Drücken Sie Enter, um das Ergebnis zu sehen oder Esc um abzubrechen.

Vom Los- und in die Freiheit lassen

Ich hatte vor Kurzem ein gutes Gespräch mit dem Standortleiter in einem meiner Projekte. Es ging um das „Loslassen“ von Teams. Wir haben festgestellt, dass das Management es oft eine sehr gute Idee findet, Scrum zu machen. Höhere Produktivität, bei weniger Ressourcen, bei weniger Kontrolle. Hört sich nicht schlecht an. Wenn es aber dann so weit ist, fällt es dem Management oft schwer, die Teams selbst schalten und walten zu lassen, wie es für eine Selbstorganisation notwendig ist. Im schlimmsten Fall werden die Teams „laufen gelassen“, aber dann schleudert das Management doch wieder zeusgleich einen Blitz hinein. Hie und da wird etwas Freiheit gelassen, aber wenn es um Selbstorganisation geht, hält das Management dann doch noch mal die Hand drauf: „Wir müssen ja auch unsere Köpfe hinhalten.“ Ein gutes Argument, das ich aus einer anderen Richtung gehört habe. Aber ist es nicht genau das, was Management ausmacht? Nämlich Verantwortung tragen? Verantwortung für Menschen, die nicht kontrollierbar sind? Denn sind wir mal ehrlich: Ab einer Menschenmenge von, ich sage mal, fünf (eine willkürliche Zahl), kann ein Manager doch gar nicht mehr steuern, was Angestellte, oder in unserem Fall das Team, tun. Und seit Jahren wissen wir, dass Kontrolle keine Führungsmethode für die Zukunft sein kann.Das bedeutet für Management in Scrum: Teams loslassen. Und das ist schwer!

Von der Bestimmer-Position in die Berater-Rolle

Ich vergleiche das gerne mit der Situation zwischen Eltern und ihren Kindern. Habt ihr Kinder? Als sie noch klein waren (oder noch gar nicht auf der Welt) habt ihr gesagt: „Mein Kind hat all die Freiheiten, die es braucht, um selbstständig zu werden. Es soll sich entwickeln und ganz nach seinen Fähigkeiten agieren. Ich werde nur beschützen und vor allem da sein, wenn es meine Hilfe braucht.“ So. Und dann kommt euer Kind in die Pubertät. Und dann fängt es an, tatsächlich eigene Interessen zu entwickeln und selbstständig zu agieren. Und trotz festgeschriebener Regeln (zum Beispiel: „Erst die Schule, dann das Vergnügen!“) wird das Vergnügen anders ausgelebt, als ihr es euch gedacht habt. Ihr habt es ja „damals“ nicht so bunt getrieben (mehr Respekt, mehr Regeln, weniger Freiheiten,…). Aber genau das ist der Punkt. Eltern, die ihre Kinder ziehen lassen, werden erstaunt sein, wie schnell Kinder zurückkommen und um Hilfe und Unterstützung bitten. Und die Elternrolle verwandelt sich von der (so nenne ich sie gerne) „Bestimmer-“ Position in die Berater-Rolle.

Und so ist es auch mit dem Management: Lasst eure Teams los. Gebt ihnen nicht nur das Gefühl, selbstbestimmt handeln und entscheiden zu können, sondern gebt ihnen wirklich die Chance. Und sie werden es gut machen. Nicht unbedingt so, wie das Management will, aber es wird gut, weil das Team selbst entscheiden konnte und die Konsequenzen selbst trägt. Wie auch Kinder, wenn sie älter werden. Wie sagt man so schön: Lass deine Kinder gehen, wenn du sie nicht verlieren wills.t“ Management will ja auch Freiheit, oder?

Und noch etwas: Nein, es ist nicht leicht. Aber es lohnt sich!