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Gute Entwickler sind schwer zu finden!

In einem Training, an dem ich letztens teilnahm, kam unter den Entwickler wieder ein Mal die Diskussion auf, dass es doch gar keine guten Entwickler gäbe und es so schwer sei, neue Mitarbeiter zu finden. Die Teilnehmer, eine Handvoll jahrelang in der Softwareentwicklung erfahrener Menschen, waren alle der Meinung, sie kriegen keine guten Leute, die Entwickler von heute wären alle nicht brauchbar.

Nach regem Kopfnicken und Zustimmung fragte doch tatsächlich einer der Anwesenden, was denn wohl die Gründe dafür seien. Diese Frage warf natürlich wiederum eine andere auf, nämlich: „Wer ist denn ein guter Entwickler bzw. welche Kriterien erfüllt dieser?“ Da es ein Training zum Thema Selbstorganisation war, haben wir uns einfach einige der Anforderungen an die jungen Bewerber genauer angesehen.

  • Zunächst möge der Junior Entwickler genug Erfahrung mitbringen. Wie soll denn der Junior Entwickler Erfahrung sammeln, wenn alle nach Junior Entwicklern mit Erfahrung suchen? Nun gut, nach diesem Einwurf erbarmte sich einer der Teilnehmer und meinte : “Ja, man kann den sicher auch einarbeiten, ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Puhh Glück gehabt, unser Bewerber hat unsere 1. Anforderung mit Ach und Krach geschafft.
  • Der Entwickler sollte mit mehreren Tools umgehen können (es wurden so viele aufgezählt, dass der Platz auf dieser Seite dafür nicht ausreichen würde). Okay, einer kann ja nicht alles wissen, da waren wir uns alle einig. Aber zumindest die gängigsten Tools sollte der Entwickler im Schlaf beherrschen. Damit war auch der Großteil einverstanden. Vor allem sollte sich der Bewerber nur bewerben, wenn er tatsächlich die im Inserat angegebenen Tools auch beherrscht. Auch bei diesem Einwand wurde rege mit den Köpfen genickt.
  • Der Entwickler möge sich seine benötigten Informationen selbst erarbeiten. In diesem Punkt gingen wieder die Meinungen auseinander. Die einen bestärkten mit Kopfnicken, während die anderen meinten, eine gute Einarbeitung seitens eines Seniors wäre unumgänglich. Bei diesem Punkt wurde sehr schnell das Thema Wissenstransfer angesprochen und auch die Tatsache, dass Senior Entwickler ungern ihr Wissen teilen. Aber auch bei diesem Punkt waren wir uns größtenteils einig. Ein neuer Junior Entwickler könnte genau diesem Problem entgegenwirken. Wir würden einen Senior Entwickler aus dem Team zu den Bewerbungsgesprächen dazuholen, damit er auch mitbestimmen könnte, wer eingestellt wird. Da auch er derjenige ist, der den neuen Mitarbeiter einarbeiten wird.
  • Die Arbeit mit agilen Methoden wie Scrum, Kanban oder ähnlichem sollte für den Junior Entwickler selbstverständlich sein. Hier waren wir uns natürlich alle einig. Ein kompetenter Mitarbeiter, der selbstverantwortlich und selbstorganisiert arbeiten kann. Der cross-funktional arbeitet und über ein agiles Mindset verfügt. Oh ja, unser Herz ging auf bei diesem Punkt, und wir nannten noch viele weitere Punkte. Doch dann sagte einer: „Aber genau das ist der Grund, warum wir keine guten Entwickler finden.“

Was sollte das heißen? Wir waren alle doch recht verwirrt nach diesem Einwand.

Seine Theorie:
In einem agilen Umfeld sind Soft Skills gefragt. Wir erwarten uns von den Entwicklern, dass sie kommunizieren, sich mitteilen, diskutieren und Entscheidungen treffen. Doch viele Entwickler werden Entwickler, weil sie sich nicht austauschen möchten und sonst kein Interesse an Kommunikation haben. Hinzu kommt, dass sie gerne Vorgaben haben, nämlich genaue Vorgaben. Diese Vorgaben nehmen sie, gehen in ihre Kammer und coden, bis sie alles abgearbeitet haben. Doch in einem agilen Umfeld planen wir iterativ, wir lernen dazu und verbessern uns immer wieder. Diese Entwickler tun sich sehr schwer mit dieser Art des Arbeitens.

Er glaubte tatsächlich, dass die fehlenden Soft Skills, die im agilen Umfeld erwartet werden, bei vielen Entwicklern nicht vorhanden wären, und dass dies der Grund dafür wäre, warum sich so schwer gute Entwickler finden ließen.

Und auf diese Ausführung hin gab es erneut reges Kopfnicken.