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Verhindern Hierarchien Innovationen?

Meine Makaken, ich liebe sie. Wer mich kennt, weiß, dass ich von klein auf eine Vorliebe für wilde Tiere hatte und Biologie mein Lieblingsfach war. Die Bücher von Konrad Lorenz habe ich verschlungen und jeden Tierfilm im Fernsehen angeschaut. Zwei Sachen habe ich dabei gelernt.

  1. Dass man Tiere nicht vermenschlichen soll.
  2. Dass man trotzdem an Tieren und der Natur lernen kann.

Deswegen liebe ich die Makaken-Analogie, von Wütherich in seinem Buch „Die Rückkehr des Hofnarren“  (siehe „Hundert Makaken können nicht irren“) meines Erachtens vollständig falsch verstanden und dennoch sehr lehrreich. Wir erinnern uns: ein kleiner Makake findet eine sandige Kartoffel und wäscht sie. Dadurch kann er mehr Kartoffeln in kürzerer Zeit essen. Dies bringt er seinen Verwandten bei, das dauert seine Zeit. Anscheinend muss sich die Methode erst bewähren, keine Early Adaptors, diese Makaken.

Im ganzen Affen-Clan verbreitet sich die Methode nur zögerlich. Die Silberrücken, also die Anführer, spucken noch nach zehn Jahren Sand aus, bis zu ihnen ist die Methode wohl nicht vorgedrungen. Was zeigt uns das? Dass Hierarchien  – denn in solchen lebt der Affenverbund – innovationsfeindlich sind?

Hm, erst einmal zeigt es mir, dass diese Affen offensichtlich im Zoo leben, denn im natürlichen Lebensraum der Makaken gibt es keine Kartoffeln. Sie leben also keineswegs unter natürlichen Umweltbedingungen mit starkem Selektionsdruck. Sie werden jeden Tag gefüttert, jeden Tag gibt es genug Nahrung für alle, wahrscheinlich auch noch gesund und ausgewogen vom Tierarzt zusammengestellt. Verglichen mit einer Firma wäre dies eine Phase der Stabilität ohne wirtschaftlichen Druck, in der man Bewährtes behält und keine dringende Notwendigkeit besteht, Dinge zu verändern. Es löppt, wie der Kölner sagt. In dieser Phase der Stabilität verdienen die Firmen viel Geld mit bewährten Methoden, Produkten, Dienstleistungen oder ähnlichem. Bei den Makaken ist genug für alle da, es besteht gar kein Druck, die Kartoffel waschen zu lernen.

Innovation ist Risiko
Innovationen sind anstrengend und risikoreich. Ihnen inhärent ist das Risiko des Scheiterns. In der Natur heißt Scheitern sterben – ein hohes Risiko. Auch viele Firmen scheuen in stabilen Zeiten das Risiko der Innovation. Denn Erfolg haben im Sinne von möglichst schnellem ROI und der Gewinnmaximierung ist das Ziel einer Firma – nicht innovativ sein. Verständlich also, wenn eine Managerin zu mir sagt: „Warum soll ich etwas ändern, das 60 Jahre funktioniert hat?“ Solange es wirklich funktioniert, ist diese Frage aus meiner Sicht durchaus berechtigt.

Auch meine alten, erfahrenen Silberrücken bei den Makaken laufen nicht jedem Trend nach. Sie werden satt, egal ob sie ihre Kartoffel waschen oder nicht. Was sollen sie den Flausen eines Grünschnabels hinterherrennen? Sie haben weiß Gott Wichtigeres zu tun, z. B. Streit schlichten, Rivalen vertreiben und den Harem beglücken. Das ist alles anstrengend genug. Da kann man dann als Obermakake nicht auch noch drauf achten, ob einer seine Kartoffel wäscht. In Firmen passiert genau das Gleiche. Das Management hat Wichtigeres zu tun.

Doch was geschieht, wenn sich die Bedingungen ändern? Wenn es auf einmal weniger Futter gibt. Streit kommt auf um die knappen Ressourcen. Wohl dem, der dann viel Futter in kurzer Zeit vertilgen kann, z.B. weil er seine Kartoffel wäscht. Es ist spekulativ, aber vielleicht lernen dann die anderen schnell, dass es besser ist, seine Kartoffel zu waschen. Oder sie verhungern.

Die Natur ist konservativ, wie die Managerin von der ich sprach. Warum soll man Dinge verändern, die sich lange bewährt haben? Wenn sich die Umweltbedingungen nicht rapide verändern, findet kaum Auslese und Evolution statt. So gibt es einige archaische Tierarten wie Haie, Krokodile, Echse und das Bärtierchen schon seit Millionen von Jahren. Und dennoch haben sich neue Arten entwickelt.

Wie  macht die Natur das? Indem sie das Potential zur Innovation behält. Immer wenn es notwendig ist, der Sense of Urgency da ist, setzt sich durch Auslese etwas Neues durch. So sind ja auch die agilen Methoden unter dem Druck entstanden, dass alte Methoden nicht mehr zielführend waren und Projekte immer komplexer wurden. Denn mehr noch als in anderen Branchen ist IT Wandel.

Was können wir also von den Makaken lernen? Meiner Meinung nach, dass Innovation und Change für sich alleine keine Werte sind. Sie stehen vielmehr für die Fähigkeit, auf sich ändernde Umweltbedingungen erfolgreich zu reagieren.

Literatur

Wüthrich, H. A., Winter, W. & Philipp A. F. (2001). Die Rückkehr des Hofnarren. Einladung zur Reflexion nicht nur für Manager. Gellius.