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Die Generation Y denkt anders als Sie denken

In Berichten über die Generation Y (zum Beispiel Warum die Generation Y ständig unzufrieden ist) gibt es immer wieder dieses hübsche Bild vom Einhorn. Verkürzt gesagt glauben wir Y-ler, dass wir unglaublich schöne und gute Menschen seien, die alles erreichen können. Auf der anderen Seite steht die arme Geschäftswelt, die nicht weiß, was sie tun soll, da es wegen des demographischen Wandels zu einer Verknappung von Personal kommt. Wie soll man nun diese Generation Y mit ihrem übersteigerten Anspruch am besten ködern, um zukünftig an die knappen Personalressourcen ranzukommen?

Immer wenn ich sowas lese und höre, fühle ich mich traurig. Ich frage mich, ob sich wirklich jemand die Mühe gemacht hat, sich mit dieser Generation in aller Tiefe auseinanderzusetzen. Dazu ein paar Gedanken aus meinen Beobachtungen, für die ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe:

  1. Ja, die Generation Y ist mit dem Gedanken aufgewachsen, sie könne alles erreichen, und es wurden ihr mehr Freiheit und Ressourcen zur Verfügung gestellt als der Generation Me.
  2. Diese Ressourcen und die Freiheit haben dazu geführt, dass sich diese Generation intensiv damit auseinandergesetzt hat, was Sie tun möchte – nicht damit, was Sie tun muss. Diese Art der Freiheit führt auch zu einem gewissen Problem: Wenn man alles tun kann, stellt sich die Frage, was das Allerbeste ist, und so wird eine Entscheidung immer zum Massenmord an all den übrigen Möglichkeiten. Die Generation Y wird sich immer fragen, ob sie das Beste aus sich gemacht hat, oder ob sie sich nicht für etwas anderes entscheiden hätte sollen.
  3. Zur Entscheidungsfreiheit und zur Ressourcenverfügbarkeit kommt zusätzlich die Entwicklung des Internets, die wir miterleben durften. Das Internet hatte vor allem drei Effekte:
    • Gleich nachdem wir eine Tätigkeit aufgenommen hatten, wussten wir, dass es irgendwo auf der Welt jemanden gab, der es schon mit 10 Jahren besser, schöner und perfekter gemacht hat – egal was.
    • Die Vernetzung hat dazu geführt, dass sich eine Art Untergangsstimmung breit gemacht hat. Kriege, Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit usw. sind unsere Freunde seit Kindesbeinen und begleiten uns auf all unseren Wegen.
    • Die Demokratisierung von Wissen über das Internet hat uns auch gezeigt, dass wir als Menschen Macht und Verantwortung haben. Wenn wir es nicht tun, wird sich kein anderer darum kümmern, auf diesem Planeten etwas besser zu machen.
  4. Die Globalisierung hat einen irrsinnigen Konkurrenzkampf entfacht. Es gibt zwar ein paar Studienrichtungen, dank derer sich die Absolventen die Firmen aussuchen können, aber für alle anderen spricht die Nachfrage am Markt eine ganz andere Sprache. Verhandlungssicherheit in zwei Sprachen ist eine Grundvoraussetzung, Studienabschlüsse mit 1.x sowieso, und dann bitteschön noch fünf Jahre Berufserfahrung im jeweiligen Bereich. Ach ja, und natürlich nicht älter als das Golden Age 30. Sowieso, eh klar …

Erschwerend kommt hinzu, dass die Generation Y mit ihrer exzellenten Ausbildung, analytischen Kompetenz und Praxiserfahrung seit den ersten Studienjahren fähig ist, hinter die Kulissen propagierter Aussagen zu sehen. Auf gut Deutsch: Wir sind kritisch, lassen uns kein X für ein U vormachen und bilden uns gerne unsere eigene Meinung. Denn dass man Medien nicht trauen kann, wissen wir schon längst.
In diesem Sinne sind mir auf dem höher gebildeten Sektor drei Typen der Generation Y aufgefallen:

Typ A – „So What“

Lethargie ist da, man akzeptiert was ist, arbeitet so viel wie nötig, und sucht sich seinen Ausgleich in der Freizeit. Die Dauerberieselung durch die Medien wird akzeptiert, um den Gedanken, was sich denn hinter dieser Welt verstecken möge, zu überdecken. Man kann seine Firma im besten Falle leiden, aber da man sich bewusst ist, dass einem selten die Wahrheit gesagt wird, schaut man lieber nicht hinter die Kulissen. Stattdessen legt man sich einen Hund und eine Freundin/einen Freund zu und macht das Beste aus seinem Privatleben. Die Arbeit wird als lästiger Bestandteil akzeptiert, die innere Kündigung wird zur Dauereinstellung.

Typ B – „Beat The System“

Einige der bestausgebildeten und bestvernetzten Personen sind sich darüber im Klaren wie es läuft, und versuchen es mit der „AUA-Methode“ des Vertriebs: Im Sinne des „Anhauen – Umhauen – Abhauen“ versuchen sie innerhalb kürzester Zeit die Karriereleiter zu erklimmen und mit viel Geld auf der hohen Kante aus dem System so bald wie möglich auszusteigen. Ob das gelingen wird, oder ob die Räder des Systems zu einem anderen Ergebnis führen, sei dahingestellt.

Typ C – „Better Do Something Than Nothing“

Dieser Typ hat sich letztendlich seiner Verantwortung gestellt. Ihm ist klar, dass sich die Welt nur mit seiner Hilfe verändern wird. Er hat sich lange gefragt, was ihm wirklich am Herzen liegt und wo seine Kompetenzen liegen. An diesen arbeitet er kontinuierlich und ist bereit, dafür Opfer aus seinen anderen Lebensbereichen zu bringen, da er mit seinen Fähigkeiten etwas (zum Besseren) bewegen will. Diese Leute überlegen gut, wo sie sich einbringen, gehen ihren Leidenschaften nach und sind kritisch und sehr aufmerksam, was den Zweck und den Wahrheitsgehalt einer Firma betrifft.

In diesem Sinne liegt es an Ihrer Firma zu entscheiden, welche Menschen sie anziehen möchte und wer sich für sie einsetzen soll. Typ A braucht nicht viel und wird Ihnen auch nicht viel zurückgeben. Typ B wird seinen Bezugspunkt über das Gehalt definieren, seien Sie sich dabei aber im Klaren, dass er Sie genau so schnell wieder verkaufen wird, wie Sie ihn eingekauft haben. Typ C ist vermutlich der heilige Gral, den Sie suchen.

Wenn Sie den wollen, wird Ihr Unternehmen authentisch sein müssen. Eines, das aufrecht zu seinen Aussagen steht. Ein Unternehmen, in dem Leute arbeiten, die inspirierend sind und nicht davor zurückschrecken, sich Fehler einzugestehen, die bereit sind, ihren ehrlichen, nach bestem Wissen und Gewissen eingeschätzten Beitrag zu einer besseren Welt beizusteuern. Abgesehen von einer gewissen emotionalen Intelligenz (aka Bauchgefühl) finden wir Y-ler auf Firmenbewertungsportalen mehr als genug Infos, um zu wissen, wer es ernst meint und wer nicht. Stecken Sie also in Ihrem eigenen Sinne die Energie und die Ressourcen Ihres Unternehmens nicht in das Verdecken von Schwachstellen, sondern arbeiten Sie ehrlich an der Authentizität.

Wenn Sie noch weiter gehen wollen, gehen Sie ein Stück in Richtung Demokratisierung. Ricardo Semler hat es mit Semco vorgezeigt: Vom Umsatzwachstum abgesehen kann er aus einem unerschöpflichen Pool der besten Studienabgänger schöpfen.

Es liegt an uns, an der Generation Y, zu entscheiden, wie es mit dieser Welt weitergehen soll. Es liegt aber an den Verantwortlichen in den Unternehmen, zu entscheiden, ob sie uns dabei helfen wollen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Falls ja, können Sie sich unserer Loyalität sicher sein. Falls nicht, werden wir unsere eigenen Firmen gründen, um es zu tun. Denn irgendwer muss es tun.

  • Romy

    Leider kannte ich die Begriffe Generation Y oder Generation Me nicht, denke aber, dass ich aus dem Kontext heraus hoffentlich sicher rausgefunden habe, welche Genration gemeitn ist.

    Sehr guter Artikel. Da steckt soviel Wahrheit darin, dass ich es am liebsten allen Geschäftsführern unseres Landes als Pflichtlektüre mitgeben würde.

    Ich denke aber leider auch, dass die, die es eh schon machen, sich bestätigt fühlen und die, die es nicht so machen, ihre (natürlich völlig logischen) Gründe haben, wieso sie es nicht tun.

    Eigentlich müsste die Schreibweise also eher an die Generation Y gerichtet sein. Was sind deine Ziele, wo willst du hin?Welcher Typ bist du und dann eben ein Tipp für welchen Typ welche Firma geeignet ist….dass wenn man eine gute Firma hat, die Typ C sucht, man als Typ B und A Mentalität, die Firma nicht vergiften soll…
    Denn eins gestehe ich der Genration Y mehr zu, als allen schon etablierten Geschätsführern…sie sind noch lernfähig…

    • Hallo Romy,

      ich danke Dir für deinen wundervollen Beitrag und fühle mich geehrt, dass Du Ihn als mögliche Pflichtlektüre für die Geschäftsführer unseres Landes ansiehst. Vielleicht liest es ja der Eine oder Andere Geschäftsführer auch freiwillig und macht sich seine Gedanken dazu.

      Du hast recht, ich habe mich in meinem Beitrag eher an die Firmen gewandt und nicht an die Arbeitnehmer der zukünftigen Generation. Ich werde mir meine Gedanken dazu machen und überlegen ob mir ein passender Blogbeitrag dazu aus der Tastatur entgegen springt.

      Für deinen konkreten Fall, stelle ich mir die Frage wie ein lernresistenter Typ A oder B in eine Firma kommt, die Typ C präferenziert. Eigentlich sollten die ja bereits ausgesiebt worden sein im Einstellungsgespräch bzw. in der Probezeit. Ansonsten glaube ich, dass Firmen und Menschen durchaus in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche Typen repräsentieren können und das Potential zum Typ C in jedem Menschen und jeder Firma vorhanden ist. Es braucht nur den Mut zur Veränderung um den ersten Schritt zu gehen. Wie eines meiner Lieblingszitate aus Alice im Wonderland so treffend beschreibt:

      ‚Where shall I begin, please your Majesty?‘ he asked.
      ‚Begin at the beginning,‘ the King said gravely, ‚and go on till you come to the end: then stop.‘

      zu Deutsch: „Wo soll ich beginnen Eure Majestät?“ fragte er. „Beginne am Anfang,“ sagte der König bedeutungsvoll „und gehe bis Du zum Ende kommst: Dann bleibe stehen.“

      Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche,

      Wilfried