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Unbewusst ausgeliefert oder wie eine Handbewegung emotionale Bände spricht

Ich habe mir zu Weihnachten einen Zauberkurs für Einsteiger geschenkt. Wie sich herausgestellt hat, hat mir das Christkind damit ein ganz wunderbares Geschenk unter den Weihnachtsbaum gelegt. Ich hatte nicht nur großen Spaß, sondern durfte auch ein paar wirklich imposante Zaubertricks lernen. Wenn ich von Zauberei schreibe, meine ich selbstverständlich nicht echtes Zaubern. Das kann nur Harry Potter. Zu einem wirklich guten Zaubertrick gehört eine gute Geschichte, eine Illusion samt Wahrnehmungstäuschung, Zauberutensilien und deren entsprechende Preparierung sowie ganz viel Übung, damit die Rädchen lückenlos ineinander greifen und die Verblüffung für den Zuschauer perfekt ist.

Was ich während des Zauberkurses nur als eine Ahnung oder eine Art Bauchgefühl wahrgenommen hatte, sollte sich einen Tag später als echte Entdeckung entpuppen. Neben Spielkarten, Bällen und Briefumschlägen erhielt ich nach dem Kurs eine DVD, auf der ich die erlernten Tricks noch mal ansehen und weiter üben konnte. Darauf waren die einzelnen Zauberkunststücke jeweils als Vorführung und mit der entsprechenden Erklärung (Vorbereitung, Aufbau, Durchführung) aufgenommen worden. Da ich durch den Kurs ja wusste, an welcher Stelle der jeweilige Trick seine Pointe hatte, konnte ich meine Aufmerksamkeit natürlich darauf besonders richten.

Interessanterweise hatten alle Pointen eine Gemeinsamkeit: Der Vorführende tippte sich jedes Mal kurz vor der Pointe seitlich an seine Nase. Beim ersten Trick kam es mir noch wie ein Zufall vor. Allerdings sollte der Zauberer diese Handbewegung immer dann wiederholen, wenn der Trick die jeweils entscheidende Stelle, die Illusion, erreichte. So viel Zufall kann es gar nicht geben. Und tatsächlich gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen.

Der Zauberer zeigte einen sogenannten Selbstadaptor. Adaptoren, auch Manipulatoren genannt, sind Beruhigungsgesten, also Bewegungen, die es uns erleichtern, mit starken (meist unangenehmen) Gefühlen umzugehen. Hierbei spielt die Berührung eine ausschlaggebende und steuernde Rolle. Kleine Kinder beispielsweise lutschen am Daumen oder nehmen sogar die ganze Hand in den Mund. Beruhigungsgesten vollziehen sich unbewusst, lassen sich aber, wenn man von ihnen weiß, bewusst steuern. Die Nomenklatur der Körpersprache unterscheidet drei Arten der Adaptoren (Eilert, 2013, S. 148ff):

  • Selbstadaptoren (z.B. Lippen lecken, am Ohr kratzen, Wangen aufblasen, mit den Handinnenflächen über den Oberschenkel streichen, etc.)
  • Fremdadaptoren (z.B. Berühren einer anderen Person)
  • Objektadaptoren (z.B. auf einem Stift kauen, der Griff zum Wasserglas, Krawatte richten, Kaugummikauen, etc.).

Zurück zu unserem Zauberer. Ich habe zwei Erklärungen für seinen Manipulator. Erstens zeigt die Beruhigungsgeste, dass es bestimmte Verhaltensmuster in uns gibt, die unterbewusst gesteuert werden. Lampenfieber ist etwas, das Menschen oft nie ganz ablegen. Und somit entlarve ich diesen Adaptor als waschechte Beruhigungsgeste. Eine zweite, und wie ich finde sehr charmante Erklärung ergibt sich durch die Bedeutung dieser Geste in diesem Kontext. Er führt seine Zuschauer regelrecht an der Nase herum.

Ganz gleich, welche der beiden Erklärungen letztendlich der Grund dafür war, dass der Selbstadaptor gezeigt wurde, so ist es offensichtlich, dass uns Adaptoren eine Vielzahl an Informationen über den emotionalen Zustand unseres Gegenübers und/oder über uns selbst liefern. Um diese Informationen wahrnehmen zu können, gilt es in zwei Schritten vorzugehen:

  • Kalibriert eure Beobachtungen auf das „normale“ Verhalten eures Gegenübers (Baseline). Denn, um ein Urteil über den Anstieg eines Stresspegels oder die entsprechenden Adaptoren abgeben zu können, brauche ich ein Wissen über den Urzustand.
  • Ist das vollzogen, braucht ihr eure Aufmerksamkeit nur noch auf eine Zunahme der Adaptoren zu richten. Steigt die Zahl der Beruhigungsgesten (z.B. die Blinzelfrequenz), dann könnt ihr davon ausgehen, dass hier mehr Emotionen als üblich in der Luft schweben.

Ich habe übrigens dem Zauberer von meiner Entdeckung berichtet. Er war total begeistert. Es war ihm nicht bewusst, dass er diese Handbewegung macht. Ich denke, dass ihm diese Information in Zukunft hilfreich sein wird. Unsere Wirkung auf uns und auf andere Menschen ist noch stärker, wenn wir uns unserer selbst bewusst sind.

Falls ihr nun Lust aufs Zauber bekommen habt, hier mein Geheimtipp: http://www.magic-theater.de/programm/zauberkurse-und-seminare.php

Es war ein echtes Erlebnis und ganz sicher nicht mein letztes Mal.

Literatur
Eilert, D. W. (2013). Mimikresonanz. Gefühle lesen. Menschen verstehen. Junfermann