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Konzentration – der Weg zum Erfolg

Welches Ihrer letzten Vorhaben war erfolgreich? Oder können Sie sich noch an Ihr letztes on time, in budget verwirklichtes Projekt erinnern?

Hoffentlich mussten Sie nicht gerade minutenlang erfolglos überlegen. Ich musste bei dieser Frage auch zunächst schlucken, vor lauter Angst, ich wüsste kein Beispiel. Aber zum Glück mache ich agile Produktentwicklung und so konnte ich mindestens ein, wenn nicht mehrere Projekte nennen, die ich mit Hilfe von Scrum erfolgreich abschließen konnte.

Aber dann habe ich überlegt, welche „Projekte“ ich in meinem Privatleben erfolgreich abgeschlossen habe.

Und woran liegt es, dass ich noch etwa 3-5 offene Privat-Projekte habe, die bis auf Weiteres kaum zu beenden sind?

Wieso verzeichne ich in teilweise aussichtslosen Situationen Projekterfolge mit Scrum-Teams, während mein eigener, persönlicher Erfolg in manchen Punkten ausbleibt?

Anfangs dachte ich, das liege an mir, ich sei nicht kompetent genug, es falle mir schwerer als anderen, etc. Doch im Grunde waren das nur Ausreden, die mein Gewissen beruhigen sollten, um mir zu sagen: „Alles ist gut.“

Letztendlich sind aber jene Personen erfolgreich, die auch mit etwas fertig geworden sind. Stellen Sie sich vor, Steve Jobs hätte die Idee des iPods aufgegriffen und in der Mitte aufgehört, um mit dem iPad fortzufahren und hätte dann wiederum damit aufgehört, weil das Mac Book wichtiger geworden wäre. Können Sie erkennen, was das Ergebnis gewesen wäre? Ein großes Nichts. Wir hätten vielleicht nie einen iPod in der Hand gehabt, weil er nicht fertig gewesen wäre. Das ist aber das Schicksal vieler großer Ideen, die wir haben und die uns für ein paar Wochen wichtig erscheinen. Doch dann haben wir eine neue Idee oder uns fehlt – wie immer – die Zeit für unsere Vorhaben. Aber woran liegt das? Die Natur des Menschen strebt eigentlich danach, Dinge fertigzustellen. Wenn ich mir mich selbst, meine Kollegen und Freunde ansehe, sehe ich allerdings großartige, gute Arbeiten, die zwar angefangen, aber nie fertiggestellt werden.

Und genau in dieser Sekunde wusste ich auch warum: Wir konzentrieren uns einfach nicht!

In einem Scrum-Team sorge ich als ScrumMaster dafür, dass das komplette Team an einer Sache arbeitet, an einem Product Backlog, mit allen Ressourcen, die es benötigt. Das Team arbeitet konzentriert an einer Sache und siehe da: das Team wird tatsächlich fertig. Viele Teams wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, ein Projekt zu beginnen und auch zeitnah abzuschließen. Meistens arbeiten sie an zehn Projekten, von denen vielleicht eines pro Jahr fertig wird. Umso glücklicher, motivierter und erfüllter sind sie, wenn sie mit Hilfe von Scrum ein Projekt beginnen und zeitnah beenden können.

Wenn ich mir nun erneut mich selbst, Kollegen und Freunde ansehe, sehe ich oft wenig Konzentration auf eine Sache, aber umso mehr Konzentration auf zehn Sachen. Wir machen Sport, aber natürlich nicht nur Radfahren, sondern auch Tennis, Joggen, Golf und Schwimmen. Genauso „verteilen“ wir uns gleichzeitig auf Projekte, Trainings, Workshops, Konferenzen … und und und. Doch je mehr man macht, desto weniger macht man etwas tatsächlich. Wenn man sich dann wieder mal zu viel vorgenommen hat und es wieder mal kurz vor dem Schluss bemerkt bzw. es sich eingesteht, kommt meist noch der Versuch, To Do’s an andere zu delegieren. Ich glaube, jeder von uns kennt es, dass uns Vorgesetzte oder Kollegen kurzfristig absolut dringende Aufgaben auf den Tisch werfen und wir dann das Vergnügen haben, ihre unfertigen Aufgaben zu beenden. Noch schlimmer ist es, wenn sie mit dem Ergebnis der Delegation unzufrieden und wir einfach nur frustriert sind.

Dabei zeigt uns die Geschichte immer wieder, wie erfolgreiche Menschen arbeiten. Beethoven hat selten fünf Symphonien gleichzeitig komponiert. Fast alle Genies haben eines gemeinsam: Sie konzentrieren sich auf ein Thema, verfolgen es beinahe bis zur Besessenheit und beenden es letztendlich. Die meisten anderen Menschen sterben leider, ohne ihr wahres Genie jemals gezeigt zu haben.

Nun gut, das war jetzt wieder einmal viel Erkenntnis, aber was lerne ich daraus? Ich persönlich nehme mir vor, mich zu konzentrieren, auch privat. So wie ich es in meiner täglichen Arbeit tue, denn ich begleite und coache immer nur ein Team und nicht fünf auf einmal. Genau so versuche ich es jetzt mit allen meinen anderen Zielen: Ich werde sie nun abarbeiten, eines nach dem anderen.

  • Hans Gast

    Ist jetzt nicht sehr bahnbrechend und tiefgründig oder?