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Scrum in der Medizintechnik: Wie stelle ich ein erfolgreiches Team zusammen?

Auch in stark regulierten Branchen wie der Medizintechnik ist es möglich, Produkte mit Scrum zu entwickeln – das hat sich mittlerweile von den IT-Abteilungen deutscher Dienstleistungsunternehmen über den innovativen Mittelstand bis in die großen Konzerne durchgesprochen*. Aber wo anfangen, wenn die Entscheidung für Scrum einmal gefällt wurde? Der Erfolg Ihres Projekts steht und fällt mit dem Team.

Scrum, richtig gelebt, bietet Ihnen die Möglichkeit, sämtliches Know-how, das Sie für die Entwicklung Ihres Produkts benötigen, in einem Team zu bündeln. Auf diese Weise lassen sich zusätzliche Aufwände und Redundanzen an Übergabepositionen minimieren und gleichzeitig dringend benötigtes Wissen beinahe automatisch auf mehrere Köpfe verteilen.

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Herausforderungen für die Medizintechnik

Für die Hersteller medizintechnischer Geräte bedeutet das allerdings nicht nur, Anwendungsentwickler und Tester zusammenzusetzen. Zu der ohnehin schon komplexen Aufgabe, Hardware und Software miteinander zu kombinieren, kommt hinzu, dass konstruierte Teile bestellt, Risikomanagement-Checklisten abgearbeitet und vor allem regulatorische Anforderungen erfüllt werden müssen. Neben Hard- und Softwareentwicklern sowie Konstrukteuren brauchen Sie in Ihrem Team also auch noch einen Einkäufer, jemanden aus der Produktdokumentation und eine Person, die sich mit den regulatorischen Anforderungen auskennt.

Pilotteams nicht als Wetterfrösche missbrauchen!

Viele Unternehmen treffen die Entscheidung, Scrum zunächst in Pilotprojekten auszuprobieren, um die Organisation nicht zu überfordern und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das funktionieren kann, oder nicht. Der Gedanke, die Organisation nicht zu überrumpeln, ist nachvollziehbar, und das Aufsetzen einer Pilotgruppe auch empfehlenswert.

Aber: Jedes Pilot-Team wird früher oder später an strukturelle Grenzen stoßen, vor allem wenn die Abteilungen, die den Teams zuarbeiten, nicht entsprechend geschult sind. Insbesondere wenn es um Anforderungen „aus dem Feld“ oder seitens der Regulierungsbehörden geht, kann die Integration entsprechender Know-how-Träger in ein Scrum-Team sehr viel Zeit sparen. Heißt das, mein QM – Mitarbeiter ist jetzt 100% der Zeit im Scrum-Team? Nicht unbedingt.

Verantwortungsbewusstsein schaffen

Allein das Commitment „entwicklungsfernerer“ Kollegen, regelmäßig zu Meetings wie Sprint Planning, Daily oder Review zu erscheinen, wird einen großen Beitrag zu mehr Effizienz Ihrer Scrum-Teams leisten.

Bei einem unserer Kunden in der Laborautomatisierung gibt es beispielsweise einen Projekteinkäufer, der regelmäßig die Dailies mehrerer Scrum Teams besucht und somit für das Team stets zu verlässlichen Zeitpunkten als Ansprechpartner zur Verfügung steht, sollte es beispielsweise Rückfragen zu Lieferzeiten geben. Und auch für die Arbeit des Projekteinkäufers ergeben sich durch die Unmittelbarkeit viele Vorteile. So bekommt er schnell ein Gefühl für die Dringlichkeit sowie über mögliche Zusammenhänge einzelner Bestellungen.

Auch bei der Erstellung von Bedienungs- oder Servicehandbüchern lassen sich eine Vielzahl von Verzögerungen und doppelten Arbeitsschritten durch die rechtzeitige Einbindung entsprechender Kollegen vermeiden. Schaffen Sie ein Bewusstsein dafür, dass Ihr Projekt nur durch das Zusammenwirken aller Parteien erfolgreich werden kann und das Scrum hierfür den notwendigen Rahmen bietet. Haben Sie die Rahmenbedingungen einmal abgesteckt und kommuniziert, werden sich Ihre Teams so aufstellen, wie sie es für eine anwenderfreundliche und normgerechte Produktentwicklung brauchen.

*Sowohl der Technical Information Report TIR 45:2012 der AAMI (Association for the Advancement of Medical Instrumentation ) als auch die Prozess-Norm IEC 62304 geben Herstellern explizit die Freiheit, ihre Produkte so zu entwickeln, wie sie es für richtig halten – solange die Produktsicherheit und -qualität gewährleistet bleiben.