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Stand up – it might be worth it!

Für ein Konzert von Bodo Wartke hatte ich Karten geschenkt bekommen. Da er leider am Wochenende nicht in Berlin auftritt, fuhren wir nach Luckenwalde, um ihn zu sehen. Zu unserer Verwunderung war der Saal, der rund 700 Plätze hatte und beim Reingehen den Charme einer Turnhalle verströmte, ausverkauft. Zwar waren wir nicht die einzigen Berliner, die die einstündige Fahrt auf sich genommen hatten, es waren aber auch viele im Publikum, die man nicht unbedingt dort vermutet hätte. Eine ältere Dame vor mir genoss sogar während der Vorstellung ihren „Kurzen“, den sie wohl noch von der organisierten Busfahrt zum Konzert übrig behalten hatte.

Nichtsdestotrotz war die Stimmung toll. Das Publikum spiegelte zu jedem Moment die vom Künstler erzeugte Stimmung wider und ließ sich auf jede Frage, Mitmachaufforderung bzw. Interaktion mit Bodo Wartke ein. Nach seiner – ich glaube – dritten Zugabe, bei der er sich bei seiner Crew und beim Publikum bedankte, weil er auch diese noch spiele durfte, fasste ich kurzerhand einen Entschluss.

Ich war mir ziemlich sicher, dass es die letzte Zugabe sein würde und mir hatte der Abend sehr gut gefallen. Warum also nicht aufstehen und dem Künstler die Freude einer Standing Ovation bereiten? Klar, die Gefahr, dass ich alleine stehen würde, war natürlich vorhanden. Aber das war mir egal. Schließlich „stand“ ich ja zu meinem Aufstehen. Ich fand es klasse, was er gemacht hatte und wollte es ihm zeigen. Als er sich zum letzten Mal verbeugte, stand ich also schwungvoll und klatschend auf!

Es dauerte eine laaaaaange Sekunde bis mir jemand folgte. Ich konnte es sehen, weil es eine Person schräg hinter mir war. Und dann noch jemand, direkt neben mir. Und dann spürte ich, wie ein Movement durch den Raum ging. Hunderte von Personen standen gleichzeitig auf. Eine Wahnsinnsenergie und Dynamik. Ein tolles Gefühl irgendwie und auch ein bisschen unbeschreiblich.

Während er sich tief und lange verbeugte, machte seine Crew das Licht im Saal an. Als er wieder hochblickte, sah er den kompletten Saal stehen. Und man sah in seinen Augen die Freude, aber auch die Verwunderung! Unter Standing Ovations und von einem Ohr zum anderen grinsend verließ er, selber klatschend, rückwärts den Saal.

Mein Freund drehte sich zu mir und sagte: „Wow, you created a Movement! Und außerdem sind jetzt alle viel schneller draußen, weil sie ja schon stehen!“

Wie gesagt, natürlich wusste ich nicht, ob es funktionieren und somit den gewünschten Effekt haben würde. Aber ich bin aufgestanden, weil ich überzeugt war, dass es einen Unterschied macht. Egal, ob mir jemand folgt oder nicht.

Steht auf! Macht einen Unterschied – wenn auch nur für euch. Most likely wird jemand folgen!