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The good, the bad and the …

11:47 Uhr, kurz vor High Noon. Der Wind weht Grasbüschel durch die sonnenversengten Korridore. Kein Ton ist zu hören, nur das stete Rauschen und Dröhnen des alten Küchenradios verklärt die angespannte Stimmung. Alles wartet auf das Duell des Tages, versteckt im Schutz des eigenen Monitors, wissend: Es geht gleich los.

Rastlos wartet hinten im Schatten des Saloons der verwegene Joe. Eine Schweißperle bildet sich auf seiner Stirn, er setzt sein Glas an den Mund und trinkt. Gleich trifft er auf seinen Herausforderer – das Greenhorn, der zwinkernde Tony, bekannt bei den Schwachen, gefürchtet bei den Mächtigen, ein verdammter Gringo. Fahrig streicht sich Joe durch das spröde Haar, bevor seine Hand wieder an seiner rechten Seite zu ruhen kommt. Der Griff zu seinem Mobileisen gibt ihm Sicherheit. Ja, Joe managt seit Jahren diesen Distrikt der Firma, man kann wahrlich sagen: Es ist sein Fort hier, so viele Angriffe von Revolverhelden hat er bereits erfolgreich abgewehrt. Doch dieser Showdown macht ihn nervös.

John C. H. Grabill [Public domain], via Wikimedia CommonsJoe hat Tony selbst eingesetzt in seine Dienste, er war auf der Suche nach einem neuen Deputy, der für Recht und Ordnung sorgen sollte. Jetzt konfrontiert Tony ihn regelmäßig mit den Hindernissen, den schlechten Gesetzen und vielen Problemen innerhalb seines Bereichs. Eine stetige Konfrontation, unangenehm und doch auch wertvoll, vieles verbessert sich. Heute werden beide schwere Geschütze auffahren. Es geht um eine Regel, die Joe erlassen hatte und die damals notwendig erschien. Heute ist sie ein Problem für viele Bewohner und Schutzbefohlene. Tatsächlich eine Gefahr für alle Beteiligten, nicht in der Vergangenheit, aber jetzt.

11:58 Uhr, der Puls schlägt schneller – von wo wird Tony auftauchen? Da, im Augenwinkel, die Tür des Scrum-Saloons schwingt auf. Tony tritt aus dem Schatten in die Sonne. Als Tony seine Hand hebt, fängt sich für einen Moment ein Sonnenstrahl auf seiner Uhr – ein Blinken, hell und stechend in den Augen. Geblendet wendet Joe sich ab, sieht im Augenwinkel noch die Person, der der Gruß galt – es war der Marshal. Joe tritt auf den Korridor, beide stehen sich gegenüber, ein Lächeln, ein Gruß: „Howdy!“ Es ist 12:00 Uhr.

The Bad Guy and the Good Guy

Es ist der ewige Konflikt zwischen Manager und ScrumMaster, der Konflikt der Vergangenheit mit der Gegenwart. Der Zeitpunkt, an dem beide aufeinandertreffen, um das bereits Erschaffene zu verändern. Leistungen zu zerstören, damit Besseres entstehen kann. An dieser Stelle treffen zwei wichtige Dinge aufeinander: Wertschätzung für das Erreichte und die Erkenntnis des notwendigen Wandels. Nur beides erlaubt es uns, den Schritt der Veränderung gemeinsam zu gehen, loszulassen und Neues zu erschaffen. Denn Neues ist der Motor vieler Menschen: „Damals, als wir noch etwas erreichen konnten, in den Momenten in denen es noch unbesetzte Gebiete gab, damals war unsere Leidenschaft groß!“ Neues, was Unsicherheit schafft und auch eine Chance ist, bspw. die Möglichkeit öffnet, sich neu zu positionieren, wieder andere Wege zu gehen, die Türen zu öffnen, die man schon länger vergessen glaubte.

Was ist der ewige Konflikt zwischen Manager und ScrumMaster? Es ist der Konflikt zwischen Bewahrer und Veränderer. Der Angriff auf den geliebten Status Quo, der viele Unternehmen so unsäglich leiden lässt. Das Scheuen vor Veränderung an dem Entstandenen ist nur zu gut nachvollziehbar. Die eigene Sandburg ist die schönste, kein flüchtiger Gedanke, sondern etwas, was es zu konservieren gilt. ScrumMaster sind Bad Guys, die den Wandel herbeiführen. Sie weisen auf Hindernisse und Probleme hin, die gegenwärtig sind. Somit sind sie die Outlaws der Firmen, setzen sich aber für diejenigen ein, die ständig daran gehindert werden besser zu arbeiten. Für diese Leute sind sie der Good Guy. Derjenige oder diejenige, die Dinge möglich macht, die vorher schwer vorstellbar waren: Erneuerer.

Ein ScrumMaster kann allerdings nur bestehen, wenn er Schutz und Unterstützung findet. Hierfür benötigen ScrumMaster das Management genauso stark, wie das Management die ScrumMaster braucht, damit Neues geschaffen werden kann. Die Wandel-Nuggets gibt es nicht umsonst, Wandel ist harte Arbeit und Leidenschaft. „Yee-haw!“