Denn es kann doch jeder nur gewinnen, wenn ein Team motiviert ist, gerne zur Arbeit kommt und das Management mehr bekommt, als es erwartet hat, oder?

Was bedeutet das praktisch? Versuchen Sie also nicht, Ihr Team dazu zu bewegen mehr zu committen, wenn Sie den Eindruck haben, dass es untercommittet hat. Lassen Sie dem Team stattdessen die Freude, mehr Arbeit dazunehmen zu können, sein Commitment damit zu übertreffen und das auch kommunizieren zu können. Das Team wird sich mit mehr Leistung bedanken, denn es will zeigen, was es kann – und das nützt auf Dauer der Organisation als Ganzes.

  • Was mir am Beitrag sehr gefällt ist dass eine Tatsache/Ergebnis aus verschiedenen Standpunkten gesehen werden kann und dass wenn man die Wahl hat IMMER die POSITIVE gewählt werden soll. Nämlich, die wo man sich ein Stück feiern kann.

    Was auch wichtig ist, dass Commitment ein zweiseitiges Vertrauen ist und dass beide Seiten (Management und Team) dafür die Verantwortung tragen. Team vertraut Product Owner und Product Owner dem Team. Letztlich entsteht Commitment aus vielen Spannungsverhältnissen (geben und nehmen, bringen und leisten, vertrauen und zutrauen).

    Teams und Product Owner (Vertretung des Managements) commiten sich beide (oft nicht sichtbar aber spürbar) zum Arbeitspaket und sind nachher auch beide in die Verantwortung zu nehmen. Konflikte die daraus entstehen sind wie überall im Leben beiden Parteien zuzuschreiben (zumindest wenn sie nicht gelöst werden) und sollen gemeinsam gelöst werden. Diese Situationen positiv zu erkennen, zu verbessern und dann gemeinsam so zu leben ist WACHSTUM – der Motor für Selbstorganisaiton und Lernen.

    Schwierig wird es wenn beispielsweise ein Manager dem Team suggeriert, dass immer mehr commitet werden soll als erreicht werden kann, damit immer volle Auslastung da ist und gleichzeitig der Product Owner unzufrieden ist wenn das Commitment nicht erreicht wird. Auf wen soll das Team hören und wozu ist Commitment in dieser Situation da. Der Umgang mit Commitment ist somit oft ein Indikator auf den Flow im Unternehmen.

    • Hallo Anton,

      das hast Du wirklich wunderbar zusammengefasst.

      Vielen Dank dafür und viele Grüße,
      Wilfried