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In der Kürze liegt die Würze

Schon öfters bin ich auf Teams gestoßen, die sich mit zweiwöchigen Sprints anfangs nicht wohl fühlten. Das zeigt mir jedes Mal, dass ich es mit Teams zu tun habe, die zwar schon angefangen haben, agil zu handeln. Aber ihr Mindset klebt noch immer im alten System fest.

Deshalb war ich oft sehr streng, wenn es um die Implementierung zweiwöchiger Iterationen ging. Ich habe stets darauf gehofft, dass der ausgewogene Rhythmus von Rehabilitationsphase in der Woche ohne Sprintwechsel und Druck in der Woche des Sprintwechsels möglichst bald einsetzen und das Team in ein natürliches Tempo übergehen würde. Oft kamen meine Teammitglieder in den ersten Sprints dann mit hängender Zunge auf mich zu, um zu berichten, dass sie sich wie Marathonläufer fühlten, die soeben versucht hatten, mit afrikanischen 100m-Sprintern mitzuhalten. Mir war klar, dass hier eine Umschulung nötig war. Doch ob sie sich auf Dauer darauf einlassen würden, war nicht so eindeutig.

 

Als erstes musste ich dem Team bewusst machen, dass es eigenverantwortlich darüber entscheiden konnte, zu wievielen Stories es sich committet. Somit dürfe es ja eigentlich seine eigene Geschwindigkeit regeln. An mir als ScrumMasterin lag es vor allem, die Impediments möglichst schnell aus dem Weg zu schaffen. Schließlich sollte man es vermeiden, einen Marathonläufer auch noch zu einem 60m Hürdenläufer umschulen zu müssen. Hier muss ich anmerken, dass mir der kürzere Sprint wesentlich dabei half, Herausforderungen und Probleme frühzeitig zu erkennen und gleich angehen zu können. Ich achtete auf eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Product Owner, um die User Stories auch wirklich so klein zu schneiden, dass selbst die komplexesten Stories innerhalb dieser 10 vollen Arbeitstage geleistet werden könnten.

 

Rasches Feedback – besserer Fokus

Hier muss ich ein Lob aussprechen. Meine Teams lernten erstaunlich schnell, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und jeglichen Aufschub an Tasks zu vermeiden. In den Sprints, in denen sie das jedoch versuchten, wurde die Verzögerung spätestens nach zwei Wochen während des Sprint Reviews ersichtlich. Diese rasche Feedbackkultur, die einer der größten Vorteile von Scrum ist, hilft nicht nur dabei, den Prozess zu analysieren, sondern auch das Team auf die Lieferung eines Produktinkrementes zu fokussieren. Falls mal doch etwas schief lief, war es eindeutig weniger tragisch, es nach zwei Wochen zu realisieren, als nach jedem weiteren Tag, jeder weiteren Woche, jedem weiteren Monat oder jedem weiteren Jahr (siehe Wasserfallprojekt). Aber generell erlauben 10 volle Sprinttage noch eine gewisse Flexibilität, um mit potenziellen Pannen während des Sprints umgehen zu können.

Ein weiterer Punkt, warum ich eine große Verfechterin der zweiwöchigen Sprints bin, ist die Tatsache, dass die menschliche Aufnahme- und Erinnerungsfähigkeit (leider) limitiert ist. Was soviel bedeutet wie: je kürzer die Sprints, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unnötige Fragen und Diskussionen über Details, die schon im Sprint Planning Meeting 1 erklärt wurden, vermieden werden können. Apropos Meeting. Falls jemand denkt, dass durch den kürzeren Sprint der Prozess-Overhead vergrößert wird, darf ich darauf hinweisen, dass ein zweiwöchiger Sprint nicht mehr Planungszeit und -aufwand bedeutet als andere Sprintlängen.

 

Committet euch zu weniger!

Witzigerweise kommen immer dieselben Gegenargumente seitens meiner Teammitglieder: „Die Zeit zur kreativen Entwicklung sowie zum Testen ist zu kurz und wir fühlen uns gehetzt!“ Als Antwort darauf darf ich wieder auf meinen ersten Kommentar zurückgreifen: Reduce the batch size! Committet euch zu weniger! Durch eine bessere Aufteilung der Tasks und durch kontinuierliches Testen sollte sich dieses Problem ohnedies in Luft auflösen. Vor allem – seien wir mal ehrlich: Es ist ja nicht so, als würde dieses Problem nicht auch bei vierwöchigen Sprints bestehen. Seit der Einführung von Facebook sind wir doch ohnedies alle zu professionellen „procrastinators“ geworden. :)

Mein Tipp also für alle Scrum Teams, die derzeit die Umstellung auf eine kürzere Sprintdauer durchmachen, lautet: „Auf die Plätze, fertig, los.“ Immer und immer wieder. Es wird besser werden. Ihr werdet euch dran gewöhnen. Und der Siegespreis ist es wirklich wert!

 

Schließlich muss es ja einen Grund geben, weshalb ein Sprint „Sprint“ heißt. Also. Worauf wartet ihr noch? Der Startschuss ist schon längst gefallen.