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Persönliches geht vor Fachlichem

Im Business ist es wie in anderen Bereichen des Lebens auch: Es funktioniert in erster Linie über persönliche Beziehungen. Mag ich jemanden persönlich, nehme ich sogar fachliche Mängel in Kauf.

Glaubt Ihr nicht? Ich wohne in Prenzlauer Berg in Berlin, da gibt es eine Weinbar, die von einem Italiener geführt wird. Niemand nennt den Namen der Bar, wenn er da hingeht, alle gehen zu Johnny. Johnny begrüßt alle herzlich und persönlich, egal wie groß der Stress ist. Für die persönliche Begrüßung nimmt er sich Zeit. Und er macht ganz klar, dass gerade Du ihm besonders wichtig bist. Außerdem ist Johnny großzügig. Es gibt zu jedem Wein immer ein großes Glas Leitungswasser, das ständig nachgefüllt wird, und zu jedem Getränk gibt es einen kleinen Teller Tapas dazu.

Der Laden ist immer voll. Die Leute mögen es gemocht zu werden und nehmen die mittelmäßige Qualität in Kauf. Die Weine sind so la la. Geraucht werden darf auch, was im Winter in dem kleinen Laden zu tränenden Augen führen kann. Im Sommer sitzt man draußen und ab 22:00 Uhr kommt er alle 5 Minuten vorbei und macht „psst“ wegen der Nachbarn. Das hindert niemanden daran, zu Johnny zu gehen.
Wenn ich den Menschen Wertschätzung entgegenbringe, ihnen zeige, dass ich sie mag und gern mit ihnen arbeite, ihre Stärken sehe und kommentiere – dann muss ich mit meiner fachlichen Kompetenz schon sehr neben den tatsächlichen Anforderungen liegen, bevor der Kunde sich gegen eine weitere Zusammenarbeit entscheidet. Solange ich noch etwas finde, was mir bei Johnny schmeckt, Bier statt Wein z.B., werde ich weiter hingehen. So lange ihr einen Mehrwert für den Kunden liefert, wird er einen Grund finden, euch zu halten. Wer sich jetzt an das super-leckere Restaurant erinnert, in dem der Kellner so pampig war, der weiß genau, was ich meine.

Jetzt glaubt ihr mir vielleicht und sagt: „Gut, dann bin ich eben nett zu den Leuten.“ Aber es gibt da eine Schwierigkeit. Ich kann nicht vortäuschen, dass ich jemanden mag. Und ich werde die Person nicht mögen, ihre Stärken gar nicht sehen, wenn sie Eigenschaften hat, die ich an mir selbst nicht mag. Das heißt, um stabile, wertschätzende persönliche Beziehungen aufzubauen, werde ich an mir selbst arbeiten dürfen. Schatten integrieren, wie es so schön heißt. Mich also mögen lernen, so wie ich jetzt gerade bin. Johnny hat eine intakte und stabile Familie. Er ist emotional satt und genährt und kann dadurch ganz viel Herzlichkeit verschenken.

Wem es zu anstrengend ist, das Herz des Kunden zu gewinnen, der kann natürlich weiterhin durch hohe fachliche Qualität und zeitliches Engagement den Verstand des Kunden überzeugen.

Wo und wie nährt ihr euch fachlich und persönlich?

  • Ja eh

    Ist jetzt keine sensationelle Erkenntnis oder?

  • Johann Hartmann

    Ist schon schlimm genug, dass Agil eine Diktatur der Extrovertierten in einer Welt der Introvertierten etabliert hat. Da müssen wir Extrovertierten nicht noch drauf rumreiten. Jm2c.