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Widerstand ist … Feedback

„Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Erde, ich rieche es in der Luft. Vieles was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.“

So beginnt die Erzählung von Galadriel in „Der Herr der Ringe“ und ein wenig später sagt sie: „Doch einige leisteten Widerstand.“

Wir wissen, dass der Widerstand, von dem Galadriel spricht, der des letzten Bündnisses von Elben und Menschen ist. Ein Widerstand, der hocherwünscht ist und für das Gute steht. Alle, die Wandel in Organisationen vorantreiben und begleiten, erleben Widerstand meist als das Gegenteil: als harsche Kritik an der eigenen Idee, als persönlichen Affront oder politisches Spiel, bei dem man teils verborgenen Mächten ausgesetzt ist. Selten erlebt und nutzt man Widerstand als das, was er auch sein kann: ein Feedback und wertvolle Information!

Warum ist Widerstand eine wertvolle Information?

Weil er uns die Grenzen unserer Idee aufzeigen kann, sofern wir zuhören: Unsere Ideen und Konzepte sind nicht perfekt und passen nicht gleich gut in jede Organisation. Es gibt immer Punkte, an denen sie anecken und an diesen Stellen besteht meist weiterer Bedarf zur Veränderung. Widerstand eignet sich dazu, diese Stellen zu identifizieren, um den Wandel möglichst effektiv voranzutreiben. Meist erkennen wir erst durch Widerstand, wo der Schuh in der Organisation wirklich drückt.

Was müssen wir tun, damit wir die Information erkennen?

Offen sein, mutig sein, sich dem Widerstand stellen. Respektvoll zuhören. Widerstand nicht als persönliche Kritk sehen, sondern als Information erkennen und anerkennen. Die Menschen abholen, sie ernst nehmen. Die Information, die uns gegeben wird, annehmen, respektvoll damit umgehen, denn wir reden meist von Sorgen, Ängsten oder berechtigten Einwänden. Die Information mitnehmen, hinterfragen, weiter fragen, reflektieren – darüber nachdenken, gut und schlecht unterscheiden, in Lösungen denken – und sich nicht zu sehr mit dem Problem beschäftigen. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, mit den Personen zu reden, die kritisch hinterfragen, denn in den wenigsten Fällen handelt es sich um eine harsche Ablehnung, sondern eher um ein vorsichtiges Interesse und um gute Hinweise, wo uns Weisheit oder Wissen fehlen und wir Standpunkte einer anderen Wahrheit erkennen können.

Wie gehen wir mit der Information um?

„Was man nie anpackt, dauert am längsten“, sagt Samweis Gamdschie zu Frodo – und beschreibt auch den Kern unseres Problems: Wir müssen anpacken, zupacken. Nur wie?

Eine unserer natürlichen Reaktionen auf Widerstand ist das Ausweichen – die Flucht. Wir suchen Ablenkung dort wo unsere Idee auf offene Ohren stößt und meiden die Ablehnung. An den Stellen, an denen wir mutig genug sind nicht auszuweichen, gewinnen wir viel – wir sind bereits im Gespräch. Nun ist es wichtig wie wir weiter damit umgehen, denn das entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Viele Menschen reagieren auf Konfrontation mit einem Gegenangriff und versuchen so den Widerstand zu brechen. Alternativ und meist übersehen, eröffnet sich uns auch eine andere Perspektive: Wir machen uns den Widerstand zu eigen und leiten ihn in geordnete Bahnen, d. h. wir nehmen die Information auf und setzen diese zum eigenen Nutzen ein. So können wir bspw. Schwachstellen erkennen und ggf. schnell auflösen oder uns auf unangenehme Fragen vorbereiten. Kampf ist zwar ein sehr hartes, für mich aber auch ein sehr anschauliches Bild: Im Aikido nimmt der Kämpfer den Angriff auf und setzt ihn zum eigenen Nutzen ein, indem er dessen Kraft und Schwung nutzt, ihn führt und ihn bspw. in eine Position der Kontrolle überführt. Man spricht bei Aikido auch von einer „defensiven, verantwortungsbetonten geistigen Haltung“, die, wie ich finde, sehr passend beschreibt, wie man mit Widerstand umgeht, wenn man ihn ernst nimmt.

Was gilt es zu beachten?

Um mit  der Information Widerstand umzugehen und aufzuzeigen, dass einem selbst der Perspektivenwechsel gelingt, ist es von Vorteil, wenn man seinem Gegenüber die Vorteile der Veränderung deutlich macht. Wichtig dabei ist, dass man auf den konkreten Nutzen für die Person eingeht und nicht ein abstraktes Bild zeichnet, das schwer greifbar mit einem Schulterzucken getadelt werden kann.

Gut zu erkennen

Manchmal löst nicht die Idee, sondern der Überbringer der Nachricht den Widerstand aus. In solchen Fällen hilft es, um Unterstützung von jemandem zu bitten, der akzeptiert wird. Diese Person kann als Vermittler auftreten und Brücken bauen, wo ansonsten das Fundament für Akzeptanz und Offenheit fehlt.

Letztlich kann nicht jede Ablehnung aufgelöst werden. Die Kunst liegt darin zu erkennen, wann das der Fall ist, um die eigene Energie dann anderweitig besser einzusetzen.

Fazit

Wir müssen erkennen, dass kein Plan perfekt ist: Oftmals fehlen uns wichtige Informationen, wir stoßen an organisatorische Grenzen, uns fehlt ein Blickwinkel, die Wahrheit einer anderen Perspektive. Jeder Wandel ist wie ein Puzzleteil, das sich in das große Ganze fügen und es verändern muss – so passt der Wandel zuerst nur zum Teil in die Umgebung, in der wir ihn gerne realisiert sehen. Alles in allem ist Widerstand ein Feedback, das genutzt werden sollte, bevor es einen selbst schwächt oder ausbremst. Indem man wichtige Rahmenbedingungen erkennt, Menschen mitnimmt, deren Meinung wertschätzt und in die eigene Umsetzung mit einbezieht, überführt man den Widerstand in eine Lösung. Denn anhand von Widerstand erkennen wir Handlungsbedarf und bekommen die Chance, Veränderungen effektiver zu gestalten.

Seid mutig und nutzt den Widerstand, der euch begegnet! Euer Gegenüber wird es euch danken – im besten Fall gewinnt ihr einen neuen Verbündeten. Oder frei nach Gandalf dem Graurock: „Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfangen willst, die dir gegeben ist.“

  • Jens K.

    Danke Sven! VG Jens

    • Sven Winkler

      Danke Jens :-)
      Mal wieder in der letzten Zeit Fearless Journey gespielt? Würde mich auf eine Runde mit Euch freuen.

      Viele Grüße, Sven :-)