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Der Plan war ein anderer

Freitag, 18 Uhr. Der Heimweg stand nach einer anstrengenden Woche kurz bevor. Alle Vorbereitungen wurden getroffen. Das Navigationsgerät mit den Zielkoordinaten bespielt, die Route berechnet, der Wagen vollgetankt und fahrbereit.

 

400 km lagen zwischen Start und Ziel und das Wetter versprach eine angenehme und trockene Fahrt. Nach zwanzig Minuten Fahrt leuchteten die ersten Bremslichter auf. Am Freitag Abend war es abzusehen, dass mehr auf den Straßen los ist, aber das hatten wir natürlich eingeplant. Wir stellten uns im Stau also hinten an. Im Schneckentempo ging es vorwärts. Eine Stunde später und dreißig Kilometer weiter machten wir die erste Rast. Nach einem kleinen Snack und einem kühlen Erfrischungsgetränk bei diesen sommerlichen Temperaturen fuhren wir weiter.

Schon in der Kurve der Auffahrt sahen wir auf der Fahrbahn einige Hundert Meter weiter einen Helikopter auf der Fahrbahn stehen. Wie sollte es anders sein, rote Bremslichter und stehende Fahrzeuge dahinter. Die einen standen, weil sie nicht weiter kamen und der Gegenverkehr kam nicht voran, da die Familien Schau und Lustig nicht langsam genug fahren konnten, um auch wirklich alles zu sehen.

 

Eine Stunde später …

… konnten wir in den zweiten und dann in den dritten Gang schalten, es ging wieder voran. Zu früh gefreut. Gefühlte 5 Minuter später leuchteten wieder die Bremslichter. Nicht, dass es für uns bereits der dritte Stau war, in dem wir uns anstellen mussten. Nein, der Himmel zog sich zu und es schüttete wie aus Eimern.

„Jetzt stell dir mal vor, der Wagen geht noch kaputt, das wäre dann der Supergau! Zum Glück bin ich ja ADAC Plus Kunde“, sprach mein Kollege und wusste nicht, wie sehr er sich darüber noch ärgern würde.

Nachdem wir nun auch den dritten Stau hinter uns gelassen hatten, war es bereits 22 Uhr und wir noch zu weit vom Ziel entfernt. Dann passierte, was passieren musste. Die Motorleuchte blinkte und  „Abgas – Werkstatt aufsuchen“ – schrie die Warnmeldung darunter. Wir fuhren also mit der Warnblinkanlage weiter, schließlich standen wir siebzig Kilometer vor dem Ziel, das Wochenende war zum Greifen nahe. Nicht für uns. Mit 50 km/h schleppte sich der Wagen auf einen kleinen Parkplatz, ohne jeglichen Komfort, ohne Licht und ohne Gelegenheiten, sich in all dem Nichts von den Anstrengungen abzulenken. „Du hattest doch gerade was von der ADAC Plus Karte erzählt. Bitte, jetzt wäre DIE Gelegenheit.“

„Der ADAC ist in ca. einer Stunde da.“ Also wieder warten, warten auf die anderen, auf den Helikopter und warten auf den ADAC. Nach einer Stunde und fortgeschrittener Uhrzeit immer noch kein Abschleppdienst. Also noch mal anrufen und fragen, was da los ist und wann den nun einer kommt. Wir frieren, wir sind seit fünf Stunden unterwegs … WIE LANGE???

 

„Ach, Sie brauchen einen Abschleppdienst? Na das hat der Kollege nicht gesagt. Dann muss ich noch mal jemanden anrufen und einen zusätzlichen Fahrer ordern!“ Die Frau am Telefon tat mir leid, sie wusste nichts von dem Projekt Heimfahrt und den vorherigen Hindernissen, aber der Geduldsfaden drohte abzureißen. „MACHEN SIE DAS!!!!“

30 Minuten später …

… kam endlich der ersehnte Abschlepper und zog den Wagen auf die Rampe. Aber nicht genug der Schikanen und Wartezeiten. Nein, der Fahrer durfte uns die letzten 70 Kilometer nicht abschleppen, nur 50. 70 Kilometer wäre zu weit und einer müsse ja in der Nähe bleiben. „Ach so, und jetzt? Sollen wir den Rest schieben?“ Mir reichte es, aber ich war auch dankbar, dass endlich einer da war. Mittlerweile war es 00:30 und wir auf dem Weg zur nächsten ADAC Zweigstelle, wo der Wagen von dem einen Abschlepper auf einen anderen verladen werden musste. Dieser durfte dann die letzten Kilometer fahren. Zum Glück lag dem ADAC ja eine ADAC Plus Karte vor, mit allen Extras.

 

Nun war es 02:12 Uhr und wir saßen im zweiten Abschleppwagen. Uns trennten noch 30 Kilometer vom Ziel, vom Wochenende, von zu Hause.

 

Wir hatten es bis ins Detail geplant und alle Vorbereitungen getroffen. Wir waren auf fast alle realistisch einzuschätzenden Vorkommnisse vorbereitet, und doch kam alles anders.