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Hey PO, estimate your roadmap!

Über die „Cone of Uncertainty“ hat Boris Gloger ja schon mehr als ein Mal geschrieben. Zum Beispiel hier und hier. Aber schauen wir sie uns einfach noch einmal an.

Die Y-Achse definiert den Faktor Schätzungsvarianz bzw. Eintrittswahrscheinlichkeit bzgl. Einhaltung des geschätzten Projektziels/ -ende. Die X-Achse stellt die Timeline /Lifeline des Projekts dar. Der Iceberg, als metaphorische Visualisierung zur Granularität des Product Backlog, wurde in  „Succeeding with Agile: Software Development Using Scrum“ (2009, Mike Cohn, Addison-Wesley Longman, Amsterdam) beschrieben.

 

 

An der Oberfläche, über dem Wasser, liegt die Spitze des Eisbergs, die sich aus klar ersichtlichen User Stories (US) zusammensetzt.

Was bedeutet „klar ersichtliche User Stories“?

Die User Stories sind jeweils sprintgerecht geschnitten und somit für den Product Owner genau einkalkulierbar. Sie enthalten kleine Features/Funktionalitäten, Raffinessen und Risiken sind bekannt und wurden gemeinsam mit dem Team besprochen. Trennt man diese Eisbergspitze, erhält man einen growler (deutsch: Minieisberg), der für sich die nächsten 6-8 Wochen klar identifizierbare, priorisierte und somit der Reihenfolge nach getaktete Produktinkremente enthält.  Als PO sollte es mir leicht fallen „denen da oben“ (deutsch: dem Management), einen Forecast (Zeitpunkt, Risiko, Ressourcenbedarf) bzgl. der Fertigstellung der Features/Produktinkremente für die nächsten 3 – 4 Sprints zu liefern. D.h. der PO kann mit gutem Gewissen einen Report über den nächsten growler erstellen und in die Managementssphäre senden.

Nun bricht die Realität die romantische Literatur der leidenschaftlich agilen Autoren.

Auf der Managementebene wird dieser growler nicht als US-Bundle voller schöner und/oder innovativer Features wahrgenommen, bei dem sogar der CFO jauchzend das Budget um die nächste X-Stelle aufstockt. Das Riskmanagement erhält die Eiswürfel der einkalkulierten Risiken, das Controlling gleicht den Kosten-Eiszapfen mit der Länge und Breite des im Kennzahlenkatalog erstellten Abbilds ab und das Releasemanagement tippelt nervös über den growler, um zu schauen, wie weit (Zeit) und wie sicher (uncertainty, probability) sie ihn betreten können. Sie bezeichnet den growler als: milestone.

Hat der PO einen guten Job gemacht (hier ist Voraussetzung, dass er von der gesamten Company grenzenlosen Informationszugang erhält; auch von Sales und Marketing), werden die oben genannten Managementebenen bis zum Ende des growlers bzw. bis zum milestone, bestmöglich informiert sein.

Es wird aber nicht reichen.

Das Management möchte nun mehr als den growler. Das große Ganze, das Projektziel mit Themes & Epics soll an einer Timeline entlang zu ihrer Deadline finden, wobei die eine Argumentation zum Progress durch Meilensteine definiert werden soll. Anforderung an diesen Plan: 100% Eintrittswahrscheinlichkeit. An dieser Stelle wäre es einfach zu sagen: „Werte Führungsprominenz „da oben“ – realisiert die romantische Literatur der leidenschaftlich agilen Autoren, und lasst es gut sein.“

Aber aus der Frage wird eine Bitte und aus der Bitte noch viel schneller eine Anweisung mit Deadline, einen Releaseplan zu kreieren.

CUT. 

Please, think out of the box. 

If you can`t create a foolproof releaseplan, go ahead foolproof and freeze the rocky future by estimating an icecold roadmap.

Die unfassbare Ausweitung am Fuße des monumentalen „Eisbergs“ ist analog zum Beginn des „Cone of Uncertainty“. Die unaufgeschlüsselten Epics befinden sich auf dem Level des „initial concepts“. Die Spitze des „Eisbergs“ ist analog mit dem Ende des „Cone of Uncertainty“. Mit den sprintgerechten US entwickelt das Dev-Team funktionierende Software und erreicht den Level „software (increment) complete“.  Demnach kann die bestehende Schätzung des Titanic-Icebergs mit einer Schätzungsvarianz von Faktor 4/ -0,25 berechnet werden. D.h. dass „(…) das Budget um ca. 200% bis 400% überschritten und durch das Projekt in der Regel nur 25% bis 50% des erwarteten Nutzens entsteht (…)“  (Boris Gloger, http://borisgloger.com/2011/10/24/schatzen-lassen-wir-es-einfach/)

Nun bitte, dann stoßen wir den gesamten Titanic-Iceberg um und lassen die Welt auf Zehen humpeln … Die iterative Aufschlüsselung der Epics liegt soweit in der Zukunft, bis der Zeitpunkt erreicht ist, zu dem Sicherheit herrscht „ob“ bzw. „was“ (Themes) und wiederum später „was genau“ (US) der PO umgesetzt haben möchte. Somit liegt der umgestoßene „Eisberg“ auf der „Cone of Uncertainty“.

Der PO setzt nun den growler bzw. den milestone (Skizze: growler = blaue „Spitzen“ ; milestone = grüne „Balken“ ) und schätzt seine Roadmap, die ebenso dynamisch ist wie die bisherigen MS-Project-Pläne (mit der Ausnahme, das nun eine absichtliche Dynamik zu erkennen ist). Die Dynamik des Eisbergs ist ein Strom, angetrieben von der Kommunikation des PO und Dev-Teams, bei dem die unten liegenden EPICs auf ihrem Weg zur Spitze in immer feineren, schärferen Inkrementen aufbrechen.

Dadurch entwickelt sich immer wieder eine neue Spitze, die wieder als milestone gesetzt und umgesetzt wird.

Mit diesem iterativem Projektfortschritt wird der gesamte Eisberg kleiner, durchsichtiger und die Schätzungsvarianz des „cone of uncertainty“ nähert sich analog dazu dem Faktor 1.

  • Mike

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