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15 Minuten sind 15 Minuten

Bei der Beobachtung verschiedener Teams und der Durchführung des Daily Scrum bemerke ich gelegentlich, dass das Einhalten von 15 Minuten mitunter sehr schwierig ist. Nicht nur, dass die 15 Minuten teilweise überschritten oder extrem gedehnt werden. Zum Teil scheinen Sinn und Zweck überhaupt ganz zu fehlen.

 

Es geht im Daily Scrum nicht darum, nur einen Fahrplan einzuhalten, weil irgendjemand mal festgelegt hat, dass 15 Minuten auf der Uhr besser nachzuvollziehen sind, als 13 oder 17.

Der ScrumMaster ist gefordert, darauf zu achten. Allzu oft passiert es aber, dass man am Gesicht des ScrumMasters ablesen kann, dass er Verständnis für die Überziehung dieses täglichen Meetings hat. „Sie sollen sich ja austauschen, dafür ist das Meeting ja da, oder nicht?“ Ja und Nein. Manchmal ist der ScrumMaster so sehr Teil des Teams, da steht er im Kreis und hört sich die Inhalte und den regen Austausch an. Als Außenstehender würde ich dann gerne einschreiten und sofort fragen „Ist das für das Daily jetzt wichtig oder können wir das im Anschluss klären?“ Da heißt es, sich zurückzunehmen. Auch fällt es manchen ScrumMastern schwer, sich durchzusetzen und den Austausch zu unterbinden. Ja man läuft Gefahr, sich in diesem Augenblick unbeliebt zu machen, das gehört dazu. Aber warum halten wir uns in Scrum und auch im Daily Scrum an derart straffe Timeboxen?

Die Timebox macht sichtbar

Das Daily hat den Hintergrund, dass sich das Team täglich synchronisieren soll. Anhand der Fragen kann jedes einzelne Teammitglied den anderen mitteilen, was gestern an Tasks erledigt wurde, was heute erledigt werden soll und welche Hindernisse dabei aufgekommen sind oder eventuell noch anstehen könnten. Der ScrumMaster steht idealerweise mit Stift und Zettel bewaffnet dabei und notiert seine Aufgaben. Denn das sind seine Tasks. Für jeden Einzelnen im Team heißt es wiederum festzustellen, wer woran arbeitet und ob es bei den zu erledigenden Tasks zu Abhängigkeiten oder anderen Fragen kommt. Diese Fragen, die dann im Kopf aufkommen, erfüllen den Anlass des Daily Scrum. Zum einen handelt es sich bei der Synchronisation, basierend auf den drei Fragen, um die Feststellung des tatsächlichen und aktuellen Standes. Ja auch um einen Statusbericht darüber, welche Resultate bereits erzielt wurden, welche angestrebt werden und warum angestrebte Ziele nicht erreicht wurden. Kurz gesagt, das Daily bietet einen Anlass zur Kommunikation und Konversation.

Denn nicht IM Daily werden Probleme gelöst, sie werden in diesen 15 Minuten nur sichtbar gemacht. Alle Themen oder Fragen, die an dieser Stelle auftauchen, können NACH dem Daily miteinander und untereinander geklärt werden. Scrum gibt 15 Minuten vor, aber Scrum verbietet ja nicht, nach dem Daily noch kurz zusammenzustehen und sich auszutauschen. Scrum verhindert nicht, im Anschluss zum Schreibtisch des anderen zu rollen und nachzufragen. Und die Absicht liegt nicht darin, 15 Minuten Unruhe zu stiften, damit sich im Anschluss an das Daily wieder alle an ihren Schreibtisch setzen und leise vor sich hinarbeiten.

 

Dem ScrumMaster gebührt Nachsicht und Verständnis für vieles, aber nicht dafür, dass er sein Team nicht in 15 Minuten durch ein Daily begleiten kann. Es ist seine Aufgabe darauf zu achten, Sinn und Zweck zu verstehen und bei Unsicherheiten noch einmal darauf hinzuweisen.

15 Minuten sind 15 Minuten.

  • Holger

    Da wir viel Team-Arbeit und Pair-Programming machen gibt es recht viele Dubletten beim Daily Scrum. Wie soll man damit umgehen?

    Gruß
    Holger

  • Ina Kurrek

    Hallo Holger,

    auch ich habe ähnliche Erfahrung gemacht und es hat sich bewährt, dass die Teammitglieder sich vor dem Daily absprechen und darauf vorbereiten, wer was vorstellt. Es reicht wenn man sagt „ich habe gestern mit XY das gemacht und heute mache ich/ machen wir weiter mit ABC“ Impediments werden genauso vorgestellt, sie können beide betreffen, aber einer stellt sie vor. Generell ist eine gute Vorbereitung auf das Daily wichtig. 

    Beantwortet das deine Frage bzw. wie löst ihr das aktuell?

    Gruß,

    Ina