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April, April, Angsthase

Der Aprilscherz ist beliebt wie eh und je. Doch während man im Privaten nach wie vor auch sein liebstes Gegenüber genussvoll ins offene Messer laufen lassen darf, lassen die meisten Medien dieser Tage eine geradezu panische Angst erkennen, man könne ihre ohnehin zumeist recht harmlosen Aprilscherze auch nur für Augenblicke ernst nehmen. Zeitungsmeldungen im schnellebigen Internet werden mit einem durch Kursivierung korrekt als redaktioneller Hinweis ausgewiesenen „April, April“ unterschrieben, Nachrichtensprecher erklären dem erstaunten Zuschauer mit geschäftsmäßigem Lächeln, er sei vermittels des eben gesendeten Einspielfilms in den April geschickt worden.

Ganz unzweifelhaft ist das Schönste an jedem Aprilscherz doch der Moment, in dem man mit einem herzlichen „April, April!“ sein Opfer darüber belehren kann, überhaupt ein Opfer zu sein. Wer labt sich nicht gerne an dieser ergötzlichen Ungläubigkeit, garniert mit einem Quäntchen peinlicher Berührtheit? Aber dazu muss der Scherz doch erst einmal glaubhaft gemacht worden sein! Das ist doch der Witz am Witz! Hier ist von Stunden, vielleicht nur Minuten die Rede, die es zum Einsickern der Fehlinformationen in die Opferhirne braucht.

Man mag in aller Breite und Ausführlichkeit über die Ursachen dieser Entwicklung im öffentlichen Raume raisonnieren, im Endeffekt aber wird es sicherlich darauf hinauslaufen, dass an verantwortlicher Stelle die akute Sorge besteht, irgendjemand könnte sich ohne unmittelbare Scherzaufklärung möglicherweise in irgendeiner Weise auf den Schlips getreten fühlen. Was aber tun?

Auf Scrumdeutsch: Commitment muss her! Wozu ist denn ein witzloser Scherz gut? Wer andere in den April schicken will, muss auch die Möglichkeit verantworten können, dadurch nicht nur positive Reaktionen auszulösen. Das ist im Voraus zu bedenken: Was für einen Scherz will ich haben? Wie wird er durchgeführt? Was will ich erreichen? Doch ist der Plan einmal gefasst und die Entscheidung getroffen, muss die Sache konsequent durchgezogen werden, denn jemanden fast in den April geschickt zu haben, ist genauso viel wert wie fast funktionierende Software oder ein fast fahrendes Auto.