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You can’t be everything to everybody – 4 Strategien für ein Minimum Viable Product

In einem meiner letzten Beiträge habe ich bereits über die Bedeutung des Minimum Viable Products geschrieben. Dieses Mal stelle ich nun vier mögliche Strategien vor, Kunden aber auch potentielle Investoren bereits vor dem eigentlichen Launch für ein Produkt zu begeistern und wertvolles Feedback einzuholen.

Das Erklär-Video
Das Erklär-Video ist kein Produkt im engeren Sinne, sondern beschreibt dem potentiellen Nutzer die Funktionen, die er in Kürze von dem Produkt erwarten kann. Dieses Video ist entweder ein kurzer Animationsfilm, oder vielleicht ein Video eines bereits funktionierenden Prototypen. Ein gutes Beispiel für ein Video als MVP lieferte Dropbox: Bereits vor Fertigstellung der ersten Release sprang die Zahl der Newsletter-Abonnenten innerhalb eines Tages von 5.000 auf 75.000. Defintiv genug, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es sich lohnt, weiterzumachen. Es versteht sich von selbst, dass ein solches Video entsprechend beworben werden muss.

Die Landing Page
Auf einer Landing Page landen Kunden in der Regel dann, wenn sie im Vorfeld auf eine Online-Anzeige geklickt haben. Sie ist also eine Art Barometer für den Erfolg der Online-Marketing Aktivitäten. Trotzdem soll sie den Besucher im nächsten Schritt dazu anregen, sich für einen Newsletter zu registrieren. Die größte Herausforderung besteht darin, die Value-Proposition so simpel und eindrucksvoll wie möglich zu transportieren – beispielsweise indem man sie mit dem Erklär-Video kombiniert. Achtung: Eine Landing Page ist nur dann wertvoll, wenn man entsprechende Analyse-Tools, wie beispielsweise Google Analytics, einbindet, um den Erfolg oder Misserfolg auch messbar zu machen.

Das Wizard of Oz MVP
Ein Wizard of Oz Minimum Viable Product gibt an der Oberfläche vor, ein Produkt oder ein Service zu sein, das in Wahrheit so noch nicht existiert. Das US-Vorbild des Onlineversandhandels Zalando, zappos.com, hatte beispielsweise damit angefangen, Schuhe in lokalen Schuhläden zu fotografieren und anschließend online zu stellen. In dem Moment, in dem Kunden diese dann online auswählten, gingen die Gründer von Zappos zurück in den Laden, kauften das ausgewählte Modell und kümmerten sich um den Versand. Wichtig: Hier geht es noch nicht darum zu überprüfen, ob ein Produkt oder Geschäftsmodell skalierbar ist, sondern lediglich darum, eine Hypothese zu testen.

Das Concierge MVP
Das Concierge MVP eignet sich besonders dann, wenn das zukünftige Produkt automatisierte Prozesse beinhalten soll, die so noch nicht abbildbar sind. Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen mit dieser Art von MVP gemacht: Für eine Smartphone App wollten wir Veranstaltungsdaten über ein Content Management System auch in der App verfügbar machen. Da die erforderliche Schnittstelle für Datenimport und -umformatierung noch nicht fertig war, wir aber unbedingt den Kunden von unserem Produkt überzeugen wollten, haben wir die Daten eben selbst und von Hand eingetragen – mehrere Tage hintereinander, gerne bis tief in die Nacht. Das war zwar mitunter nicht die spannendste aller Tätigkeiten, aber auf diese Weise konnten wir zeigen, wie sich unser Produkt auf Nutzerseite am Ende anfühlt, ohne dass wir bereits den kompletten Funktionsumfang anbieten mussten.

Der Grad der Anwendbarkeit des MVP-Ansatzes und der hier aufgeführten Strategien variieren sicherlich stark, je nachdem, um welches Produkt es sich letztlich handelt.

Die Grundidee des Minimum Viable Products – sich bei der Produktentwicklung auf einige wenige Kernfunktionen des späteren Produkts zu fokussieren – ist jedoch branchenübergreifend gültig und sollte jedem Product Owner präsent sein.