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Die Interpretation eines Commitments

Ein Commitment – was ist das eigentlich? Ist es ein Wort, ist es ein Wert oder ist es etwas ganz anderes? Dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen.

In Scrum gibt es das Commitment an zwei Stellen: einmal als Wert und einmal als Ritual im Sprint Planning 1. Im aktuellen Scrum-Guide der Scrum Alliance wurde das Commitment durch eine Vorschau/Prognose (Forecast) ersetzt. Ein Forecast wie Wetterbericht nach dem „Yesterday weather principle“, ersetzt das „Ja-Sagen“ des Entwicklungsteams im Sprint Planning 1.

Nochmal zurück zur Ausgangssituation: Was ist ein Commitment? Dafür gibt es einige Übersetzungen und noch mehr unterschiedliche Reaktionen von Entwicklungsteams, wenn es um das Commitment geht.

Einige Entwicklungsteams reagieren auf das Commitment im Sprint Planning 1 zurückhaltend und zögerlich – sie probieren es mal. Das passiert bspw. dann, wenn ein Entwicklungsteam nicht einschätzen kann, ob es eine Story schafft. Das hat oft damit zu tun, dass dem Entwicklungsteam nicht klar ist, was gefordert wird, die Story zu groß ist oder schlichtweg dem Entwicklungsteam nicht klar ist, wie es umgesetzt werden kann. Das sind meist aber nur Symptome fern der Ursachen. Hier sollte man genauer hinsehen: Ist die Story nicht klar oder zu groß, so war das Entwicklungsteam im Vorfeld nicht ausreichend einbezogen. Das Team hat entweder zu wenig Eigenverantwortung gezeigt sich zu beteiligen oder es wurde daran gehindert. Zögert das Entwicklungsteam, so steckt meines Erachtens auch immer Angst dahinter. Ein Team traut sich nicht zu liefern, da sich die Erfahrungen beim Scheitern wie Schläge in den Nacken anfühlten und nicht wie Erkenntnisse, die erst nach dem Start auf uns gewartet haben. Erfahrung bleibt in Erinnerung, da helfen keine schönen Worte, dass es anders sein soll – solche Worte verblassen. Neulich hatte ich erst ein Gespräch mit jemandem, der den Kulturwechsel von Angst vor dem Scheitern hin zum Erfolg durch Scheitern hinter sich hat. Er meinte, es dauerte ein 3/4 Jahr, bis jeder die Erfahrung gemacht hatte nicht bestraft zu werden und wieder angstfrei arbeiten konnte. Wenn Angst im Spiel ist, braucht es positive Erfahrungen, damit ein Commitment mehr wird als ein „wir probieren es mal“. Doch auch so ein Commitment muss man respektieren, um eine angstfreie Atmosphäre zu erzeugen.

Das Wesentliche

Was ist ein Commitment noch? Was kann es sein, was ist das Ziel hinter einem Commitment? Ein Commitment ist zum einen ein „Ich gebe mein Wort und mache es fertig“, es ist zum anderen „ein Hebel für das Team, um Überlastung zu vermeiden“ und es ist ein „eigenes Ziel, das sich zu verfolgen lohnt“.

„Ich gebe meine Wort und mache es fertig“ meint: „I am commited to this.“ Beim Pokern würde man sagen ich bin „all in“. Ich denke, dass meine Karten passen, ich setze es und ziehe es durch. Es ist kein Probieren, sondern eine klare Ansage der eigenen Selbstverantwortung. Ich mache das, das ist meine Verantwortung und ich bin dabei. Es ist eine Selbstverpflichtung, die jeder im Team zu leisten hat – deswegen frage ich jeden Einzelnen danach, ob er dabei ist, ob er „all in“ geht. Dabei ist es mir egal, ob die Mutlosigkeit Einzelner den Willen und die Disziplin infrage stellt und die Nachfrage als Utopie belächelt wird. Wichtig ist mir, Selbstverantwortung zu erzeugen oder zumindest einen Raum dafür zu geben.

Einen Raum geben heißt auch einen Hebel anbringen, an dem man ziehen kann, um Überlast zischend entweichen zu lassen. Das Commitment ist ein solcher Hebel. Wenn ein Team „Stop“ sagt, dann heißt es Stop. So schützt sich ein Team vor Überlast, und nur so kann es auch „all in“ gehen, sich committen. Denn nur der, der nicht überlastet ist, kann sagen, ob er etwas schafft und sich auch voll dafür einsetzen. Mit dem Commitment setzen wir das PULL-Prinzip ein. Wir entkoppeln uns vom Druck.

Sind wir einmal entkoppelt vom Druck, können wir uns mit den Zielen befassen, die an uns herangetragen werden und die es umzusetzen gilt. Wir können uns mit ihnen befassen und sie dadurch zu unseren Zielen machen. D. h. wir müssen sie verstehen, sie fassen können, das warum verstehen und deswegen auch verwirklichen wollen – es ist ein Teilhaben und ein Teilnehmen. Gelingt uns das, dann schaffen wir es vielleicht zu der Art von Commitment, die mir am besten gefällt: Die Hingabe eines Teams für sein Produkt und die Lust, daran zu arbeiten. Eben voll drin zu sein und die Konzentration hochfahren und zu fokussieren. Dafür müssen wir oft auch kämpfen, denn das bedeutet Freiheit und Selbstverantwortung – Commitment eben – und zuletzt bedeutet es auch, im Kampf mit sich selbst zu bestehen, sich nicht abzulenken, denn um die eigene Wahl, die eigene Freiheit und Selbstverantwortung dreht es sich immer wieder:

„Nichts garantiert unsere Freiheit. Verneine sie oft genug, und eines Tages gibt es sie nicht mehr. Zu guter Letzt haben wir unsere Füße und Hände gefesselt und rufen triumphierend aus, wie recht wir hatten.“ (Allen Wheelis in How People Change)

Ich erlebe mein persönliches Commitment in meiner Freizeit und ich merke dort sehr deutlich, wenn ich committed bin, wenn es wirklich heißt „I am into it“. Ich erlebe es genau dann, wenn ich an meiner Leistungsgrenze klettere. Wenn ich drin bin und mich konzentriere. Wenn ich bewusst wähle, die schwierige Stelle mit vollem Einsatz anzugehen; mich dazu entscheide, den Griff zu halten. Wenn ich mit dieser Einstellung rangehe, dann schaffe ich den Sprung, bin bei der Sache. Wenn du mich fragst, was ein Commitment ist, dann werde ich dir antworten, dass es eine Geisteshaltung ist, die darüber bestimmt, ob du es schaffst, ob du es durchziehst, oder ob du aufgibst, bevor du angefangen hast. Du kannst dich auf den Sturz konzentrieren oder auf den nächsten Griff – du hast die Freiheit zu wählen.