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Brainstorming: Können wir ja alle … Wirklich?

Was ist das Erste, was uns allen einfällt, wenn wir im Team ein Thema angehen wollen, ein Problem lösen müssen? Versammeln wir uns doch mal im Besprechungsraum ums Flipchart und machen wir ein Brainstorming!

Jeder von uns hat es bestimmt schon unzählige Male gemacht – ich traue mich zu wetten, dass es 95% von uns meistens falsch gemacht haben. Und genau deshalb möchte ich zusammenfassen, wie es richtig gemacht wird. Denn das Brainstorming ist die einfachste und am meistgenutzte Möglichkeit, um kreativ(e) Lösungen für Probleme zu finden.

1. (und wichtigste) Regel: Raus mit der Sprache – Denk- und Sprechverbote waren gestern

Kommen euch folgende Sätze beim Brainstorming bekannt vor?

  •  Das ist zu teuer
  •  Dazu haben wir zu wenig Zeit
  •  Dazu haben wir zu wenig Kapazitäten

Und der absolute Dauerbrenner, einfach aber wirkungsvoll:

  •  Das geht nicht …

Diese Liste ließe sich schier endlos fortsetzen und auch noch um Mimik, Gestik und sonstige Zweifels- und Missfallensbekundungen ergänzen, die ähnliche Inhalte transportieren (Augen verdrehen, laut hörbar seufzen, anderen bedeutungsvolle Blicke im Stil von „so ein Schwachsinn“ zuwerfen, etc.). Das alles sind absolute Killer, die bewirken, dass der damit in „realistische Schranken“ gewiesene Brainstormer in seiner Kreativität blockiert wird. Erstens, weil er das Gefühl bekommt, dass seine Beiträge sowieso nicht angenommen werden, und zweitens, weil die Gedanken zum abgewürgten Input in seinem Gehirn endlose Kreise ziehen und damit neue Gedanken keinen Platz haben (so ungefähr wie: „Denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten!“).

Wenn jeder Gedanke – egal ob er im Ergebnis als brauchbar in die Lösung mit einfließt, oder nicht – vorbehaltlos geäußert werden kann, ohne von den anderen bewertet oder gar abgewertet zu werden, dann ist er zumindest aus dem Kopf draußen und kann neuen kreativen Gedanken Platz machen. Macht euch daher vor jedem Brainstorming bewusst, dass ihr damit „nur“ eine erste Ideensammlung schafft, die ihr im Entstehungsprozess noch nicht an Machbarkeitskriterien messen müsst. Diese Ideensammlung werdet ihr in der Auswertung ohnedies noch clustern, ranken und Überlegungen zur Umsetzbarkeit unterziehen.

Und manchmal sind es genau die auf den ersten Blick völlig phantastisch erscheinenden Ideen, die – weiter gedacht, modifiziert und an die realen Umstände angepasst – im Ergebnis zur Lösung beitragen. Wollt ihr euch selbst um diesen wunderbaren, verheißungsvollen, ursuppenartigen Ideenpool bringen? Nein! Das wollt ihr nicht!

2. Regel: Ideenklau erwünscht

In unserer guten Kinderstube haben wir gelernt, dass man niemals die Ideen anderer Leute klaut und als die eigenen verkauft. Auch im Berufsleben haben wir uns schon mal die Nase gestoßen, wenn uns so etwas doch einmal unglücklicherweise passiert ist und der Ideenbeklaute dahintergekommen ist. Spätestens seit WWW und Intellectual Property Themen in aller Munde ist uns klar: geistiges Eigentum klauen ist gaaaaanz pfui (und kann auch noch ziemlich teuer werden)!

Fürs Brainstorming bitte wieder 180 Grad umdenken. Hier ist Ideenklau erwünscht.

Was meine ich damit? Damit meine ich, dass es beim Brainstorming ideal ist, auch auf den Inputs der anderen aufzubauen, sie weiter zu entwickeln, sie in einen anderen Rahmen zu setzen, etwas wegzunehmen hier, etwas hinzuzufügen dort, … Daraus kann im Idealfall in eurem Team eine starke kreative Dynamik entstehen, bei der eure Ideen nur so sprudeln. Und genau das ist es ja, was ihr wollt.

Damit das auch gut umgesetzt werden kann, platziert die bereits gesammelten Brainstorming-Inputs so, dass sie immer für alle Brainstormer gut sichtbar sind.

3. Regel: Wo die Depression am tiefsten, ist der Höhenflug am nächsten

Erfahrungsgemäß ist es so, dass irgendwann beim Brainstorming der Punkt kommt, an dem die Ideen versiegen. Wenn wir das merken, hören wir auf.

Mööööp.

Erfahrungsgemäß gibt es einen Punkt, an dem die Ideen vorübergehend versiegen. Die „Depression“. Hier bitte noch nicht zusammenpacken, Kaffee holen gehen und wieder jeder vor den eigenen Computer setzen. Denn wenn ihr dieses etwas unangenehme Schweigen der Ideen gemeinsam durchtaucht, kommt danach zumeist noch ein letzter kreativer Höhenflug, bei dem ihr noch einmal äußerst spannende Inputs sammeln könnt.

4. Regel: Abwechseln beim Schreiben am Flipchart

Ja, ich weiß.

Wir alle lieben es, beim Flipchart zu stehen und zu schreiben. Deshalb finden wir auch immer die wunderbarsten Ausreden, warum wir das nicht müssen – hier die fünf beliebtesten:

  •  ich hab so eine unleserliche Schrift
  •  ich kann nicht rechtschreiben
  •  ich schreib beim nächsten Mal
  •  ich hab mir den Daumen verstaucht
  •  ich werd ohnmächtig von den Dämpfen vom Marker…

Beim Brainstorming ist es jedoch wichtig, dass nicht immer nur ein Teammitglied am Flipchart schreibt (auch wenn es jenes mit der schönsten Schrift ist oder zumindest jenes, das sich am wenigsten wehrt).

Warum? Weil man es trotz aller Multitasking-Fähigkeit als Schreiber einfach nicht schafft, alle auf einen einprasselnden Wortspenden (einigermaßen leserlich…) aufs Flipchart zu bannen und gleichzeitig selbst kreative Ideen zu entwickeln. Daher löst immer mal wieder die Schreiber ab, damit auch sie eine Chance bekommen, am kreativen Prozess teilzunehmen.

Variante mit Moderationskarten

Oft wird auch eine Variante des Brainstormings genutzt, bei der alle Brainstormer zu Beginn für sich ihre Ideen auf Moderationskarten schreiben. Das ist wunderbar, aber bringt euch damit nicht um den dynamischen, kreativen Prozess des gemeinsamen Brainstormings (siehe auch 2. Regel: Ideenklau erwünscht)! Das heißt: habt ihr einmal die Karten gesammelt und aufgepinnt, dann macht auch noch mal eine Runde gemeinsames Live-Brainstorming.

Beim nächsten Brainstorming daher beachten 

0. Regel: Zeitrahmen festlegen (ca 20 – 30 Minuten) und alle Regeln zu Beginn des Brainstormings kurz kommunizieren

  1. Regel: Denk- und Sprechverbote ade und raus beim Mund mit allem, was im Kopf herumschwirrt
  2. Regel: Ideenklau erwünscht
  3. Regel: „Depression“ durchtauchen für den letzten Höhenflug
  4. Regel: Abwechseln beim Schreiben am Flipchart

Probiert es doch aus und lasst mir bei Lust und Laune ein paar Kommentare hier, wie es euch damit gegangen ist!

Und zum Abschluss möchte ich noch mein persönliches Credo und damit sozusagen die hier 5. Regel festhalten: Arbeit darf auch Spaß machen. Spaß macht kreativ und Kreativität findet neue Lösungen!