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Der kleine Feigling oder wie sprachliche Musterunterbrechungen Veränderungen möglich machen

Wieso tun wir uns nur so schwer damit, eine für die Veränderung bereits getroffene Entscheidung auch tatsächlich umzusetzen? Eigentlich ist uns vollkommen klar, dass es uns danach besser gehen würde und trotzdem gehen wir den letzten, alles entscheidenden Schritt nicht. ScrumMaster sind Change Agents und gehen somit auf die ständige Suche nach kontinuierlicher Veränderung bzw. Verbesserung. Allerdings werden sie häufig mit einer schier unüberwindbaren Kraft konfrontiert, die alles tut, um Veränderung zu vermeiden: dem kleinen Feigling.

Mit der anstehenden Entscheidung in Richtung „Veränderung“ (z.B. mehr Sport treiben, andere ausreden lassen, mehr delegieren statt alles selber machen, etc.) macht er sich eindrucksvoll bemerkbar und tritt in einen inneren Dialog mit uns. In diesem führt er einen bunten Blumenstrauß an Gründen auf, warum eine Veränderung nicht unbedingt sein muss, keinesfalls klappen kann oder zumindest der jetzige Zeitpunkt dafür vollkommen falsch ist. Als Meister der Aufschieberitis ist der kleine Feigling von Haus aus Pessimist mit wenig Bereitschaft zum Risiko. Meine Hypothese: der kleine Feigling – eine Mission Impossible für ScrumMaster?

Mit Musterunterbrechungen gegen den kleinen Feigling

Was tun, um den kleinen Feigling zu überlisten? Was tun gegen den inneren Schweinehund, gegen Stillstand, gegen die Angst, etwas Falsches zu tun? Sprachliche Musterunterbrechungen können Abhilfe leisten. Sie unterbrechen Routinen mittels Sprache und verwirren das Handlungskonzept des Empfängers, indem sie ihn mit neuen, unüblichen Perspektiven konfrontieren. Auf diese Weise werden mentale Freiräume geschaffen, die die Tür für andere Denkwege öffnen und so ungeahnte Ressourcen freisetzen. Ein wichtiger Hinweis: Sprachliche Musterunterbrechungen sind für seinen Konsumenten unkonventionell und provokativ, z.B. wenn unterstellt wird, man wäre ein hoffnungsloser Fall und unfähig für eine Veränderung. Ziel einer solchen Intervention ist, eine energiegeladene Haltung des Widerstands zu erzeugen, die zu einem radikalen Umdenken beiträgt. Provokationen verlangen jedoch vom Anwender (ScrumMaster) Fingerspitzengefühl (Wie weit kann ich gehen?). Ich möchte euch meine drei wirksamsten sprachlichen Musterunterbrechungen anbieten und einladen, sie auszuprobieren.

Das Muster meines Gesprächspartners ins Leere laufen lassen

Eine effektive Methode, um ein Handlungsmuster zu unterbrechen, ist das Schweigen. Euer Gegenüber trifft eine Aussage, die ihn in seinem aktuellen Problemmuster bestätigt. Zum Beispiel: „Ich bin jetzt 52 Jahre alt. In diesem Alter ändert man sich nicht mehr.“ (Vermeidungsstrategie) Folgende Musterunterbrechungen sind in einem solchen Fall angemessen:

  • Starrt euer Gegenüber an, als hättet ihr gerade einen Außerirdischen gesehen.
  • Nehmt wortlos einen Notizblock, schreibt den gesagten Satz eures Gegenübers auf und wartet schweigend auf eine Reaktion von ihm.
  • Atmet tief ein und anschließend langsam und hörbar aus.

Jede dieser Musterunterbrechungen löst eine Reaktion aus und tut ihre Wirkung. Garantiert. Alleine die Tatsache, dass die Verunsicherung über euer Schweigen ihn dazu bewegt, seine Aussage zu rechtfertigen, unterstützt den Veränderungsprozess nachhaltig. Dann heißt es: dranbleiben!

Mit Beharrlichkeit dem Muster meines Gegenübers zustimmen

Zeigt eurem Gegenüber, dass ihr seine Sicht absolut verstehen könnt und bleibt dabei. Angenommen euer Gesprächspartner konfrontiert euch mit den Worten: „Bei anderen mag das mit dem Priorisieren funktionieren, aber in meinem Fall ist das einfach nicht möglich.“ Was tun? Probiert es mit beharrlicher Zustimmung, zum Beispiel: „Ja, das sehe ich ganz genauso. Alle anderen bekommen es hin, nur bei dir ist es aussichtslos. Das hab ich schon gesehen, als du zur Tür rein gekommen bist“, ODER „Wäre ich an deiner Stelle, ich würde das Gleiche sagen.“

Verschlimmerungstaktik

Wenn ihr wirklich sicher gehen wollt, dass euer Gegenüber sein Muster (zumindest kurzfristig) unterbricht und den Negativstrudel verlässt, dann versucht euch an Verschlimmerungsfragen. Verschlimmerungsfragen suchen nach Antworten, was euer Gegenüber tun kann, um die für ihn bereits prekäre Situation noch weiter zu verschlimmern. Ein Teammitglied kommt zu euch und beschwert sich zum wiederholten Mal darüber, dass einer der Kollegen zu langsam ist. Mögliche Verschlimmerungsfragen wären: „Was kannst du tun, damit er/sie noch langsamer wird?“, ODER „Angenommen, wir würden einen Kurs über Langsamkeit bei ihm/ihr besuchen, was könnten wir dort lernen?“

Sprachliche Musterunterbrechungen stehen nie für sich alleine und sind ebenso wenig Patentrezepte, die eine Veränderung auf Knopfdruck erzielen. Sie dienen als unterstützendes Hilfsmittel, um routinierte, verkrustete oder eingespielte Denkrhythmen zu verlassen und ein anders Denken überhaupt zu mobilisieren und als Alternative anzunehmen. Es ist zu empfehlen, sie nicht inflationär einzusetzen, sondern mit Bedacht. Wenn ihr sie aber zum Einsatz bringt, dann tut es konsequent und mit Nachdruck, also glaubhaft. Nur dann könnt ihr damit rechnen, dass sie wirken.