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Vertrauen macht produktiv

Wer kennt es nicht? Die größtmögliche Kreativität und Energie entfaltet sich erst, wenn nicht ständig ein Chef, Vorgesetzter oder Gruppenleiter hinter einem steht und Anweisungen bzw. Aufgaben verteilt. Das zeigt auch das sogenannte „Boss-Worker-Game“ sehr deutlich, das wir in unseren ScrumMaster Avanced Trainings durchführen. Dabei geht es darum, in einem eng gesteckten Rahmen (beispielsweise durch Tische begrenzt) möglichst viele Schritte in kurzer Zeit zu gehen, obwohl viele andere Teilnehmer zur gleichen Zeit dasselbe tun.

Hinter dem „Worker“ steht ein „Boss“ und dirigiert ihn mit einfachen Kommandos. Nach einer gewissen Zeit wird das Ergebnis festgehalten und das Spiel mit einer kleinen, aber entscheidenden Änderung wiederholt. Der „Boss“ hat nun keine Befugnis mehr und der „Worker“ darf selbstorganisiert die Schritte tun, die er für richtig hält.Jedes Mal zeigt sich das gleiche Ergebnis: Die Leistung des „Workers“ steigt in der zweiten, selbstbestimmten, Runde erheblich an. Man kann sagen, seine Produktivität erhöht sich deutlich. So viel zur Moral von der Geschicht aus unserem Spiel.

Dass Selbstorganisation innerhalb eines sinnvoll gesteckten Rahmens viel Sinn macht, liest man auch in der Autobiografie „Das bin ich“ des Profigolfers John Daly, der noch vor seinem 30. Geburtstag zwei der vier Major-Turniere gewann.

„Coach Loy hatte dafür gesorgt, dass wir alle im Team verhalten spielten. Er vertrat die Mentalität: „Spiel nicht auf Birdie, sonst kommt am Ende Bogey dabei heraus.“ Wir konnten unser Talent nicht beweisen. 1986 übernahm Coach Bill Woodley das Team, nachdem Coach Loy gegangen war. Sie unterschieden sich wie Tag und Nacht. Vollkommen verschieden. Wir waren alle gewissermaßen geschockt. Während Coach Loy gewollt hatte, dass die Dinge nach seinem Willen liefen, liess Woodley uns spielen. Bei Coach Loy hatte sich alles um Disziplin gedreht. Bei Coach Woodley ging es darum, ein Turnier zu gewinnen – wie du es anstelltest, lag an dir. Unter Coach Woodley zeigten wir, wo unsere Stärken lagen. Meine Stärke war der Abschlag. Nun machte mir niemand mehr Handzeichen, wie ich zu spielen hatte. Als Team rückten wir viel enger zusammen und spielten viel lockerer.“

Der kurze Ausschnitt aus John Dalys Geschichte zeigt sehr schön, was Scrum mit Selbstorganisation beabsichtigt:

  • Entfaltung von Kreativität
  • Höhere Leistung
  • Mehr Teamgeist
  • Mehr Freude am Job
  • Ein besseres Ergebnis
  • Entfaltung der eigenen Stärken

Letztlich geht es für uns als ScrumMaster darum, dass unser Team sein eigenes Turnier gewinnt, welches auch immer es sein mag. Betrachten wir uns doch einmal als Scrum Coach unseres Teams und stellen uns die Frage, wie sehr wir Selbstorganisation zulassen. Oder macht es uns nervös, wenn das Team selbst über die Schritte entscheidet, die es wann innerhalb des Rahmens geht? Natürlich ist es manchmal schwer, diese Verantwortung abzugeben. Aber viele Beispiele zeigen, dass sich dieser Mut lohnt und Vertrauen mit Leistung belohnt wird.