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ScrumStart(-Up)

Stellen wir uns vor, wir hätten eine revolutionäre Geschäftsidee. Ein Bild das uns dazu bringt zu sagen: „Ich will Entrepreneur werden und ich brauche Leute, die mir dabei helfen.“ Eigentlich relativ einfach. Diese Leute müssen lediglich dasselbe Bild sehen, das wir sehen und schon beschließen solche Freigeister, der gewöhnlichen, 9 to 5-Welt zu entrinnen und sich einer revolutionäre Geschäftsidee anzuvertrauen.

 

Wir zeichnen und malen in Worten ein Ereignis, eine Abfolge, ein Szenario mit Umlauten, Händen & Füßen. Dieses Gemälde kann ein Rembrandt sein und wir sehen es. Wir alle haben Freunde, die uns schon lange kennen, bei denen es uns leicht fällt, unser Gemälde in die Köpfe zu pinseln. Die Kommunikation innerhalb unserer bekannten sozialen Systeme ist von geringer Missverständniswahrscheinlichkeit und geringem Aufwand geprägt. Aus meiner Erfahrung sind die ersten Ideenempfänger eines Entrepreneurkindes die engsten Vertrauten und Verwandten, vor deren inneren Augen das Entrepreneurkind ohne große Mühe eine so makellose Rembrandtkopie seiner Idee hinterlässt, bei der selbst Bansky vor Neid erblassen würde.

Aus eins mach sieben

Rembrandt Selbstporträt, 1656-1659, Museum Boijman Van BeuningenDie Idee steht und das Kind tritt aus seiner vertrauten Welt hinaus in die Welt der hiesigen Startup-Szene, um dort sein Gemälde in das Rampenlicht zu hängen, auf dass sich Menschen in dieses Gemälde verlieben mögen und dabei unterstützen, es real werden zu lassen. Auf der Bühne zieht das Entrepreneurkind voller Euphorie das Tuch herunter und findet die ersten 7 Interessenten, die sich vor dem Gemälde aufbauen. Das ist ein spannender Augenblick, das Entrepreneurkind beginnt zu malen und schafft es mit demselben Pinsel, derselben Auswahl an Farben und denselben Schwingungen, sieben (7) verschiedene Bilder zu kreieren.

 

Jedes Team hat ein Bild im Kopf. Keines dieser Bilder ist der Rembrandt. Die ersten zwei Teammitglieder wenden sich ab und gehen mit einem sinnlosem Bild von dannen. Der Rest ist zufrieden mit seinen Ideen und Bildern und lässt sich auf das Wagnis ein. Das Startup-Team des erwachsenen Entrepreneurs steht.

Das BigPicture soll Wirklichkeit werden. Alle rennen los.

 

Einer beschäftigt sich mit der rechten oberen Ecke des Bildes, ein paar andere mit der links unten und der Entrepreneur betupft die Mitte … und auch er macht denselben Fehler. Er schaut nicht über die Schulter, ob das Team beisammen ist und ihm folgt. Erst in den ersten Berührungen, bei denen die geschaffenen Teilgemälde in das nächst Größere fließen sollen, sieht das Team: Seit Wochen malen wir nicht zusammen an einem Gemälde, sondern haben eine Galerie farbiger Stofffetzen erschaffen, die nicht einmal die Bordsteine der Straßen auf dem Weg zum Louvre schmücken dürften!

Die Vision als Muse

Dieses Szenario kann verhindert werden. Es wird immer häufiger verhindert. Durch einen ScrumStart.Rembrandt Selbstporträt, 1660, Metropolitan Museum of Art

Der Entrepreneur stellt die Vision als Muse auf und beginnt das (Be-)schreiben von einzelnen Bild-Geschichten aus der Sicht eines späteren Betrachters. Immer wieder bespricht er mit seinem Team, was nötig ist, um seine kleinen Bild-Geschichten innerhalb der nächsten Woche Wirklichkeit werden zu lassen. Sie skizzieren gemeinsam den Grundriss und hören einander intensiv zu. Nun beginnt das Team die Farben aufzustellen und die Pinsel zurechtzulegen, und beschließt lediglich für die nächsten Stunden, wie es die ersten Striche arrangieren möchte. Hierbei zeichnet niemand im Alleingang, vielmehr bringt jeder seine Fähigkeit hinein und erklärt, welche Striche und Kleckse zu kreieren sind. Farbtopf in der einen, Tipp-Ex in der anderen Hand. Im Anschluss nimmt sich jedes Teammitglied eine kleine Ecke heraus und beginnt zu malen.

 

In kurzen regelmäßigen Abständen stellt sich das Team zusammen und jeder erzählt kurz, ob er noch genug Farbe hat, was er gemalt hat, welchen Fleck er nun ausbessern möchte und wie er jemanden aus dem Team mit Schwamm oder Pinsel helfen kann. Um dem Team Sicherheit zu geben, wird eine Person dazu ermächtigt, für die Einhaltung solcher „Prozesse“ und „Tiegel“ zu sorgen, ohne gleich hierarchisch platziert zu sein. Vielmehr ein Trainer, ein Coach des Teams…

Das Malen, Zeichnen, Radieren wird gemeinsam erlebt und mit dem Entrepreneur werden stetig die ersten Bilder aufgehängt.

 

Am Ende der Woche holt der Entrepreneur diverse Kunstinteressierte aus umliegenden Museen und das Team präsentiert die erste Landschaft der Vision als reales Gemälde. Die Kunstinteressierten werden angeregt zu äußern, was dem Kunstwerk fehlt, bis sie sich solch ein Gemälde in ihr Wohnzimmer hängen würden. Während der Product Owner, ach nein, der Entrepreneur diese Vorschläge aufnimmt und sie wieder in Bild-Geschichten erfasst, beginnt das Team, auf den letzten Sprint, Entschuldigung, Zeitabschnitt zurückzublicken, um Verbesserungspunkte bzgl. seines Schaffens herauszufinden, um sie in dem nächsten, nun schreib ich`s: Sprint, umzusetzen.

 

Von nun an wiederholt sich diese Schaffungsphase, das Startup bewegt sich in der agilen Produktentwicklung. Scrum.