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Effektive Wege, um Entscheidungen im Team zu treffen

uote author = „Karl Kraus“]“In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.“[/quote]

Die Neuroforschung und alle Arten von Beratungen (z.B. das Coaching) befassen sich zur Zeit sehr intensiv mit der Frage, wie individuelle Entscheidungen zustande kommen und wie man privat, vor allem aber als Führungskraft, damit umgeht. Weniger Fokus liegt dagegen darauf, wie man in Teams effektiv Entscheidungen herbeiführt und schnell und zielorientiert kollektiv entscheidet.

Gruppen- oder Teamentscheidung – das klingt zuerst mal nach „alle reden mit“, nach langen Diskussionen oder gar Debatten (das sich aus „battere“ – „schlagen“ herleitet) in den Meetings und dann nicht selten mit Ergebnissen, hinter denen nicht alle stehen. Es gibt aber Strukturen, die uns helfen, die jeweiligen Entscheidungssituationen bereits im Vorfeld genau zu prüfen und einzuordnen, um dann den optimalsten Entscheidungsweg zu nutzen. Das kann der jeweils verantwortliche Moderator, der Teamleiter, ScrumMaster, oder auch das Team tun.

  1. Kontextentscheidungen, die von außen vorgegeben werden und umgesetzt werden müssen. Hier empfiehlt es sich, den Grad der Verpflichtung und den Spielraum genau zu checken und keine wertvolle Zeit darauf zu verwenden, breit zu diskutieren oder zu klagen, wenn es nicht weiterführt. Informieren, akzeptieren und umsetzen heißt die Devise. Dafür sollte die Führung sorgen und Transparenz, Sinn und Eindeutigkeit herstellen.
  2. Führungsentscheidungen (Teamleiter, ScrumMaster, ProductOwner, Projektleiter) müssen sich auf die entsprechende Verantwortung und Legitimation beziehen. Sie können je nach Ausgangslage begründet vorgegeben, oder müssen überzeugend verkauft werden. Für die führungsverantwortliche Person ist für die Umsetzung wichtig, das Akzeptanzlevel der Führungsentscheidung im Team zu eruieren. Teams sollten lernen, diesen schnellen und effektiven Weg zu Entscheidungen zu kommen, zu akzeptieren. Am besten funktioniert das über eine solides Vertrauen in die Führung und entspricht dann dem agilen Prinzip der Selbstorganisation, wenn die Führungsentscheidung legitimiert ist.
  3. Mehrheitsentscheidungen sind ein häufig und oft zu schnell praktifiziertes Vorgehen. Sozusagen der Klassiker. Über Information, Austausch und Argumentation bildet sich die Basis für eine Abstimmung. Sinnvoll ist hier der Einsatz visuell gestützter Techniken wie Punktabfragen etc. Zu beachten ist, dass Mehrheitsentscheidungen immer einen Aspekt von Sieg und Verlieren haben. Oft akzeptiert die unterlegene Minderheit das Ergebnis nur bedingt und das kann die Umsetzung schwächen. Bei Mehrheitsentscheidungen ist daher der Kontrollbedarf oft hoch. Die Frage, wer wie kontrolliert, sollte geklärt werden.
  4. Expertenentscheidungen delegieren die Entscheidung auf die hohe fachliche Kompetenz aus Wissen und Erfahrung einzelner Teammitglieder oder Teilgruppen. Auch hier ist transparente Information entscheidend wichtig und das Vertrauen aller in den Fachmann die Fachfrau. Bei dieser Form der Entscheidungsklärung ist es im Teamprozess wichtig, immer Feedback über die (gelungene) Umsetzung des Ergebnisses zu kommunizieren, um allen Sicherheit zu geben, die der Expertenmeinung zugestimmt haben.
  5. Konsensentscheidungen gelten als der „Königsweg“ selbstorganisierter Teamentscheidungen. „Das Wort Konsens wurde in der Kanzleisprache im 15. Jahrhundert vom lat. consensus im Sinne von Übereinstimmung, Zustimmung entlehnt. Consensus gehört zu lat. con-sentire, das zusammenstimmen, übereinstimmen, zustimmen bedeutet. Den Titel Consensus tragen jene historischen Urkunden und Schriften, in denen eine erzielte Übereinstimmung bei dogmatischen Streitigkeiten dokumentiert ist.“ (Wikipedia) In der Praxis bedeutet das eine Win-Win-Situation für alle am Entscheidungsprozess beteiligten Teammitglieder, die im Dialog erarbeitet wurde und in der Regel als hoch befriedigend erlebt wird. Häufig wird das Streben nach Konsens als zeitraubend, langwierig und extrem aufwendig eingeordnet und die vordergründig  „schnellere“ Mehrheitsentscheidung per Abstimmung gewählt. Sind Gruppen und Teams jedoch in der dialogischen Kommunikation geübt (siehe auch Blogbeiträge „Die wertvolle Meetingzeit sinnvoll nutzen (1)“ und „Die wertvolle Meetingzeit sinnvoll nutzen (2)“, ist ein Konsens meist sehr schnell erreicht und unterstützt wirkungsvoll das Klima im Team sowie die Umsetzung und Nachhaltigkeit von Teamentscheidungen. Manchmal kann auch ein bewusster und transparenter Konsens im Dissens hilfreich sein, d.h. alles sind sich einig, dass aktuell die Unterschiede nicht aufzuheben sind und man sich in der Sache nicht einig ist. Muss jedoch unbedingt eine Entscheidung her, einigt man sich auf eine Führungs-, Experten- oder  Zufallsentscheidung (z.B. Los), die dann von allen angenommen und umgesetzt wird.

Zum Schluss noch ein paar Tipps für den konkreten Umgang mit Entscheidungen im Team:

  • Für gut strukturierte Entscheidungsprozesse (Zeit, Regeln, Methode, Rahmenbedingungen, Grenzen, Moderation) sorgen
  • Entscheidungsbasis klarstellen (siehe oben)
  • Alle Betroffenen beteiligen und einbeziehen, jede Meinung zählt
  • Bedeutung, Sinn, Nutzen und Konsequenzen der Entscheidung transparent machen
  • Vertrauen in Kompetenz, Motivation und guten Willen des Teams haben
  • Umsetzung sichern (Maßnahmen, Feedback, Kontrolle)

 

Bewusste und selbstbewusste Führung formt starke Teams – lernen, wie es funktioniert: Scrum Supplements