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Was kann die Generation Y von Scrum lernen?

An der Generation Y wird gerade wieder diskutiert, was die Wahlfreiheit mit uns macht. Einerseits wollen wir sie nicht mehr missen und anderseits gehen wir unter ihr in die Knie. Hier ein Beispiel:

Es gab mal eine Studie, bei der den Probanden auf der Straße ein Eis geschenkt wurde.

  • 1. Set up
    Die Probanden haben 3 Sorten Eis zur Auswahl: Vanille, Schokolade und Erdbeer. Jeder bekommt genau eine Kugel Eis. Anschließend werden sie befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Wahl sind. Ergebnis: Sie sind durch die Bank glücklich, ein Eis geschenkt bekommen zu haben und froh über die Wahl, die sie getroffen haben.
  • 2. Set up
    Die Probanden haben 10 Sorten Eis zur Auswahl: Stracciatella, Limone und was man sich noch so denken kann. Jeder bekommt wieder genau eine Kugel Eis. Die Antworten bei der anschließenden Zufriedenheitsbefragung fallen diesmal allerdings ganz anders aus. Die Mehrheit der Befragten ist weit entfernt von Zufriedenheit. Die Tatsache, dass sie gerade etwas geschenkt bekommen haben, schwindet aus der Wahrnehmung. Kennzeichnend für die Stimmung der Leute ist allein das Gefühl, die falsche Wahl getroffen zu haben: Eine der anderen Sorten wäre bestimmt leckerer gewesen.

Sind Wahlmöglichkeiten also mehr Fluch als Segen?

Es kommt darauf an

Zunächst einmal hängt das davon ab, welcher Typ ich bin. 
Persönlichkeitsprofil-Modelle wie das MBTI, oder die Lehre von Motivationsprofilen, besagen, dass es Menschen gibt, die durch permanente Wahlmöglichkeiten motiviert sind und sich wohler fühlen je mehr Optionen zur Auswahl stehen. Und andere Typen halten es in undefinierten Situationen schwer aus und sind bestrebt, die Türen schnell wieder zu schließen, einen Haken dran zu machen. Lieber irgendeine Entscheidung als keine.

Und dann hängt es von meiner Kompetenz ab, mit Wahlfreiheit umzugehen.
Schauen wir uns an, welche Antworten das Scrum-Universum auf dieses Dilemma hat.
In Scrum hat alles seine Zeit. Türen öffnen hat seine Zeit und Türen schließen hat seine Zeit.
Beim Review, bei der Retrospektive und beim Backlog-Grooming mache ich den Raum auf für neue Ideen und Möglichkeiten. Bei den Sprint Plannings schließe ich die Tür wieder, indem ich mich entscheide, was ich in den nächsten zwei Wochen machen will. Und im Sprint drehe ich den Schlüssel vom Sicherheitsschloss zweimal rum. Jetzt gehe ich mit meiner Entscheidung und verwandle sie in eine Erfahrung. Am Ende der zwei Wochen weiß ich, ob das eine gute Entscheidung war.

Was kann die Generation Y daraus lernen?
Für Antworten brauche ich Erfahrungen*. Ohne Entscheidung kann ich keine Erfahrung machen. Und ohne Erfahrung gibt es keine Kurskorrektur.

Ich schließe mit einer kleinen Geschichte.
Ein Bauer kommt zum weisen König und fragt ihn, ob er ihm erklären kann, was Freiheit ist. Der König fragt den Bauern: „Kannst Du ein Bein heben?“
„Ja“, sagt der Bauer.
„Gut, welches Bein willst Du heben?“
Der Bauer überlegt kurz und sagt dann: „Das linke.“
„Gut“, sagt der König, „dann hebe Dein linkes Bein.“
Der Bauer hebt darauf sein linkes Bein.
„Jetzt heb Dein rechtes Bein“, sagt der König daraufhin zum Bauern.
Der Bauer schaut ihn verdutzt an und sagt: „Aber das kann ich nicht.“
„Siehst Du“, sagt der König, „jetzt weißt Du, was Wahlfreiheit ist.“

In diesem Sinne, viel Spaß beim Entscheiden.

*“Und Dich hat man wieder mal ausgelacht, weil Du für Antworten Erfahrungen brauchst“ – aus dem Lied „Antworten, Erfahrungen“ von Felix Meyer