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Enttäuschte Erwartungen

Wie kann man die Bildungsqualität im subsaharischen Afrika erhöhen? Indem man Schulbücher umsonst verteilt. Die Hypothese klingt einfach und plausibel. So dachte auch die Weltbank in den frühen neunziger Jahren und startete eine entsprechende Kampagne.

Michael Kremer, einem Wirtschaftsprofessor vom Massachusetts Institute of Technology, war das zu einfach. Er machte sich auf die Suche nach Möglichkeiten, diese Hypothese auf ihre Validität zu überprüfen. Er nahm sich die Kampagne der Weltbank vor und tat das, was u.a. in pharmazeutischen Studien längst üblich ist: Er schuf Vergleichbarkeit. So verdoppelte er die Anzahl an teilnehmenden Schulen, um mit zwei Gruppen arbeiten zu können: Die eine Gruppe an Schulen bekam freie Schulbücher zur Verfügung gestellt, die andere nicht.

Nach vier Jahren und jeder Menge Feldarbeit unter schwierigsten Bedingungen hatte er ein Ergebnis: Die mit kostenlosen Schulbüchern ausgestatteten Schulen wiesen im getesteten Vergleich keine Verbesserung der Bildungsqualität auf. Die so plausible Hypothese, dass freie Schulbücher das Bildungsniveau erhöhen, war widerlegt.

In einem späteren Experiment, diesmal im westlichen Kenia, testete Kremer weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Bildungsqualität: Vergünstigste Mahlzeiten, kostenlose Schuluniformen, Bildungsstipendien. Doch es war schließlich eine ganz andere Maßnahme, die mit 3.50 Dollar pro Person die günstigste und zugleich erfolgreichste war: Die Behandlung von Darmparasiten. Dadurch sank die Abwesenheit an den Schulen um 25% und trug damit erheblich zu einem besseren Bildungsniveau bei.

Hypothesen auf ihre Validität überprüfen. Wie oft machen wir das in unserer Arbeit?

Ich arbeite viel mit Gruppen zusammen und zerbreche mir einen guten Teil meiner Zeit den Kopf darüber, wie ich mein Team weiterentwickeln kann. Aus meiner Erfahrung habe ich mittlerweile ein recht gutes Gespür für funktionierende Gruppen. Ich merke schnell, ob die Chemie stimmt. Zugleich habe ich eine Menge an Rezepten, Tipps und Tricks parat, die ich jederzeit hervorzaubern kann. Dumm nur, wenn sie nicht sofort zum erwünschten Erfolg führen. Damit die Arbeit nicht zur ständigen Frustrationsquelle wird (warum macht das Team bloß nicht so, wie ich will?), versuche ich, ein paar einfache Grundsätze zu beherzen:

  • Dein Team ist nie bei null. Egal, wie groß die Probleme – auf einer Skala bis zehn steht dein Team immer mindestens bei der Eins. Etwas ist immer schon da. Ansonsten könntest du nichts verbessern – aus nichts kommt eben nichts.
  • Das, was du gerne umsetzen möchtest, ist immmer einen Versuch wert. Probiere es in deinem Team aus. Akzeptiere dann aber auch, falls es nicht funktioniert – Experimente gelingen ganz selten beim ersten Versuch. Nach dem Scheitern ist vor dem nächsten Versuch.
  • Ask the team! Am Ende des Tages muss dein Team einen Weg finden, mit dem es selber zurecht kommt. Mache es deinem Team nicht zu leicht – lege ihm keine vorgefertigen Lösungen vor. Bringe es stattdessen durch richtiges Fragen zum Nachdenken. Hilfreich sind hier offene Fragen (Wer? Wie? Woran? Inwiefern?), die nicht bloß mit Kopfschütteln oder -nicken beantwortet werden können. Ferner bieten sich Coaching-Techniken und -Interventionen an, die die Handlungsmöglichkeiten in deinem Team erweitern und damit Experimente überhaupt erst ermöglichen.

Literatur



Jessica Benko: The Hyper-Efficient, Highly Scientific Scheme to Help the World’s Poor (Wired, Dezember 2013):

Maren Fischer-Epe (2011): Coaching – Miteinander Ziele erreichen. 2. Auflage. rororo