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Der krumme Ski oder wie Scrum in die Hardware zurückkam

Könnt ihr euch noch an diese geraden Ski-Bretter erinnern, die schier nicht mehr zu bewältigen waren, wenn sie eine gewisse Länge überstiegen? Nur mit viel Kraft und technischem Geschick kam man heil den Berg hinunter.

1870 wurde in Norwegen der Carving-Ski erfunden und obwohl er deutlich leichter zu lenken war, konnte er sich am Markt (zunächst) nicht durchsetzen. Anfang der 1990er hatte jemand die Idee, dass es doch lustiger wäre, auf nur einem Brett zu rutschen, und hat das Snowboard erfunden. Den Berg auf einem stylischen und wendig geschnittenen Board hinabzugleiten, hat viel mehr Spaß gebracht, als sich mit diesen langen Ungetümen von Skiern abzuquälen. Skifahren war plötzlich was für unicolore Langeweiler, Snowboarden was für die coolen Bunten. Die Ski-Industrie geriet unter Druck. Als Reaktion darauf wurde begonnen, Skier – ebenso wie Snowboards – an den Enden breiter und in der Mitte schmaler zu machen. Wiedergeboren war der Carving-Ski, der den Skisport neu belebte. Denn ein Carving-Ski ist leichter zu lenken, ist wendiger und macht mehr Spaß, auch ohne viel Kraft einsetzen zu müssen.

Ganz ähnlich befruchten sich die Entwicklungsprozesse in der traditionellen Fertigungsindustrie (Hardware) und in der digitalen Welt der Software-Industrie. Die ersten Erfahrungen mit agilen Methoden wurden in der Flugzeugindustrie bereits 1943 gemacht, als die Alliierten eine schnelle Antwort auf die deutsche ‚Wunderwaffe‘ brauchten. Zu Beginn wurde Software genau wie Hardware nach dem Engineering-Ansatz entwickelt: Plan – Design – Implement – Test – Wasserfall. Das war erfahrungsgemäß unzuverlässig in der Planung, teuer und vor allem hat es lange gedauert, bis man Feedback zu Entscheidungen bekam. Daher ist die Software-Industrie auf Scrum und andere agile Methoden umgestiegen und hat begonnen, ihre Produkt in Inkrementen zu entwickeln. Feedback wurde so nach jedem Schritt eingeholt und am Ende gab es ein Produkt, das wirklich einen Mehrwert lieferte. Und mehr Spaß macht es auch noch, weil die Entwickler selbstbestimmter arbeiten und in besserer Qualität produzieren können.

Das hat die hardwareproduzierende Industrie, aus Branchen wie Medizintechnik und Automotive, neugierig gemacht. Durch immer kürzere Innovationszyklen im Markt stoßen sie mit klassischen Projektsteuerungsmethoden bei der Umsetzung an Grenzen. Dank moderner Prototyp-Technologien lassen sich Ideen immer schneller in greifbare Ergebnisse verwandeln, mit denen Erfahrungen gemacht werden können. Der Weg zur Nutzung von Scrum ist frei und wird immer freier.
Mit Scrum ist jetzt auch die Hardware-Industrie wendiger und es braucht weniger Krafteinsatz, um Projekte erfolgreich umzusetzten. Und wer weiß, vielleicht verabschieden sie sich ja auch vom unicoloren blue-collar und werden bunter  ;-)