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The Art of Non Conformity – FUCK IT!

Lebe dein Leben, so wie DU es WILLST. Aber – Moment, da muss man ja zunächst wissen, was man will. Ich habe eine Freundin, die eigentlich den ganzen Tag nichts zu tun hat. Sie arbeitet wenig und sie hat außer des Managements ihres eigenen Lebens keine weiteren Verpflichtungen. Sie ist todunglücklich, depressiv und immer am Limit ihrer Leistungsfähigkeit. Auf die Frage, was sie vom Leben will, kommt keine klare Aussage. In seinem Buch „The Art of Non-Conformity“ beschreibt Chris Guillebeau, dass es zunächst wichtig sei herauszufinden, was man im Leben erreichen will. Nun ja, das ist ehrlich gesagt langsam langweilig. Das haben uns Lothar Seiwert, Stephen Covey [The 7 habits of high effective people], und was weiß ich wer noch alles erzählt. Zu wissen, was man will. Die wohl einfachste Frage der Welt, oder? Und was ist, wenn man weiß, was man will, es aber so einfach nicht erreichen kann?

Gibt es vielleicht einen Weg für all die Leute, die sich gerade mit dieser Frage schwer tun? Die diese so wichtige Lebensfrage gar nicht beantworten wollen, weil sie selbst bereits so viel Stress aufbaut?Wie wäre es also mit einem anderen Ansatz? In „Fuck It“ beschreibt John C. Parkin den Weg „Loslassen, Entspannen, Glücklich sein“, indem man die Dinge einfach ganz anders, nämlich durch Loslassen erreicht. Also nicht ständig hinter den Dingen herzurennen, sondern die Dinge durch Loslassen zu erreichen. Das ist an sich ein gar nicht so schlechter Rat. Wie soll sich etwas in uns entfalten, wenn wir „krampfhaft“ darauf zu steuern? In dem Buch „Muße. Vom Glück des Nichtstuns“ wird genau dieser Ansatz vollkommen neue gedacht. Es geht darum, zu entspannen.

Wir arbeiten alle zu viel, wir wollen zu viel in der Arbeit und in unserem Leben. Auch das soll noch perfekt sein. Wenn wir in den Urlaub fahren, auch der muss perfekt sein. Wir brauchen mittlerweile Coaches, die den normalen Business-Menschen zur Seite stehen, damit der normale Mensch überhaupt noch funktionieren kann. Die Arbeitszeit von Menschen, die in unserer Gesellschaft etwa zum Bruttosozialprodukt beitragen, steigt ständig. Wer etwas erreichen will, muss heute bereit sein, wesentlich mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten (ja, das ist auch bei bor!sgloger so!).

Aber ist das gut? Mehr und mehr Kinder erkranken an ADHS. Aber es ist noch gar nicht wirklich klar, wieso das in unserer Gesellschaft passiert. Bekommen diese Kinder einfach viel zu früh zu viele Eindrücke, dann hat sich doch der Versuch, unsere Kinder noch perfekter an unsere Umwelt anzupassen, mittlerweile pervertiert.

Werft die Ratgeber weg!

Ein Grund für diese Pervertierung sind die Ratgeber: Sie schüren die Hoffnung, dass wir alle unsere Ideale, unser ganzes Leben selbst bestimmen können. Sie alle wollen uns zeigen, wie man es denn nun richtig machen kann. Wir müssen endlich aufhören, die Ratgeberbücher dieser Welt über unser Leben bestimmen zu lassen. Das Lesen eines Buches darüber, wie man sein Leben zu leben hat, ist nichts anderes als die Sucht danach, das Leben zu leben, ohne es zu leben. Es ist wie das Lesen von Büchern über das Schreiben, anstatt zu schreiben. Das Lesen von Büchern über das Fotografieren, ohne zu fotografieren.

Das machen gerade Ratgeberbücher, wie das von Parkin klar und sind damit eigentlich ein Paradoxon. Sie sagen uns, finde heraus, was DU willst. Einerseits der richtige Rat, andererseits liegt in diesen Büchern der tiefe Glaube begraben, dass genau das ginge.

Die postmoderne Version des „American Dreams“, der unerschütterliche Glaube, man kann alles erreichen. Aber leider ist das gar nicht so. Wir sind nämlich auch, und das ist etwas, was uns die Ratgeber zumeist nicht erzählen, viel stärker vom Zufall abhängig, als wir oftmals akzeptieren wollen. Diese narzisstische Kränkung, dass unsere Leben auch eine Folge der Zufälligkeit unserer Begegnungen, des momentanen Zeitgeistes, der aktuellen Mode, der Entscheidungen unserer Freunde, der derzeitigen Zwänge der Kunden ist – diese Erkenntnis führt unweigerlich zu der Folgerung, dass wir nicht für alles verantwortlich sein können. Hätte ich meine Frau kennengelernt, wenn ich diesen Event nicht organisiert hätte? Würde ich heute Pferde halten, wenn ich sie nicht kennengelernt hätte? Ehrlich gesagt: Ich denke nein! Wäre ich heute mit jemandem anderen zusammen,  wäre ich glücklich? Keine Ahnung, aber wieso nicht. Es wäre ein komplett andere Geschichte, aber ja … sie wäre auch mein Leben.

Wäre also nicht die logische Konseqenz, dass ich das Schreiben dieses Posts ebenfalls lassen sollte, denn auch ich gehe natürlich davon aus, dass du ihn liest. Dass du ihn liest ist mein Ziel, aber eigentlich will ich dir sagen:

Don´t read! Do! Try!

 

Sei ein Versucher, sei ein Mensch, der Dinge ausprobiert und auf diese Weise herausfindet, was er wirklich http://www.wordsoverpixels.com/will. Der Titel: „The Art of Non-Conformity“ – ist für mich genial. Ein Buch, ja eine ganze Website darüber zu schreiben, was man eigentlich nicht tun sollte, nämlich das tun, was einem andere sagen – schon genial. Aber es läuft im Grunde auf das Eigene, das Selbst-Versuchen heraus.

Jetzt werden einige sagen … hm, aber was soll ich denn tun? Leben! Sich spüren, herausfinden, welche Bedürfnisse du hast. Was turnt dich an? Ist es etwas künstlerisch Kreatives oder eher etwas Geschäftliches? Ist es Menschen zu helfen oder ist es einfach, etwas zu machen, was nur du tun willst. Das Faszinierendste, was ich dazu derzeit gefunden habe, sich in der Stadt selbst zu spüren: Parkour [http://en.wikipedia.org/wiki/Parkour]. Tu, wozu du jetzt Lust hast. Guillebeau hat einen wichtigen Aspekt in seinem Buch erkannt: Er schreibt darüber, dass dazu gehört, keine Angst zu haben. Nimm dein Leben und dich selbst dabei nicht so wichtig! Nicht jede Entscheidung ist lebensentscheidend, und selbst wenn es so wäre … du kannst sie doch alle korrigieren. Jederzeit!

Das Leben zu leben … also loszulassen und dennoch seinen Weg zu gehen, dass ist der wirkliche Weg zur Non-Conformity. Und für einige wird das bedeuten, sie bleiben genau da, wo sie jetzt sind. In ihrem Beruf, in ihrem Job, in ihrer Welt. Entscheidend ist nur, dass dieser Weg rational gegangen wird. Also nicht vernünftig, sondern „bedacht“, im wahrsten Sinnde des Wortes. Mit Bedacht, nicht überlegt, sondern achtsam, auf sich hörend. Frage dich: „Will ich das jetzt gerade? Treffe ich jetzt, hier in diesem Moment die Entscheidung, die mir entspricht? Ist es die Entscheidung, die zu mir passt, zu dem wie ich mich im Moment fühle?“

Das geht nur durch nachspüren. Wenn das so ist … dann … Do it! Denn dann ist es auf jeden Fall das Richtige! Dann bist du auf dem Weg zu deinem eigenen Leben.

  • Roland

    Boris, genau meine Gedanken! Und ein weiterer Gedanke: Ich
    muss nicht großartig sein, um etwas zu tun; ich will etwas tun, und darin großartig
    werden.

  • Sebastian

    Mir wird die Botschaft nicht klar, mehr als 40h arbeiten? Sich nichts vo Ratgebern sagen lassen? Verrückte Sachen machen? Das empfinde ich als Paradox, wenn ich dann wiederum Deinem Rat folgen sollte…