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Die Ypsiloner

Den passenden Job zu finden ist offensichtlich genauso schwer wie den passenden Mitarbeiter auszuwählen. Man sollte meinen, die Recruiter hätten die „Qual der Wahl“ vor lauter Arbeitsuchenden klugen Köpfen da draußen. Dem ist aber nicht so. Also nicht, dass es keine klugen Köpfe gäbe – es herrscht wohl eher eine Inkompatibilität mit den vorhandenen Arbeitsplätzen.

Junge Absolventen haben offensichtlich das Interesse an klassisch geführten Unternehmen verloren. Sie haben keine Lust auf Hierarchien und die damit verbundenen politischen Machtspielchen. Heutzutage möchte man lieber die Welt verändern und einem sinnvollen Beruf nachgehen, anstatt den Business Value eines Unternehmens zu erhöhen. Manch Personaler schüttelt den Kopf über diese „verträumte“ Einstellung. Man kann doch nicht den gesamten Arbeitsmarkt auf den Kopf stellen, nur wegen dieser heranrückenden Generation Y, die offensichtlich noch nie den Ernst des Lebens gespürt hat! Die Generation, die nach 1980 geboren wurde, und alles hinterfragt – den Vorgesetzten, den Sinn der Arbeit und die Ziele der gesamten Organisation.

Gerade in Unternehmen, in denen agil gearbeitet wird, haben wir es mit vielen solchen „Ypsilonern“ zu tun. Junge ScrumMaster, die ihren Vorgesetzten auf Augenhöhe begegnen, Themen eigenverantwortlich vorantreiben, Impediments lösen und langsam ihr ganzes Umfeld verändern wollen. Allerdings stoßen sie mit diesem Verhalten auch schnell an die Grenzen der Organisation. Zum Beispiel an Teamleiter, die ihre Position verteidigen und sich von den, als hierarchisch niedriger eingestuften ScrumMastern, nichts sagen lassen. Starre Strukturen, die sich auch mit viel Elan und Ausdauer nicht brechen lassen. In einem solchen Umfeld resignieren ScrumMaster häufig – und kündigen früher oder später.

In diesem Falle stehen die Recruiter wieder vor der herausfordernden Aufgabe, die offene Stelle passend zu besetzen. Doch wie anfangs erwähnt, ist das gar nicht so einfach, eher zermürbend. Vielversprechende Bewerber werden letztendlich doch wieder mit den hartnäckigen Strukturen einer hierarchischen Organisation kämpfen müssen. Entweder sie ordnen sich dieser unter, oder sie gehen. Im Falle der Generation Y wird es die letztere Option sein.

Klar kann man diesen Trend auch als solchen abtun und weitermachen wie bisher. Allerdings werden dieselben Leute, die heute als Absolventen von den Unis gehen, eines Tages das Sagen im Unternehmen haben und ihre Einstellungen werden die Arbeitswelt auf Dauer prägen. Eigentlich ist der Zug schon ins Rollen gekommen. Entweder man springt auf und ändert die alten Muster, oder man bleibt auf der Strecke und schaut, wie weit man kommt. So oder so brechen spannende Zeiten über uns herein.