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Einer von uns beiden spinnt – ich bin mir nur nicht sicher, ob du oder ich

Sehr geehrte Leser und Leserinnen, ich hoffe Sie sitzen gut, Ihre Rückenlehne ist aufrecht und Sie sind angeschnallt. In diesem Beitrag bewegen wir uns nämlich durch die Turbulenzen der Emotionen. Zumindest schneiden wir diese kurz an, für viel mehr reicht so ein Blog leider nicht aus.

In meiner Arbeit mit Menschen in den letzten Jahren und in meinen privaten Beziehungen ging mir dieses, in der Überschrift erwähnte Statement schon unzählige Male durch den Kopf. Erleichtert bin ich darüber, dass die erweiterte Form die schlichte Formulierung „Der spinnt“ abgelöst hat. Daran merke ich, dass die Jahre der Reflexion nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind. Denn die Frage, wer spinnt und wer also die betreffende Situation vollkommen falsch einschätzt, ist nicht so einfach und oft nur mit „es kommt drauf an“ zu beantworten.

Die Krux liegt in den unterschiedlichen Bedürfnissen, An- und Absichten einzelner Menschen. Diese entstehen durch Prägungen aus unserer Vergangenheit. Psychologen haben dazu ein gut gehütetes Geheimnis, dass ich Ihnen heute verrate und dass Ihnen vielleicht ein langwieriges Psychologiestudium erspart: Jeder Einzelne von uns ist, auch als Erwachsener, nur ein kleines verletztes Kind. Es gibt alte Muster, die heute noch immer wirken, und die sich auf unsere (Arbeits-)beziehungen verheerend auswirken können. So hat das Kind, dessen Eltern Abends zu spät nach Hause kommen, irrsinnige Verlustängste entwickelt und wird so als Erwachsener möglicherweise zutiefst verletzt sein, wenn ein von ihm geschätzter Kollege zu einem bestimmten Arbeitstermin nicht erscheint. Die übertragene Emotionalität aus der Kindheit wird dann die Arbeitsbeziehungen zwischen diesen Personen belasten. So viel zur schlechten Nachricht.

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Kommen wir nun zur guten Nachricht: Jeder Einzelne von uns Menschen hat die Möglichkeit, diese Muster zu verändern. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass wir uns diese alten Muster eingestehen und sie akzeptieren. Mit der Akzeptanz kommt auch die Lösung.

Wie kommt man aber an diese Muster heran? Eigentlich ganz einfach und daher unheimlich schwer und langwierig: Reflektieren Sie und seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst. Methoden gibt es unzählige. Meditieren Sie, gehen Sie ins Kloster oder in Supervison (falls Ihnen der Begriff Psychotherapie zuviel Angst macht). Wenn Ihnen das jetzt zu anstrengend ist, kann ich als Motivation noch vom Goldtopf am Ende des Regenbogens erzählen, der auf Sie wartet, wenn Sie diesen Weg gehen: Sie erhalten Freiheit. Die wirkliche und wahrhafte Freiheit zu entscheiden, was Ihnen gut tut. Sie befreien sich davon, Dinge tun zu müssen, weil Sie ein inneres unbefriedigtes Bedürfnis nach Anerkennung, Wohlstand, Macht oder Beziehungen haben. Dadurch gewinnen Sie eine Lebensqualität, die Ihnen anders nie zuteil werden kann und Sie bekommen die Möglichkeit, Ihr Leben mit einem wachen Auge zu betrachten.

Um den Kreis zu schließen: Wenn Sie das nächste Mal wieder sagen wollen „Der spinnt“, werden Sie vielleicht darüber nachdenken können, welches Bedürfnis bei Ihnen gerade nicht erfüllt wird und welches Bedürfnis beim anderen gerade getriggert wird. Und mit diesem Verständnis der Situation können Sie auch Lösungen für Ihre Beziehungen finden, die Ihnen anders nie zugänglich wären.

In diesem Sinne hoffe ich, Sie haben den Flug gut überstanden und ich entlasse Sie durch die Kabinentür wieder ins Freie. Welchen Weg Sie nun wieder einschlagen, bleibt Ihnen überlassen, aber vielleicht hinterfragen Sie zukünftig, WARUM Sie genau jenen Weg einschlagen wollen. Damit gewinnen Sie ein wenig mehr Freiheit für sich.