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Quitting is no option oder Commitments gibt man nicht für andere

Neben Mut, Fokus, Offenheit und Respekt gehört das Commitment zu den fünf Scrum-Werten. Ein Commitment ist die Verpflichtung eines Teams zur Erledigung einer Lieferung innerhalb eines zeitlich begrenzten Rahmens. Die hinter einem Commitment stehenden „moving motivators“ sind Vertrauen, Autonomie und Gemeinschaft. Leider ist es an der Tagesordnung, dass ein in der Sprintplanung gegebenes Versprechen nicht gehalten wird. Natürlich ist das kein Beinbruch, kann, darf und soll auch immer mal wieder vorkommen, denn schließlich geht die Welt davon nicht unter. Was jedoch nicht hinzunehmen ist, ist der Umstand, dass ein Scheitern als Lapalie in einer Haltung der Gewohnheit kampf- und geräuschlos hingenommen wird. Auf diesem Wege wird Scheitern zur Routine und die synergetische Kraft dieses Rituals erschlafft. Das Commitment ist wert-los.

Welche Kräfte treiben uns an, die Dinge, die wir tun, tatsächlich in der gegebenen Zeit fertig zu machen? Was motiviert uns? Wie wird Verbindlichkeit zu einer persönlichen Verpflichtung, die von Herzen kommt?
Tagtäglich beschäftige ich mich in meiner Rolle als Berater oder Coach oder Interims-Manager damit, gute Antworten auf diese Fragen zu geben. Mal gelingt es mir besser, mal schlechter. Meine neueste Leidenschaft bietet mir – im wahrsten Sinne des Wortes – eine interessante Sicht der Dinge.
Seit einigen Wochen bin ich vom Freeletics-Virus infiziert. Freeletics ist die Trendsportart 2013. Ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht werden mittels einer Aneinanderreihung einfacher Übungen (z.B. Situps, Liegestütze, Kniebeugen) hoch intensive „Workouts“ absolviert. Ziel ist es, das jeweilige Programm schnellstmöglich hinter sich zu bringen. Anhand der jeweiligen Zeiten, die man für ein Workout benötigt, kann man die entsprechende Leistung und seinen Fortschritt messen. Das Praktische an Freeletics ist, dass man die Übungen nahezu überall machen kann. Ganz gleich, ob auf einer Wiese, im Hotelzimmer, im Garten, auf einem Spielplatz, jeder Ort macht es möglich. Das wirklich Besondere ist jedoch, dass jedes Workout einer festen Regel unterworfen ist:

Quitting is no option!

Es spielt absolut keine Rolle, welchen Fitnessgrad man hat, es spielt (erstmal) noch weniger eine Rolle, wie lange das Workout dauert, selbst die Ausführung der einzelnen Übungen kann angepasst und erleichtert werden (z.B. bei Kniebeugen nicht ganz so tief gehen), solange sie sauber ist. Es ist nur eins wichtig, aber das gilt immer und es ist sozusagen nicht verhandelbar: Mach es fertig!

Interessanterweise hatte ich bei meinen ersten Workouts nach den Anfangsminuten immer den gleichen Gedanken: Das schaffe ich nie. Ich bin jetzt schon vollkommen fertig. Ich habe doch gerade erst angefangen. Ich lasse es! Wieso aber habe ich weiter gemacht? Was hat mich angetrieben, das Workout JEDESMAL fertig zu machen? Natürlich hätte ich jederzeit aufhören können. Niemand hat mich gezwungen, die Übung zu machen, niemand hat mich kontrolliert. Ich war autark. Ich war selbstorganisiert und damit auch eigenverantwortlich für das, was am Ende rauskommen wird.

Die Antworten bzw. Alternativen sind, wenn man mal darüber nachdenkt, simpel: entweder man belügt sich offensichtlich selbst (wer macht das schon gern und für die, die sich gerne selbst belügen, können gerne an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören) oder man macht es fertig und belohnt sich mit einem verdammt guten Gefühl der Stärke. Ist man nämlich einmal über den ersten Schmerz hinweg, dann läuft es zwar nicht wie geschmiert, aber eine unsichtbare Antriebsfeder, der eigene Ehrgeiz, lässt einen den „Job“ durchziehen und das Commitment auf wundersame Weise erfüllen. Dieser Ehrgeiz kann von unterschiedlichsten „Stimmen“ (Motiven) erfolgreich angetrieben und gestärkt werden: Bei mir sind das z.B. der Ästhet (Ich will gut aussehen), der Sportler (Ich will schneller werden), der Pflichtbewusste (Was ich anfange, mache ich auch fertig), der Ökonom (Jetzt habe ich schon mal angefangen, jetzt mache ich auch weiter), der Diplomat (Wenn ich das geschafft habe, darf ich mir was gönnen) oder der Opportunist (Wenn das andere schaffe, dann schaffe ich das auch).

Es ist paradox. Obwohl der „Job“ (Workout) jedes Mal aufs Neue Schmerzen verursacht, entwickelt er sich zur Sucht und man kann gar nicht anders. Man will es wieder. Man will mehr davon. Man will wieder fertig werden! Mit dieser Attitüde komme ich zurück zu einer meiner Ausgangsfragen: Wie wird Verbindlichkeit zu einer persönlichen Verpflichtung, die von Herzen kommt? Ich muss dafür sorgen, dass die Menschen gierig danach sind, ihre Aufgaben fertig machen zu wollen. Ein Commitment gebe ich nicht für andere. Ich gebe es mir. Und mit diesem Versprechen gehe mit meiner Leistung, meinem Anspruch an mich selbst und meinen Werten ins Rennen: Ich gebe alles und nicht weniger. Erfülle ich diese Auflage, ohne Wenn und Aber, dann garantiere ich, dass ihr eure Commitments erfüllt. Und für die möglichen Einzelfälle, in denen die Umstände dazu geführt haben, dass man sein Commitment nicht ganz erreicht hat, hält man inne, reflektiert, schnauft kurz durch, lernt und greift mit neuem Tatendrang an.

  • Patrick Koglin

    Jupp, wenn jeder für sich sorgt ist an alle gedacht :) …agile is limit