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Was haben Manager und Immobilienmakler gemeinsam?

In ihrem Buch Freakonomics sprechen Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner über die Gemeinsamkeit einer Gruppe von Immobilienmaklern mit dem Ku-Klux-Klan. Eine provokantes Thema spitz auf den Punkt gebracht. Laut Levitt und Dubner ziehen beide Gruppen ihren Nutzen aus der ungleichen Verteilung von Wissen: der Informationsasymmetrie. Eine Informationsasymmetrie besteht dann, wenn eine Seite (Experten) mehr Informationen als die andere Seite (Laien) besitzt. Das muss in der Regel kein Nachteil für den Laien sein. Doch zeigt sich immer wieder, dass – sofern persönliche Anreize im Spiel sind – Menschen ihren Informationsvorsprung zu ihrem Vorteil hin wahrnehmen. Kommen wir zurück zum Buch. In Freakonomics wird aufgezeigt, dass die beiden Gruppen dadurch geschwächt wurden, dass Informationen bzgl. ihres Tuns öffentlich zugänglich wurden – dass Information transparent wurde. Im Fall der Immobilienmakler war es bspw. das Internet, das ihnen am stärksten zusetzte. Im Internet finden wir leicht Informationen über ähnliche Immobilien, Verkaufstrends, Käufer, Verkäufer und vieles mehr. Das alles gehört zum Expertenwissen eines Immobilienmaklers.

Was hat das Ganze mit einer Gruppe von Managern zu tun? Eine der wichtigsten Aufgaben in einem Unternehmen ist der Umgang mit Informationen. Die Weitergabe von Information ist mitunter eine der Hauptaufgaben von Managern. Information ist in den meisten Unternehmen eine privilegierte Ware, mit der man handeln kann. In sehr klassischen Organisationen findet man den Informationshandel hinter verschlossenen Türen, beim informellen Zusammensein nach der Arbeit oder in der Pause, und letztlich findet man so gut wie alles wieder an der Kaffeemaschine – brühwarm aufgekocht, mit einem Schuss saurer Milch verfeinert. Die Weitergabe von Information als Privileg führt zu einem Schuldsystem. Man baut sogenannte Informationsschulden auf: „Heute habe ich eine Information für Dich, morgen informierst Du mich über das Neueste aus der Besprechung.“ Wohin all das führt, möchte ich gar nicht ausführen.

Nun fällt es leicht, auf der Klagebank zu sitzen und einen offenen Umgang mit Informationen zu fordern. Ja, Offenheit! Warum gerade Offenheit? Ist es nicht so, dass uns von allen Kanzeln die Transparenz gepredigt wird? Sollen wir nicht alles durchsichtig machen? Selbst die Politik möchte sich und ihre Politker transparent machen, die biologische Transluzenz ist nicht mehr genug. Ich für meinen Teil möchte mich nicht transparent machen, nicht nackt auf Gängen von Firmen stehen und ausgezogen bis auf wenige Daten, Zahlen und Fakten fleischeslustig präsentiert werden. Was ich allerdings möchte, ist der offene Umgang mit Informationen. Offen, integer und aufrichtig Themen angehen. Für mich existiert hier ein gewichtiger Unterschied zwischen „etwas machen“ und „etwas sein“. Wobei meines Erachtens nur das „Sein“, das „Verkörpern“ erstrebenswert und langfristig erfolgreich sein kann. Im Fall der Offenheit ist Transparenz nur ein Attribut. Gleiches gilt für die Transluzenz, die im Sinne der Offenheit Grenzen durchlässig werden lässt und offene bzw. direkte Kommunikation ermöglicht. Solche Grenzen verschwinden in der Unternehmenskommunikation immer mehr, der klassische Weg der Kommunikation in den Hierarchien über die einzelnen Knoten hat ausgedient. Ist Transparenz nun allgemein schlecht? Ich glaube nein, Transparenz kann einen ersten Schritt hin zur Offenheit darstellen. Auf dem Weg zur Offenheit ist es ein erster Schritt, der die Offenheit erzeugen kann. Bringt man Transparenz in ein System und setzt den Anreiz dazu, das zu belohnen, so kann sich Offenheit entwickeln. Herz, Leidenschaft und Begeisterung sind weitere wichtige Zutaten.

Um zu guter Letzt nochmals auf die eingangs formulierte Frage, den Titel dieses Beitrags, zurückzukommen: „Was haben Manager und Immobilienmakler nun gemeinsam?“ Beide verwalten Information, beide zumeist zu ihrem eigenen Vorteil. Beide kann auf den ersten Blick ein offener Umgang mit Informationen den Job kosten – bei Managern besteht allerdings die Chance, dass sie sich mit einem offenen Umgang von ihren Ketten der Schuld befreien und mit ihren Mitarbeitern eine angenehmere Organisation schaffen. Eine Organisation, in der nicht auch die Stille den Raum betritt, wenn eine Tür geöffnet wird und ein weiterer Mensch die Gespräche der anderen nur durch Anwesenheit verstummen lässt.

Was können Sie als Manager nun tun?

Nutzen Sie Informationen zum Vorteil aller und gehen Sie offen mit Informationen um. So erzeugen Sie keine Informationsschuld und steigern das Interesse der Mitarbeiter gegenüber der Organisation. Nutzen Sie gemeinsame Termine und kommunizieren Sie gleichzeitig an alle und mit den gleichen Informationen. So schaffen Sie keinen Informationsvorsprung für Wenige, der informell an der Kaffeemaschine durch Interpretation eingeholt wird. Bitten Sie um Feedback zu Ihrer Kommunikation und fragen Sie woran Ihre Mitarbeiter erkennen, dass Sie das Feedback umgesetzt haben. Dadurch decken Sie Potentiale im Informationsfluss auf und zeigen Ihren Mitarbeitern, dass Sie Einfluss haben und ihre Anregungen umgesetzt wurden.