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Des ScrumMasters Dasein

Welche Funktionen hat eigentlich der ScrumMaster? Er malt Bilder, stellt komische Fragen, mischt sich in vieles ein und eine fundierte Ausbildung als Entwickler kann er selten vorweisen. Wie kann man sich denn da als Teamentwickler in einem Entwickler-Team verstehen? Aus meiner Sicht geht es in erster Linie gar nicht um die Entwicklung und doch darum, etwas zu entwickeln. Aber was? Funktionalität? Ein funktionierendes Team? Die Unterstützung eines funktionstüchtigen und lieferwütigen Product Owners? Warum reden wir eigentlich nur über Funktionalität und nicht über Aufwand? So viele Fragen!

Einen Gedanken möchte ich weiter verfolgen, der sich für mich aus diesen ganzen Fragen ergibt. Warum ScrumMaster zu sein so herausfordernd ist und warum es so viel Spaß macht. Dazu eine kleine Anekdote aus Studienzeiten.

Ein Professor sagte mir mal: „Wenn, dann arbeiten Sie mit Steinen, Frau Kurrek. Menschen sind doch keine Steine. Sie arbeiten für Menschen und nicht mit ihnen“

 

Für mich ist es nichts Negatives, wenn ich mit jemandem arbeite. Ich schiebe den Menschen ja nicht als Schubkarre vor mir her und instrumentalisiere ihn als Lastentier. Die Aussage war in meinen Augen so bewertend, dass ich es teilweise vermied, mit Menschen zu arbeiten, sondern nur für sie. Selbst die innere Haltung orientierte sich an einem für und nicht mit. Heute widerspreche ich und heute hinterfrage ich. Immerhin, der Mann war Professor. Dabei beziehe ich mich nicht auf empirische Studien oder wissenschaftliche Belege, sondern rein auf die Beobachtungen meinerselbst in der Interaktion mit meinem Team und für mein Team.

 

Für & mit

 

Ja, mein Team benötigt ein für und dieses bedeutet in erster Linie, Impediments beseitigen, das Team zu schützen und zu unterstützen. All das geht aber nicht ohne ein Team und jeden Einzelnen darin, mit dem ich zusammen arbeite. Der Rolle des ScrumMasters werden viele Kompetenzen abverlangt und unterstellt. Darüber hinaus muss er weitaus mehr erledigen, als verwaltungsähnliche Aufwände zu betreiben um für das Team zu arbeiten. Empathie ist dabei nur ein großer Kompetenzbaustein, der auf verschiedensten Ebenen zum Fundament gehört. Teamfähigkeit und soziale Kompetenz, die Lust an Veränderung und diese auch bewusst und offen wahrzunehmen, reihen sich schon fast selbstverständlich mit ein. Ja, auch eine Affinität zur kreativen Visualisierung ist unumgänglich. Komplexe Themen, fachliche Anforderungen, Strukturen, Übersichten und die unzähligen Bilder von störenden Impediments können und sollten vom ScrumMaster visualisiert werden. Ob das nun „malen“ ist, sei an dieser Stelle mal völlig wertfrei dahingestellt. Die Kompetenzliste darf auch gerne erweitert werden. Sich zu beschränken hieße ja, sich in seiner Rolle zu beschränken.

 

Den Überblick behält der ScrumMaster durch permanente Fragen jeglicher Natur, um bei dem Beispiel zu bleiben, um sich ein Bild von der jeweiligen Lage und Dringlichkeit zu machen. Als Entwickler mag es manchmal schwierig sein, diese fachfremden Fragen zu hören zu verstehen oder sie gar beantworten zu wollen. Augenrollen oder lautes Seufzen sind teilweise natürliche Reaktionen, die ich als Echo darauf bekomme. Eine weitere Kompetenz, die sich in das Kompetenzfundament dabei mit einreiht, ist die kommunikative Kompetenz. Wenn ich nur für mein Team kommuniziere, verfalle ich in Verwaltungstätigkeiten. Mein Team und auch ich als ScrumMaster benötigen jedoch die Kommunikation miteinander. Kleinigkeiten, Unzufriedenheiten, Selbstverständlichkeiten, Missverständnisse, Fehlinterpretationen, persönliche Bewertungsmuster und sachlich  ferne Beurteilungen können durch die gemeinsame Interaktion zeitnah und effektiv beseitigt werden.

 

Genau das verstehe ich unter einem Miteinander. Das verstehe ich darunter, wenn ich sage, ich arbeite mit Menschen. Das „für“ halte ich dabei für selbstverständlich!

 

  • marcel patalon

    Hallo Frau Kurrek, sehr interessanter Beitrag, der neugierig macht.
    Besten Gruß aus Dortmund