Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Commitment und Verbindlichkeit

In einem aktuellen Projekt beschäftigt uns ScrumMaster die Frage, wie wir dem Commitment des Teams im Sprint Planning 1 mehr Verbindlichkeit im positiven Sinne verleihen können. Was bringt uns zu dieser Fragestellung?

Wir befinden uns glücklicherweise in einem Unternehmen, dem es wirtschaftlich gut geht. Zumindest so gut, dass kein Leidensdruck herrscht. Das bedeutet für unser Beispiel, dass es keine Konsequenzen hat, wenn mal die eine oder andere Timeline nicht gehalten wird. Heruntergebrochen auf unsere User Stories heißt das, dass es nicht so schlimm ist, wenn eine Funktionalität bis zum Sprintende nicht geliefert wird. „Dann beenden wir sie eben im nächsten Sprint“, so die Stimmen einiger Entwickler.

Dass es in Scrum jedoch auch darum geht, mit jedem Sprint FERTIGE Funktionalität zu liefern, die dem Kunden als solche im Idealfall auch berechnet werden kann, gerät schnell in den Hintergrund. Was also als ScrumMaster tun, um dem Team den nötigen Schwung zu verleihen, dass Versprochene auch aus eigenem Willen zu liefern? Es gibt mehrere Ansätze, die in geballter Form ihre Wirkung entfalten sollten.

Formuliere Ziele
Als ScrumMaster können wir das Commitment des Teams mit dem Sprintstart noch einmal als Ziel nach SMART (spezifisch, angemessen, relevant, terminiert) formulieren und visualisieren. Hierzu empfehle ich den Beitrag von Bernd Krehoff: „Warum wir Ziele brauchen“.
Dieses Ziel, das sich das Team mit dem Commitment selbst gesteckt hat, noch einmal auszuformulieren und zu visualisieren, so dass es jedem Mitglied täglich vor Augen geführt wird, hilft in der Praxis sehr.

Ziele visualisieren
Wenn man erfolgreiche Menschen fragt, warum und wie sie ihre Ziele erreichen, so fällt immer wieder das Wort „Visualisierung“. Erfolgreiche Menschen sind also in der Lage sich vor Augen zu führen, wie ihr Ziel aussieht, ja sogar wie es sich anfühlt. Im Skirennsport kann man beispielsweise immer wieder Rennfahrer beobachten, die vor ihrem Start das Rennen mit geschlossenen Augen in Gedanken abfahren. Eine Ausnahme war dabei stets die Skilegende zu Lebzeiten, Hermann Maier. Auch dieser fuhr vor seinen Starts die Strecke im Geiste ab, beendete diese gedankliche Fahrt aber nicht mit der Zieleinfahrt, sondern mit dem Jubel über den Sieg. Wie kein Zweiter verstand er es also, sein Ziel und sogar den Jubel zu visualisieren.

Was kann das für unsere Performance in einem Sprint bedeuten?

Ähnlich einem Sportler können wir unsere gesetzten Ziele visualisieren, indem wir unsere User Stories wie oben als abgeschlossenes Ziel formulieren und dieses in schriftlicher oder sogar bildlicher Form in den Teamraum hängen. Die Tatsache, von nun an täglich mehrfach an diesem Ziel vorbeizulaufen, wird die Zielstrebigkeit erhöhen. Ebenso kann man im Team eine Liste führen, in der neu angenommene Tasks vom jeweiligen Teammitglied mit einem selbstgewählten Zieldatum eingetragen werden. Der Umstand, sich ein frei gewähltes Ziel für einen Task zu setzen, wird den Wunsch wecken, dieses auch zu erreichen. Wichtig ist, die Ziele offen einsehbar an einem geeigneten Ort zu platzieren.

Schaffe Bezug
Ähnlich wie bei einer gut geschriebenen User Story sollte es das Team motivieren, wenn es sich unter dem Sprintziel auch etwas möglichst Greifbares vorstellen kann. Beispiel: „Als Facebooknutzer möchte ich bis zum 30.10.2013 den Dislike-Button nutzen können, um auch mein Nichtgefallen eines Beitrages zeigen zu können.“

Belohne den Erfolg
Hier ist Kreativität gefragt. Statt mit Konsequenzen zu drohen, wenn etwas nicht fertig wird, sollten wir eine erstrebenswerte Belohnung für den Sprinterfolg in Aussicht stellen. Welche das ist, sollte jeder individuell für sein Team entscheiden.

Beispiele könnten Grillabende oder andere Dinge sein. Aus Erfahrung möchte ich sagen, dass eine von Herzen ausgesprochene Anerkennung einer Leistung oft mehr Wert hat, als materielle Anerkennungen. Das Leuchten in den Augen desjenigen, der diese Anerkennung bekommt, ist auch für den Aussprechenden ein schöner Moment im beruflichen Alltag.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das Setzen eigener sportlicher, aber angemessener Ziele nach SMART in Verbindung mit Visualisierung und echter Anerkennung stets zum Erfolg führt. Natürlich ist nicht alles rosarot und die Realität zeigt, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen das Team am Ende des Sprints nicht wie versprochen liefert. Für diesen Fall ist es empfehlenswert, dass das Team zum Sprintbeginn gemeinsam entscheidet, was die dann folgende Konsequenz ist. Ein Team könnte beispielsweise eine Mannschaftskasse führen, um einen gängigen Vergleich zum Mannschaftssport zu ziehen. Aus dieser werden dann die Team Events finanziert.

Viel Erfolg!

  • SMART = spezifisch, messbar, angemessen, relevant, terminiert