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Cäsars Entscheidung oder wie aus Wünschen erfolgreiche Handlungen werden

Nur wer sich selbst gut managen kann, kann auch andere gut managen. Folgt man diesem Satz, ist es nachvollziehbar, dass das Thema Selbstmanagement Hochkonjunktur hat, vor allem im Kontext von Führung. Ein spannendes Element im Selbstmanagement ist die Frage, wie man von seinen Bedürfnissen und Wünschen ins Handeln kommt.

Jeder kennt die Situation, dass er etwas verändern möchte, dass er ziemlich genau weiß, wie es nicht sein sollte, eine vage Vorstellung davon hat, wo er hin möchte, wie er handeln müsste. Aber an der Umsetzung hapert es immer wieder. Man fühlt sich blockiert, ja sogar hilflos, bei manchen Themen über eine lange Zeit. Diese Situation kannte auch der große Cäsar, als er mit seinen Truppen am Rubikon, einem Fluss nördlich von Florenz stand und überlegte, ob er den römischen Senat in Rom angreifen und ihm damit den Krieg erklären sollte oder nicht. Sicher machte es sich Caesar nicht leicht mit seiner Entscheidung. Letztlich aber kam er ins Handeln, machte sich nach Rom auf und überschritt mit den berühmten Worten „alea iacta est“, „Der Würfel ist gefallen“, mit seinen Legionen den Rubikon in Richtung Süden. Dieser Ausspruch steht heute noch für Entscheidungen, die ein ganz bewusstes und konsequentes Handeln nach sich ziehen.

Das Rubikonmodell nach Grawe (Grawe, 1998, S. 71) gilt heute als wichtiges und funktionales Selbstmanagementmodell, das die Entstehung einer inneren Struktur von den Bedürfnissen bis hin zum konkreten Handeln aufzeigt und helfen kann, schwierige Entscheidungssituationen handlungsreif zu machen.

 






Bedürfnis: Unbewusste, vorbewusste Impulse

Motiv: Erfassen, bewusst werden, erkennen, wünschen, wägen

Intention: Bewusstes Wollen, Handlungsziel entwickeln, gezielte Entscheidung treffen

Präaktionale Vorbereitung: Planen, Ressourcen und Möglichkeiten eruieren

Handeln: Umsetzen, üben, sichern durch Wiederholen bis die Handlung stabilisiert ist

In der ersten Phase spürt man als Führungskraft oft ein meist noch unklares Bedürfnis im Hinblick auf eine Veränderung, zum Beispiel mit einem „schwierigen“ Mitarbeiter zu reden oder für die Meetings mehr Disziplin im Team zu fordern. Oft ist das Bedürfnis in dieser Phase noch nicht ganz klar oder auch noch nicht richtig bewusst.

Erst mit der Zeit bildet sich in der zweiten Phase daraus ein konkretes Motiv, z.B. ich will mehr Führung zeigen, eine nicht akzeptable Situation in Ordnung bringen. Oft weiß man aber in dieser Phase noch nicht, was genau man tun möchte. Außerdem gibt es immer mehrere Motive, die sich manchmal gegenseitig auszuschließen scheinen. Da stehen z.B. Motive wie Harmonie, die Mitarbeiter nicht zu demotivieren, Konflikten aus dem Weg zu gehen, im inneren Spannungsfeld. In dieser zweiten Phase sind die Menschen sehr mit dem Abwägen aller Motive beschäftigt. Mit Kopf und Bauch versucht man eine Entscheidung herbeizuführen. Manchmal dauert das Abwägen lange, aber irgendwann sind die Prioritäten dann klarer und es entsteht idealerweise ein Gefühl und eine Bewusstheit der Entschlossenheit: Ich tue jetzt etwas für mich und meine Führungsrolle und auch für die Verbesserung von Disziplin im Team und damit für eine bessere Teamleistung.

Dies ist der eigentliche Schritt über den Rubikon. Nach diesem Schritt liegt in der Phase drei das, was der Mensch gern tun möchte, in einem neuen Reifestadium vor, als Intention. Es wird nun ein konkretes Handlungsziel definiert. Jetzt wird nicht mehr abgewogen, sondern es wird nach einer Lösung und nach Maßnahmen gesucht: Wie, wann und wo kann ich mit dem Mitarbeiter Klartext reden? Wie bringe ich das Disziplinthema in mein Team ein?

In der vierten Phase geht es dann um „präaktionale Vorbereitung“ und die Entwicklung von konkreten Ausführungsmöglichkeiten: Ich werde einen Gesprächstermin mit dem Mitarbeiter in meinem Büro vorgeben und von Anfang an die Gesprächsregeln festlegen. Ich werde deutlich sagen, dass ich hier nicht als Kollege, sondern als Führungskraft rede. Ich achte bewusst darauf, dass ich die Steuerung des Gesprächs in meinen Händen behalte. Ich atme vor dem Gespräch tief durch und mache mir bewusst, dass es in Ordnung ist, das Gespräch so zu führen. Ich werde das Thema Disziplin ganz oben auf die Prioritätenliste des nächsten Meetings setzen. Ich werde die Zeit nehmen, die es braucht, damit alle sich äußern können und verstehen, worum es mir geht. Ich behalte die Moderation in meiner Hand und achte auf Regeln und Zeitmanagement. Ich werde konkrete Commitments am Flip Chart visualisieren.

Nun geht es an die gut vorbereitete, bewusste und gezielte Umsetzung, sprich konkrete Handlung, des Selbstmanagementvorhabens im Umgang mit dem Mitarbeiter oder dem Team. Je grundlegender ein Thema für das persönliche Selbstmanagement ist, z.B. eben mit schwierigen Personen oder Führungsautoritäten ist (siehe Beispiele), um so öfter ergeben sich Möglichkeiten, die gezeigten Handlungen auf andere Situationen zu übertragen und den Rubikon immer leichter zu überschreiten. Übung macht auch hier den Meister.

Der Rubikonprozess als Selbstmanagementtool unterstützt den bewussten Umgang mit sich selbst und den Situationen und Herausforderungen die oft scheinbar schwer zu bewältigen sind. Es ist immer auch gerade dann hilfreich, wenn es um Themen wie Unsicherheit, Souveränität, Auftreten, Durchsetzungsvermögen, Setzen von Prioritäten, Grenzen setzen, Verändern persönlicher hinderlicher Muster wie „Ich muss immer perfekt sein“ etc. geht. Im Sinne von Selbstcoaching ist die Reflektion des Rubikonmodells eine Chance, die persönliche Weiterentwicklung anzugehen. Caesar hats ja auch genutzt.

Grawe K. (1998) Psychologische Psychotherapie, Hogrefe: Göttingen