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Visionen entwickeln statt Zukunftsängste verwalten

Platons Zitat „Pánta chorei kaì oudèn ménei“ ist die knappste Formulierung der Flusslehre Heraklits, die besagt: Alles fließt und nichts bleibt. Es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln. Sie ist eine Metapher für die Prozessualität der Welt. Das Sein ist das Werden des Ganzen. Das Sein ist demnach nicht statisch, sondern als ewiger Wandel dynamisch zu erfassen. (Wikipedia)

Das Leben ist Wandel, das wussten also schon die alten Griechen. Und wir sind im Flow, hier und jetzt, am besten. So besagt es die Theorie. Wir sind in unserer Energie und erschöpfen uns nicht.

Doch die Realität sieht meistens anders, zumindest meine sah anders aus.

Stunden um Stunden habe ich mit Budget-, Projekt- und Personalplanungen verbracht. Für nächste Woche, für nächsten Monat  – was ja noch gerade so geht. Fürs nächste Jahr – was eigentlich gar nicht geht. In einem Projektlaufzettel (ein hochoffizielles Dokument) habe ich tatsächlich den Begriff Glaskugelschätzung gefunden! Ich denke, da erübrigt sich jeder Kommentar. Und da Leben das ist, was geschieht, während man es plant, war ein Großteil der Planung innerhalb kürzester Zeit obsolet. Projekte kamen gar nicht, dafür fielen ganz neue vom Himmel, Budgets wurden gekürzt, Mitarbeiter kamen und gingen. Diese Art der Planung war für mich in höchstem Maße Zeitverschwendung, Geldverschwendung, sinnlos. Es war eine Verwaltung von Zukunftängsten, die nur dazu diente, eine gefühlte Sicherheit herzustellen, mühselig und erschöpfend. Geht es euch auch so wie mir damals?

Und dann kam Scrum.

Keine tapetenrollenlangen MS Projektpläne, die mich schon allein optisch überforderten. Stattdessen eine Vision entwickeln. Alle Ideen, Stories, Anforderungen in einem Backlog sammeln und priorisieren, aber nur noch drei Sprints im Voraus planen. Wow, schon das allein war eine Erleichterung

Keine stundenlange Kapazitäten-Planung für die nächste Woche mit den Projektleitern, die am Ende der Woche doch nicht gemacht hatten, was sie geplant hatten und jeder hatte tausend gute Gründe dafür. Dafür im Sprint Planning zu Anfang des Sprints mit dem Product Owner und dem Team den Umfang des nächsten Sprints besprechen, sich gemeinsam auf ein Sprintziel comitten. Kontinuierliche Fortschrittskontrolle im Daily und mit Hilfe des Burn Down Charts. Jeden Tag sehen können, wo wir gerade stehen. Kontinuierliche Planung statt Glaskugelschätzung.

Keine Jour Fixes mehr, kein Status, nur noch die Review Meetings mit den Teams. Wenn ich wissen wollte, wie der tagesaktuelle Status war, musste ich mich nicht mehr durch 50-seitige Power-Point-Berichte graben (kein Scherz!) und diverse Jour fixe mit Projektleitern einstellen. Ich bin still ins Daily gegangen, einen Blick auf Task Board und Burn Down Chart werfen und ich wusste innerhalb von 15 Minuten, wo das Team, das Projekt stand. Das ist übrigens mein Geheimtipp fürs Management: Einfach mal still das Daily verfolgen! Besser und effektiver kann man nicht mitbekommen, was im Team läuft und wie die Stimmung im Team ist. 15 Minuten pro Team jeden Tag. Mehr braucht man nicht.

Das Leben und Arbeiten machte plötzlich wieder Spaß. Die Ausrichtung auf ein gemeinsamen Ziel setzt ungeahnte Energien frei und gibt der Arbeit Sinn. Meine Teams und ich konnten jetzt Visionen entwickeln  UND umsetzen. Ganz entspannt im Hier und Jetzt. Go with the (Scrum-) Flow!