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Es muss schnell gehen, heute machen wir kein Scrum

Zu meiner großen Freude führen immer mehr Unternehmen Scrum ein und beginnen diesen Produktentwicklungszyklus auch wirklich zu leben. Besonders gelobt werden die Planbarkeit und der Umgang mit dem Commitment. Und dennoch: Immer wieder schleicht sich ein altbekanntes Phänomen ein, das absolut im Widerspruch zu Scrum steht und auch konträr zu den eben erwähnten positiven Aussagen ist.

Folgende Situation: Eine vergessene Ausschreibung trudelt auf dem Tisch eines Mitarbeiters ein. Plötzlich müssen Kundenwünsche „schnell“ oder „mal kurz“ vom Entwicklungsteam umgesetzt werden. Untermalt von der Aussage: [quote author = „Ein Gehetzter“]“Leute, es muss schnell gehen, heute machen wir kein Scrum!“[/quote]  Und dann setzt man sich (im besten Fall) noch einmal zusammen und bespricht im Schnellverfahren, was zu tun ist. Dann hauen alle in die Tasten und die Abstimmung, die in Scrum eigentlich mehr Raum hat und sonst so gelobt wird und zum gewünschten Erfolg führt, wird ausgesetzt, weil sie angeblich zu lange dauert. Was bedeutet das? Dass Scrum nur toll ist, wenn man lange Planungsphasen hat? Wenn es aber schnell gehen muss, gibt es keine Zeit für eine richtige Abstimmung?

Was will Scrum?

Scrum möchte weg vom schnellen Dazwischenschieben von Aufgaben, hin zu einem strategischen Agieren und Planen. Dazu ist ein Product Owner nötig, der alle Termine im Blick hat und auch einmal Nein zu unerwarteten Kundenanforderungen sagen kann. Und hier spreche ich nicht vom Stillstand beim Kunden – dass es hier eine Ausnahmesituation braucht, ist selbstredend. Hier sind wir schnell bei den Verantwortlichkeiten und Aufgaben des PO: Er oder sie muss die Kundentermine im Blick behalten, sie priorisiert in das Backlog bringen und die Kundenanforderungen dann von den Entwicklern abarbeiten  lassen. Keine leichte Aufgabe, denn meist ist es ja nicht nur ein Kunde, dessen Wünsche und Bedürfnisse gestillt werden müssen. Einen guten Product Owner zeichnet ein gutes Organisationstalent aus. Und nicht nur das: Er hält den Kontakt zum Kunden, um rechtzeitig Anforderungen einzusammeln und den Entwicklern periodisiert zur Verfügung zu stellen.
Gelingt das dem Product Owner gut, dann ist es eine Arbeitserleichterung für die Entwickler. Sie müssen dann nicht mehr im letzten Moment auf den Plan gerufen werden, um das Feuer am Dach zu löschen.

Gilda Feller, Scrum Consultant bei bor!sgloger