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Sagen Sie jetzt nichts: Ich bin Company ScrumMaster

Seit mehr als einem Jahr setzt der E-Postbrief Scrum ein, verteilt auf die zwei Standorte Bonn und Berlin. Ich spreche heute mit Jens. Jens hat nach einem Jahr als ScrumMaster die Rolle des CompanyScrumMasters am Standort Bonn übernommen. Er steht uns gerne für die Schilderungen seiner Erfahrungen mit Scrum zur Verfügung, bevor es wieder heißt: Sagen Sie jetzt nichts.


Hallo Jens, wie ist es dazu gekommen, dass du die Rolle des Company ScrumMasters ausführst?

Als die Rolle durch den Weggang eines Kollegen frei wurde, war mir zunächst nur klar, dass jemand aus dem Kreis der ScrumMaster diese Rolle nachbesetzen sollte. Dann wurde ich mir allmählich der großartigen Möglichkeiten bewusst, die die Rolle bietet, und wollte selbst Company ScrumMaster werden.

 

Was sind deine Verantwortungen als Company ScrumMaster?

Ich fühle mich für ein funktionierendes ScrumMaster-Team und eine sich stetig verbessernde agile Produktentwicklung verantwortlich.

 

Warum braucht es überhaupt einen Company ScrumMaster?

So wie ein Team von einem ScrumMaster profitiert, der unterstützt und beschützt, moderiert und hilft, die Produktivität zu verbessern, so kann eine Scrum-Organisation auch von einem Company ScrumMaster profitieren.

 

Nehmen dich die Menschen anders wahr, seitdem du Company ScrumMaster bist? Und wenn ja, wie und woran machst du das fest?

Ja, ich habe den Eindruck anders wahrgenommen zu werden. Scherzhaft sieht man das zum Beispiel an der einen oder andere Andeutung eines militärischen Grußes auf unseren Fluren. Ich wurde auch in Reviews schon mit Adelstiteln und Vergleichbarem begrüßt. Auf der ernsten Seite stelle ich aber auch fest, dass mich die Kollegen in der neuen Rolle mehr in Anspruch nehmen und bereits angefangen haben, mich beispielsweise als Schnittstelle zu begreifen.

 

Wie nimmst du dich selber seither wahr? Hat sich in deinem Denken und Handeln etwas verändert?

Meine Wahrnehmung und mein Gesamtblick haben sich geweitet. Ich spüre eine größere Verantwortung für die Entwicklung unserer Organisation. Es geht mir immer noch darum, dass das Team Performance abliefert und sich stetig verbessert. Aber „das Team“ ist jetzt das ScrumMaster-Team und somit geht es mir nun auch um die gesamte agile Produktentwicklung.

 

Was ist grundsätzlich anders als vorher als ScrumMaster? Musst du jetzt z. B. länger/kürzer arbeiten?

Ich arbeite länger, weil es soooo viel zu tun gibt. Bisher habe ich aber auch noch ein Scrum-Team betreut – was ein schlechter Kompromiss zu Lasten des Scrum-Teams war. Fortan wird sich ein anderer Kollege um das Team kümmern, sodass ich mich vollends der neuen Rolle und somit dem ScrumMaster-Team sowie der Verbesserung der agilen Organisation widmen kann. Zusammen mit der reifenden Klarheit über meine Handlungsfelder und Prioritäten will ich auf diesem Wege wieder zu verträglichen Arbeitszeiten zurückkehren.

 

Was ist dein derzeit größtes Impediment?

Ein ScrumMaster-Team, das auf zwei Standorte verteilt und noch kein echtes Team ist. Ich habe den Eindruck, dass wir uns in der Kommunikation untereinander schwer tun und unsere Diversität noch nicht nutzbringend einsetzen.

 

Was hat dir besser gefallen: ScrumMaster sein oder Company ScrumMaster sein?

Am ScrumMaster-Dasein gefielen mir die Nähe zum Team und die kurzen Feedbackzyklen, die schnell zeigten, ob etwas funktioniert oder nicht. Als Company ScrumMaster hingegen haben sich nun Team, Aufgaben und damit Verantwortungen signifikant verändert. Der Einflussbereich ist größer geworden und der Feedbackzyklus wurde dadurch auch (zumindest gefühlt) länger. Aber die neuen Möglichkeiten, die ich nun habe und die Dinge, die ich dazulernen kann, begeistern mich auf jeden Fall noch mehr.

 

Was kannst du durch deine neue Rolle jetzt besser beeinflussen, um die Organisation besser, produktiver, agiler zu machen?

Ich kann die Meinung und Ansichten des ScrumMaster-Teams in Gremien vertreten, die nicht gewohnt oder in der Lage sind, mit einem Team von Change Agents zusammenzuarbeiten. Kollegen, die eher mit hierarchischen Strukturen vertraut sind, kann ich als „Chef“ der ScrumMaster besser erreichen, auch wenn ich gar kein Chef bin. Durch diese Schnittstellenfunktion kann ich auch meine ScrumMaster-Kollegen entlasten.

 

Wo siehst du bei dir die größten Potentiale auf dem Weg noch besser zu werden?

Ich strebe danach, dass es mir noch besser gelingt, einen Status Quo zu hinterfragen und eine Gruppe so zu Verbesserungen anzuregen. Dabei wünsche ich mir auch eine bessere Fähigkeit, durch Moderation Gruppen schnell zu guten Ergebnissen zu führen.

 

Als Company ScrumMaster bist du fester Bestandteil des ScrumMaster-Teams. Du führst es. Wie machst du das? Wie führst du? Bist du so etwas wie ein „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen)?

Da wir ein Team von Kollegen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrung sind, fokussiere ich mich darauf, die Kommunikation untereinander zu fördern und gemeinsame Sichten auf Dinge herzustellen. Dabei versuche ich meine Ansichten so oft wie möglich als Gleicher unter Gleichen einzubringen.

 

Quis custodiet custodes – wer bewacht die Wächter? Wachst du über die ScrumMaster? Und wer bewacht dich?

Ich hoffe, dass ich von allen Kollegen um mich herum offenes und ehrliches Feedback zu meiner Arbeit erhalte, das mich dann in die Lage versetzt, mein Handeln auch mit Hilfe externer Eindrücke zu reflektieren, zu verändern und hoffentlich dann auch im Sinne der Organisation zu verbessern.

 

Angenommen, du hättest einen Wunsch frei für dein Tun als Company ScrumMaster? Was wünschst du dir am allermeisten?

Ich wünsche mir mehr Geschlossenheit und Einigkeit im ScrumMaster-Team, sodass man uns auch als die wirkungsvolle Einheit wahrnimmt, die wir sein wollen. Damit meine ich nicht die Einigkeit mit totalitären Zügen, die man von einer kommunistischen Partei erwartet, sondern regen und offenen Austausch untereinander und die Bildung einer Teammeinung zu Themen, die uns umtreiben.

 

 

1. Company ScrumMaster sein: Ist das stressig?

 

 

 

2. Deine Antwort auf: „Früher war alles besser!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Scrum finde ich …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Der E-Postbrief ist …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Wenn du einen Company ScrumMaster malen müsstest, wie würde er aussehen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Dein Anti-Stress-Rezept?

 

 

 

 

  • David Holzer

    Anbei Zitat von Dr. Oliver Zeiler, CTO E-Postbrief: „Über den Namen kann man streiten, über die Rolle ab einer gewissen Größe der Organisation nicht. Man könnte z.B. auch vom „Agilen Evangelisten“ sprechen, da Scrum eine Spielart ist, aber mitnichten die einzige Lösung, um Agile Produktentwicklung effizient zu gestalten. Ein Management-kompatibles Sprachrohr auch mit dem gefühlt richtigem hierarchischen Level (tatsächlich ist es eine laterale Führungskraft) und dem Auftrag, => einerseits das SM Team zu einen und weiterzubilden => und andererseits auch übergeordnete Themen und Veränderungen anzustoßen, hilft unserer Organisation deutlich.“